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Sascha Lobos Fake-Rezension im Literatur Spiegel und warum sich niemand darüber aufregt

Alles Fake: Besprechung von „Cybris“ im Literatur Spiegel
Alles Fake: Besprechung von "Cybris" im Literatur Spiegel

Sascha Lobo hat also für die Literatur-Beilage des Spiegel ein Buch rezensiert, das es gar nicht gibt. Seine Hymne auf „Cybris“ von Carol Felt war ein Fake, der am heutigen Freitag auf der Frankfurter Buchmesse enthüllt wird. Die Aktion war ein durchaus gelungener Literaten-Spaß. Die vielleicht erhoffte Welle der Empörung dürfte ausbleiben.

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Denn allzu schnell wurden Carol Felt und ihr Buch „Cybris“ als das enttarnt, was es ist: ein Fake. Erste Tweets, die die Echtheit der Story in Frage stellten gab es schon Ende September nach der Veröffentlichung des Literatur Spiegel.

Wer soll das alles glauben?“ ist auch ein Satz aus Lobos Text. Anfang Oktober erschien dann bereits eine längere Würdigung von Lobos Fake-Leistung im Netz. Auch der RBB kam den Fakern auf die Spur. Dabei hatten sich Lobo und der verantwortliche Spiegel-Literatur-Redakteur Volker Weidermann Mühe gegeben. Es wurde ein Twitter-Account für „Carol Felt“ angelegt:

Der österreichische „Verlag der Illusionen“ (Hint, Hint!) bekam eine Website samt Buchvorstellung verpasst. Weidermann und Lobo produzierten ein Video, in dem sie über das Buch diskutierten und Lobo das vermeintliche Buch auch in Händen hielt.

Dass wegen des Hoaxes nun die Glaubwürdigkeit des Spiegel in Gefahr sei, wie einige meinen, muss freilich nicht so sein. Natürlich darf Literatur mit Sein und Schein spielen. Und auch Literatur-Kritik darf das. Die Idee von Weidermann und Lobo war originell und gut umgesetzt.

Überraschend ist eher, dass der Fake kein größeres Echo fand. Das Publikum nahm Carol Felt, laut Lobo „eine Frau, die schon als Person unwahrscheinlich erscheint“, mehr oder minder achselzuckend zur Kenntnis. Das mag daran liegen, dass das Thema des Fakes womöglich zu realistisch gewählt war. Eine überspannte New Yorkerin, die einen Roman über das Digitale schreibt, der von Sascha Lobo in der Spiegel-Literaturbeilage euphorisch und mit einer paar überkandidelten Formulierungen („Ein digitales Fest der Uneindeutigkeit im Reich der Nullen und Einsen.“) besprochen wird – das ist jetzt nichts unfassbar Unwahrscheinliches. Auch dass Fakes bewusst eingesetzt werden, ist mittlerweile ein gelerntes Stil-Mittel, siehe Jan Böhmermann und sein Fake-Fake zu Yanis Varoufakis Mittelfinger.

Lobos Fake-Rezi war schlicht gesagt zuviel Imitation und zu wenig Karikatur. Heutzutage ist es eben doch recht knifflig geworden, die Meute gepflegt reinzulegen. Macht man es zu überdreht, ruft jeder „Buuh, Fake“. Macht man es realistisch, juckt es keinen groß. Als Digital-Rebell hat man es auch nicht leicht.

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Alle Kommentare

  1. Ich habe ne andere, viel einfachere Erklärung, nämlich dass es keinen juckt was Lobo so von sich gibt.

  2. Nicht nur über diesen „Fake“ von Herrn Lobo können viele nicht lachen. Reicht ja, daser sich toll findet!

  3. Mich würde eher interessieren, welche Reaktion sich die Macher dieses Artikels eigentlich erwünscht hätten? Es bleibt die Frage: „Was soll das ??“

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