„Jugendportale ruinieren den Journalismus“ – der Freitag rechnet mit Ze.tt & Bento ab:

Der Freitag kritisiert Jugendportale wie Ze.tt und Bento
Der Freitag kritisiert Jugendportale wie Ze.tt und Bento

Die neuen deutschen Jugendportale Bento, Ze.tt und BYou haben bereits kurz nach ihrem Start keinen leichten Stand bei Medienkritikern. Immer wieder wird die Frage laut, ob Jugendliche derartige Webseiten wirklich brauchen. Auch der Freitag übt in der aktuellen Ausgabe scharfe Kritik und erhebt sogar den Vorwurf, Ze.tt & Co würden junge Menschen als "scheue Dummchen" behandeln.

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„Ich brauche Bento nicht“, schrieb der 18-jährige Miguel Robitzky Anfang des Monats bei DWDL – Kritik, die die Redaktion des Spiegel-Online-Ablegers getroffen haben dürfte. Denn schließlich kritisiert hier jemand aus der direkten Zielgruppe, dass die „wirklich wichtigen Themen bei Bento nur sehr flüchtig angerissen oder gar nicht erst angesprochen werden“. Mit seiner Kritik steht Robitzky nicht alleine – auch Der Freitag arbeitet sich in dieser Woche an den neuen Jugendportalen ab und haut in dieselbe Kerbe: Ze.tt, Bento und BYou würden ihre Leser nicht ernst nehmen.

„Nebensätze sind Mangelware“

Die Der-Freitag-Autorin Juliane Wiedemeier hat die Ze.tt-Redaktion in Berlin-Kreuzberg besucht. „Alle hier sind jung, alle sind unfassbar gut gelaunt und alle könnten jederzeit aufstehen und die Hauptrolle in einem Werbefilm für glutamatfreie Frühstücksflocken übernehmen“, beobachtet sie. Der „neue, deutsche Online-Journalismus“ sei „hip, aufgeweckt und unprätentiös“. Inhaltlich gehe es vorwiegend um Unterhaltung, mit kritischem Journalismus habe Ze.tt nichts zu tun. „Klickt man auf ein Bild, gelangt man zu einer Mischung aus Sätzen, Fotos, Videos und Tweets, die zu kleinen Geschichten angeordnet sind. Nebensätze sind Mangelware; selbst ein komplexes Thema wie das tunesische Quartett wird nur kurz abgehandelt“, bemängelt Wiedemeier.

Zwar sei es löblich, dass die großen Verlagshäuser Zeit Online, Spiegel Online und Bild das Internet endlich nicht mehr ignorieren und mit neuen Erzählformen für junge Leute experimentieren. Schlecht sei hingegen, dass diese Experimente mit Listicles, Tweets und Bildern gar nicht wirklich neu seien, sondern in den USA schon seit fast zehn Jahren gang und gäbe.

Die Welt ist komplexer als ein Gif

„Die Welt von Ze.tt ist postitiv, nett, übersichtlich. Mit der Realität hat sie damit allerdings wenig gemein“, so Wiedemeier. „Vor lauter Angst, die jungen Leser mit zu langen oder komplizierten Texten abzuschrecken, werden sie mit banalisierten Inhalten unterfordert.“ Offenbar traue die Redaktion ihrer Zielgruppe, zu der ja auch Studenten und Berufseinsteiger gehören, nicht zu, sich länger als drei Minuten mit einem Thema auseinanderzusetzen. Dies könne „gravierende Folgen“ haben, befürchtet die Journalistin. Denn der Vorwurf, dass sich junge Leute nicht mehr für Politik interessieren stimme nicht, erklärt sie. Dies würde die gerade veröffentlichte Shell-Jugendstudie belegen. Diese Unterforderung der Leser könnte Weichen in Richtung Banalität stellen und den Journalismus für Jugendliche „runieren“. „Wenn Angebote wie Ze.tt und Bento die Zukunft des Journalismus sein sollten, würden komplexere Politikdebatten abseits des Bundestags nicht mehr stattfinden.“

Für Julia Wiedemeier ist klar: „Wenn die Jugend etwas nicht leiden kann, dann ist es, nicht für voll genommen zu werden.“ Und die jungen Leute wüssten ganz genau, dass die Welt komplexerr ist als ein Gif.

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