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Chefredakteurin Brigitte Huber über Barbara: „Ein Magazin wie ein Mädelsabend – mal lustig, mal ernst, aber immer ehrlich“

Brigitte meets Barbara: G+J-Magazinmacherinnen Schöneberger und Huber
Brigitte meets Barbara: G+J-Magazinmacherinnen Schöneberger und Huber

Diese Woche erschien die erste Ausgabe der neuen G+J-Frauenzeitschrift Barbara. Das Heft will "kein normales Frauenmagazin" sein und verzichtet konsequent auf Diäten, Workouts oder To-do-Listen. Beauty- und Modetipps gibt es trotzdem – für Chefredakteurin Brigitte Huber kein Widerspruch. Im Interview mit MEEDIA spricht die Blattmacherin über das Konzept des Heftes, ihre Zusammenarbeit mit Barbara Schöneberger und die "Ambivalenz von Frauen".

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Frau Huber, Ihr Claim bei Barbara ist „Kein normales Frauenmagazin“: Was ist das Konzept der Magazins?
Die Barbara ist ein Frauenmagazin und doch ganz anders als die meisten klassischen Frauenzeitschriften, die auf dem Markt sind. Das offensichtlich Besondere ist, dass unser Magazin stark mit der Person Barbara Schöneberger verbunden ist. Wir haben im Vorfeld überlegt: Was macht Barbara aus, warum mögen sie so viele Leute? Und wir sind zu dem Ergebnis gekommen: Barbara ist eine Frau, die offen ausspricht, was andere nur denken. Sie hat gute Laune und ist gleichzeitig niemand, der ständig sagt: „Das muss man aber noch besser können.“ Sie ist also eher entlastend als optimierend. Genau das ist die Grundidee. Das Magazin entspricht einem typischen Mädelsabend, an dem wir das Korsett, in das wir uns ja häufig selber stecken, einfach mal ablegen und erzählen, was uns bewegt. Mal lustig, mal ernst, aber vor allem immer ehrlich.

Wer ist Ihre Zielgruppe?
Unsere Kernzielgruppe sind Frauen zwischen 30 und 55, weil Barbara hier ganz besonders viele Fans hat. Selbstbewusste Frauen, die keine Zeitschrift brauchen, die ihnen sagt wo es langgeht, und die auch mal über sich selbst lachen können. Aber selbstverständlich freuen wir uns auch über jüngere oder ältere Leserinnen und gerne dürfen uns auch Männer lesen.

Im Editorial der ersten Ausgabe hat Barbara Schöneberger erklärt, dass sie jeden Text und jeden Beitrag persönlich abgenommen hat. Wie kann man sich diese Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Frau Schöneberger ganz konkret vorstellen?
Barbara ist jeden Freitag in Hamburg und nimmt an der Redaktionssitzung teil. Wir besprechen die Themen, zeigen ihr Entwürfe für Layouts oder Ideen für Fotostrecken. Wir diskutieren, was ihr gefällt, was nicht so sehr und kommen so auf eine gemeinsame Linie. Tatsächlich bekommt sie jeden Text noch mal vorgelegt. Nach ihrem Feedback ändern wir vor allem Kleinigkeiten, beispielsweise ein Wort, das sie selber nie benutzen würde. So wollen wir der Leserin das Gefühl vermitteln, ihrer Barbara noch näher zu sein – jedoch ohne, ein Fanmagazin zu werden.

Macht Barbara Schöneberger selber auch Themenvorschläge oder kommen diese ausschließlich aus der Redaktion?
Die Themenvorschläge kommen zum Großteil von den Journalistinnen und Journalisten. Zunächst machen wir innerhalb der Redaktion ein Brainstorming und finden ein Überthema, wie in der ersten Ausgabe „Das erste Mal“. Barbara steigt dann ebenfalls ins Brainstorming mit ein.

