Schöner Shoppen mit Schöner Wohnen: die E-Commerce-Pläne von Gruner + Jahr

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In Zeiten sinkender Anzeigenerlöse ist es für die vielen Medienhäuser längst von essentieller Bedeutung, sich stärker zu differenzieren und die Digital- und Vertriebsumsätze zu steigern. Genau diese Strategie fährt Gruner + Jahr mittlerweile unter Hochdruck. In Hamburg zog nun die Living-Gruppe eine erste Bilanz und kündigte Renovierungen bei Schöner Wohnen und Häuser, sowie Ausbauten bei Flow an. Wichtigste News allerdings: Schöner Wohnen steigt bereits im ersten Halbjahr 2016 mit einem eigenen Shop in den E-Commerce ein.

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Selbst die Vorstandsvorsitzende betont seit einiger Zeit immer wieder die Wichtigkeit des Shopping-Projektes. Denn eine solche Verlängerung der Marke würde wohl bestens zum Leserverhalten passen. So wollen die Hamburger beobachtet haben, dass viele Leser des Wohn-Magazins sich immer wieder fragen würden, wo sie die einzelnen Möbel- oder Designstücke kaufen könnten, die die Redaktion vorstellt.

Dieses Angebot will Gruner + Jahr nun selbst starten. Allerdings planen die Hamburger nicht den kompletten Aufbau eigener Logistikzentren. Die Lagerung und der Versand der Produkte soll eine Handvoll erfahrener Partner abwickeln. Um dieses Geschäftsmodell mit dem nötigen Know-How betreiben zu können, übernahm Gruner + Jahr im Sommer erst Danato. Der E-Commerce-Experte arbeitet bereits genau mit diesem Geschäftsmodell.

Schöner wohnen mtl

Interessant wird es sein, wie die Leser von Schöner Wohnen den Umstand aufnehmen, dass die Redaktion jetzt nicht mehr nur die schönsten Stücke recherchiert und präsentiert, sondern auch verkaufen will. Immerhin gilt eine objektive Einordnung von Trends und Produkten zu den Kern-Kompetenzen und –Assets vieler Redaktionen. Werden die Stücke gleichzeitig noch verkauft, könnten schnell Zweifel an der Unbestechlichkeit der Journalisten geweckt werden.

Bereits vor dem Start des Online-Jobs im ersten Halbjahr 2016, legte die Chefredakteurin Bettina Billerbeck bereits in der kommenden Ausgabe Hand an das Heft. Ein wichtiges Ziel des Relaunches war es, dass das Magazin gerade weniger wie ein Katalog daherkommt. Stattdessen sollen jetzt die persönlichen Erfahrungen und Meinungen von Bewohnern, Bauherren und Redakteuren stärker in den Vordergrund gerückt werden. Ebenfalls persönlicher und noch detaillierter soll es bald bei Häuser zugehen. Auch bei diesem Magazin wurde leicht renoviert.

Häuser 6 x jähr

Dagegen befindet sich Flow, das ebenfalls zur Living-Gruppe gehört, noch immer in der Ausbau- und Aufbau-Phase. Trotz einer Erweiterung der Erscheinungsweise von sechs auf acht Hefte pendelt sich die verkaufte Auflage mittlerweile, zumindest nach Verlagsangeben, zwischen 110.000 und 120.000 Exemplaren ein. In den kommenden Wochen sind auch bei Flow neue Produkte geplant. So kommt ein Buch-Magazin zum Thema Achtsamkeit und ein Malbuch für Erwachsene. Beide zwei Trendthemen in der Zielgruppe.

Zudem sollen bei Flow die Anzeigenpreise kräftig erhöht werden. Eine der Besonderheiten des Heftes ist, dass die Anzahl der verkauften Werbeseiten auf zehn begrenzt sind. Die Nachfrage aus der Mediabranche ist allerdings so hoch, dass es sich die Hamburger leisten können, die Preisschraube nach oben zu drehen.

Mit Recht können die Hamburger bei Flow wohl von einem Erfolg sprechen. Ob auch die Online-Community Roomido ein solcher wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Ein richtiger Web-Highflyer ist das Projekt noch nicht. Im August soll das Portal 610.000 Visits erreicht haben. Der Wert des Google-Traffics lag dabei allerdings bei 61 Prozent und das bei rund 81.000 Facebook-Freunden. Für eine Community sind die Zahlen noch immer recht schwach.

Doch noch sind die Gruner + Jahr-Macher nicht bereit über Erfolg und Misserfolg ihres Konzeptes zu urteilen. Tatsächlich befinden sie sich Mitten im Prozess der digitalen Transformation. Da ist der Einstieg in den E-Commerce aus Sicht der Verlagsmanager nur ein nächster logischer Schritt. Ob ihn auch die Leser von Schöner Wohnen & Co. mitgehen, werden die Hamburger erst auf die harte Tour herausfinden können.

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Alle Kommentare

  1. Dass Schöner Wohnen weniger nach Katalog aussieht kann ich als Abonnentin nicht finden. Gerade seit die neue Chefredakteurin das Ruder übernahm, wird es immer werblicher, wie man es aus Frauenmagazinen kennt. Ich mag das Heft nach wie vor, aber es wird doch immer kommerzieller und wenig originell. Wenn dort jetzt aktiv Produkte verkauft wären, stört mich das durchaus. Werde die Entwicklung im Auge behalten und gegebenenfalls das Abo kündigen.

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