„Der Fall DFB“, Der Spiegel und sein Kronzeuge Theo Zwanziger

Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, Spiegel-Titel „Der Fall DFB“:
Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, Spiegel-Titel "Der Fall DFB":

Der aktuelle Spiegel dürfte die am meisten erwartet Ausgabe des Nachrichtenmagazins seit Jahren sein. Gespannt wartete die Öffentlichkeit darauf, was die Redaktion um Chefredakteur Klaus Brinkbäumer in der Sommermärchen-Affäre nachlegen würde. Dabei präsentiert der Spiegel mit dem ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger vor allem einen Kronzeugen für seine Verdachtsmomente von vergangener Woche.

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Die Freunde des Deutschen Fußball Bundes, die Freunde Wolfgang Niersbachs, die Freunde Franz Beckenbauers – sie glaubten schon vor der aktuellen Spiegel-Ausgabe zu wissen, dass Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger hinter den Spiegel-Enthüllungen um 6,7 Millionen Euro, die auf dubiosen Wegen vom verstorbenen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zum Organisationskomitee der Fußball WM 2006 in Deutschland und dann wieder über die Fifa zurück zu Louis-Dreyfus flossen, steckt.

Der Spiegel bezeichnete das Geld als schwarze Kasse, mit der die Stimmen der asiatischen Mitglieder der Fifa Exekutive während der Bewerbungsphase für die 2006er WM gekauft worden seien. Der aktuelle Spiegel wird die DFB-Freunde in ihrer Vermutung bestätigen, dass Zwanziger die Hauptquelle für die Story ist. Denn Theo Zwanziger tritt hier gleichsam als eine Art Kronzeuge für den Spiegel auf und bestätigt praktisch alle Verdachtsmomente des ersten Artikels. Vor allem jene, für die die Beweise fehlen.

So gesehen ist jetzt Zwanziger der Beweis. Denn der Spiegel erwähnt vielsagend in Richtung DFB, dass Zwanziger „notfalls auch vor Gericht und mit einer eidesstattlichen Versicherung“ bereit sei, seine Aussagen zu untermauern. Das hat Gewicht. Zwanziger hat – für ihn praktisch – auch gleich ein Gutachten seiner Anwälte mitgebracht, das darlegt, das ihn an eventuellen Schmierereien im Umfeld der WM-Vergabe keine Schuld trifft.

Und Zwanziger bestätigt auch, dass die handschriftliche Anmerkung auf einem Fax, dass es sich bei den 6,7 Mio. um ein Honorar für „HLD“ handle, die Handschrift des amtierenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach sei, woran dieser sich freilich nicht mehr erinnern kann oder mag.

„HLD“ soll übrigens für „Herrn Louis-Dreyfus“ stehen. Im vorigen Spiegel hieß es noch, die Buchstabenfolge laute „RLD“ für Robert Louis-Dreyfus. Beim Spiegel haben sie sich verlesen, untermauern die Behauptung, dass es um Dreyfus gehen muss aber mit einer Kontonummer, die sich auf dem Fax findet und zu einem Dreyfus-Konto führt.

Zwar führt der Spiegel immer wieder an, die Rechercheergebnisse von verschiedenen Seiten bekommen zu haben – im Prinzip hätte aber wohl auch Zwanziger gereicht, der im Spiegel-Text auffallend wohlwollend behandelt wird: Zwanziger sei „ein messerscharf denkender und präzise formulierender Jurist, fraglos enttäuscht von seinem Nachfolger Niersbach, aber zugleich getrieben von ernsthafter Sorge“, heißt es da. Niersbach dagegen „irrlichtert“, tischt ein „Herbstmärchen“ auf, seine Pressekonferenz „gerät zum Fiasko“. Man muss allerdings festhalten, dass der Spiegel in der Bewertung von Niersbachs Auftritt nicht alleine ist.

Aber das sind nur Petitessen am Rande. Eigentlich ist es egal, ob Theo Zwanziger als eine Art Worldcup-Whistleblower den Spiegel rundum mit Informationen versorgt hat oder jemand anderes auch beteiligt war – wichtig ist, ob diese Infos Stimmen. Den endgültigen Beweis, dass die WM 2006 gekauft war, ist auch die zweite Spiegel-Story schuldig geblieben. Die Behauptung wirkt aber immer wahrscheinlicher.

Ganz im Gegensatz zu der in der Tat hanebüchen wirkenden Version der Ereignisse, die Wolfgang Niersbach diese Woche auf seiner Pressekonferenz verkündet hat. Dass sich Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident im Amt halten kann, scheint spätestens nach dieser aktuellen Spiegel Ausgabe unmöglicher denn je.

(swi)

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