Wie ist die Redaktion aufgestellt, woher kommen die Redakteure?
Die Gründungscrew kam aus unterschiedlichen Bereichen. Wir haben Leute aus der Brigitte-Redaktion, vom stern, von der Couch oder Women’s Health. Aktuell haben wir rund zehn Festangestellte und arbeiten ansonsten viel mit Freien.

Welche Frauenmagazine sehen Sie auf dem deutschen Markt als direkte Konkurrenz? Und wie wollen Sie sich hier konkret abheben?
Das Spannende an Barbara ist, dass es eben kein vergleichbares Heft gibt. Die Idee, um eine Person herum ein Frauenmagazin zu entwickeln, ist für Deutschland tatsächlich neuartig und deshalb gibt es auch keine direkte Konkurrenz.

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Der Großteil der Themen findet sich auch in anderen Magazinen: Partnerschaft, Sexualität, Mode und Ernährung. Worin unterscheidet sich Ihr Umgang mit diesen Themen? Oder anders gefragt: Was muss eine Geschichte haben, damit sie eine Barbara-Geschichte wird?
Wir bringen die gleichen Themen wie andere Frauenmagazine. Die Themen, die Frauen interessieren, sind nun mal Liebe und Leben, Mode, Beauty, Rezepte und Reise. Bei uns ist einfach die Herangehensweise anders: So haben wir zum Beispiel eine sehr ernsthafte Geschichte in der aktuellen Ausgabe, in der es um den Verlust eines geliebten Menschen geht. Dabei lassen wir die Aussagen der Menschen einfach stehen und machen nicht das, was wir beispielsweise bei der Brigitte tun würden: noch ein Essay dazu schreiben oder ein psychologisches Interview drucken. Eben wie bei einem Mädelsabend: Auch hier kann man Dinge einfach mal stehen lassen, ohne alles in die letzte Faser zu erklären oder zu analysieren. Ansonsten lassen wir gern Bilder sprechen, wie bei der Fotostrecke der Junggesellinnenabschiede. Das würden Sie wahrscheinlich in vielen anderen Magazinen gar nicht finden, dazu sind die Bilder letztendlich zu grell und zu laut. Bei der Kochstrecke hingegen geht es uns um die Aussage: Wir sind alle keine perfekten Köchinnen und trotzdem trauen wir uns an aufwändige Sachen heran.
Anfang des Jahres haben wir einen Dummy der Barbara erstellt und in einer Marktforschung testen lassen. Dabei kam heraus: Die Frauen wollen Tipps und Service, aber er soll eben – und das erwarten sie von einem solchen Magazin – auf leichte und humorvolle Art und Weise rüberkommen.

Als ich das Magazin gelesen habe, sind mir unter anderem auch die Rezepte aufgefallen und ich dachte: Super, hier gibt es mal keine Diät-Kost. Doch eine Seite später wurden Snacks nach Hüftgoldfaktor bewertet. Sehen Sie hier keinen Widerspruch? Oder ist das genau dieser humorvolle Service, den Frauen sich wünschen?
Genau, den Hüftgoldfaktor meinen wir augenzwinkernd. Tatsächlich ist diese Seite auch in der Testphase sehr gut angekommen, weil die Frauen diesen Ausdruck „Hüftgoldfaktor“ einfach lustig fanden. Und es ist doch so: Wir Frauen sind ein Stück weit ambivalent. Das heißt, selbstverständlich sagen wir oft, dass wir Diäten dumm und dusselig finden und dann haben wir aber doch Lust, wieder in das Lieblingskleid zu passen. Ich glaube, es wäre auch verkehrt, so zu tun, als gäbe es diese Widersprüchlichkeit in uns Frauen nicht.

Passt es deshalb Ihrer Meinung nach auch zusammen, dass Sie auf der einen Seite signalisieren, Frauen sollen sich nicht so unter Druck setzen, und auf der anderen Seite viele Ihrer Anzeigen für Make-up oder andere Schönheitsprodukte werben?
Barbara Schöneberger steht dafür, dass sie viele Dinge locker sieht. Doch „entlastend statt optimierend“ heißt nicht, dass man nicht zum Beispiel mit einer besonders guten Wimperntusche einen tollen Augenaufschlag hinbekommen möchte. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Frauen mögen es, gut auszusehen und zwar am liebsten mit so wenig Aufwand wie möglich. Es ist wichtig, dass Frauen nicht permanent wie ein Coach mit sich selber umgehen und alles verbessern wollen. Aber wenn wir mit wenig Aufwand etwas hübscher aussehen können, tun wir das auch.

Sie konnten für die erste Ausgabe 53 Anzeigen mit einem Volumen von 1,3 Millionen Euro akquirieren, können Sie dies für die nächste Ausgabe halten oder gar noch steigern?
Es sieht sehr gut aus, auch die zweite und dritte Ausgabe verkaufen sich schon gut. Die Verkäufe noch zu steigern, wäre allerdings sehr ambitioniert. Denn wir haben jetzt schon deutlich mehr erreicht, als wir uns vorgenommen hatten.

In der ersten Ausgabe betonen Sie mehrfach, dass Barbara anders als andere Frauenmagazine ist. Werden Sie das so weiterführen oder war das jetzt ein besonderes starkes Statement extra für den Start?
Inhaltlich werden wir so weitermachen: keine Workouts, keine Diäten, keine To-Do-Listen. Aber natürlich werden wir das nicht in jedem Editorial wieder thematisieren. Das haben wir jetzt am Anfang stark betont, damit die Leser wissen, was sie erwartet.

Wie gehen Sie online mit den Inhalten um? Gibt es schon ein Konzept?
Zunächst wollen wir uns auf Print konzentrieren und das Heft so gut wie möglich umsetzen, damit es sich etabliert. Wir haben aber schon eine gute Idee für einen digitalen Auftritt, und nächstes Jahr wird es Barbara auch online geben. Aber dazu verraten wir noch nichts Konkretes.

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Alle Kommentare

  1. Eine geniale Zeitschrift.Da ich inzwischen meine Tochter infiziert habe,kaufe ich inzwischen immer zwei.Es geht mir wie meiner Tochter ich bin nicht bereit sie zu entsorgen oder weiterzugeben.

  2. leider konnte ich die angebene Seite mit dem Fragebogen nicht finden!
    Schade!
    hätte gern an der Verlosung teilgenommen………….

  3. Was soll an dieser Zeitschrift besser oder gut sein???? Das was berichtet wird steht in all den anderen Zeitschriften auch! In einem Jahr spricht kein Mensch mehr über diese Zeitschrift! Ein Klatschblatt wie viele andere !

  4. Zu den Frauenthemen im Heft fühle ich mich nicht gerade berufen, einen Kommentar abzugeben.

    Was ich im meedia-Interview aber vermisst habe: dass nachgehakt wird, wieso es lustig sein soll, wenn Putin in der nicht ganz ernst gemeinten Beziehungskolumne vermeintlich „Angriff“ empfiehlt.
    Sorry, aber der Ukraine-Konflikt, die Krim-Krise – das ist für die Redaktion witzig? Da ist mir – auch angesichts der vielen Opfer – echt die Spucke weggeblieben. Dann doch lieber Diäten, liebe Barbara.

  5. Mich hat das Heft ein bisschen enttäuscht. Es war nicht schlecht, aber ziemlich normal, anders als der Titel eben sagt. Und die angeblich so ausgefallenen Fotos vom Jungesellinnenabend, die wirkten bemüht und eher wie ein Fall für Neon.

    Ich werde es bestimmt mal wieder kaufen, da nette Lektüre, aber es ist kein Muss. Und die Benennung nach Barbara Schöneberger braucht kein Mensch, auch wenn sie nicht wehtut!

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