Anzeige

Zehn Work-Life-Balance-Thesen: die eitle Eigen-PR von fischerAppelt-Vorstand Frank Behrendt

„Na Du Kult-Figur“ – fischerAppelt-Vorstand Frank Behrendt kreist ganz entspannt um sich selbst
"Na Du Kult-Figur" – fischerAppelt-Vorstand Frank Behrendt kreist ganz entspannt um sich selbst

Jeder kennt das: Der Job stresst, es pressiert an allen Ecken und Enden und dann auch noch ein nerviges Pflicht-Dinner am Abend mit dem Kunden. "Stopp!" meint fischerAppelt-Vorstand Frank Behrendt: In zehn plakativen Thesen hat der 52-Jährige dem Medienmagazin "Clap" nun Futter für einen stressfreieren Joballtag gegeben. Das Mantra aufs Loslassen liest sich flott – bei genauer Betrachtung ist die "Lebenshilfe" jedoch eitle Eigen-PR und gehaltvoll wie Ratgeber aus der trivial-esoterischen Ecke.

Anzeige
Anzeige

Das Berufsleben, wie es sein sollte: Der Job macht Spaß, die Kollegen sind nett, der Arbeitsplatz ist urban-hip – alles superduper. Die Flitterwochenromantik hält bei den meisten Arbeitnehmern indes selten genug länger an: Irgendwann stellt sich meist der Arbeitsalltag in Form von nervigen Kollegen, lästigen Kunden und den üblichen Überforderungen des digitalen Zeitalters ein.

Hier noch eine wichtige Mail nach 22 Uhr beantworten, da noch die Präsentation für morgen fertigbekommen und natürlich ab in den 6 Uhr-Flieger zum Pitch, 4.30 Uhr aufstehen, myTaxi auf 4.50 Uhr takten, wir schaffen das, Baby #letsdothis. Was in den 20ern noch Rock’n’Roll ist, kann in den 30ern schnell zur Last und in den 40ern schließlich zum Burnout führen. An welcher Stelle nun ansetzen, um das Abdriften am Arbeitsplatz zu vermeiden?

„Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job“

fischerAppelt-Vorstand Frank Behrendt hat dafür dem Medienmagazin „Clap“ zehn Thesen am Rande eines Friseurtermins hingeworfen, die sich ziemlich gut lesen, weil sie offenkundig eine Sehnsucht nach Normalität treffen, die im Berufsleben zunehmend verloren geht. Sie lesen sich auszugsweise so:

– Den Job nicht überbewerten: „Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen“
– Family first: „Lieber den letzten Flieger oder den Nachtzug zurück nach Hause nehmen, anstatt im Hotel zu übernachten.“
– Kunden last: „Abendessen mit Geschäftspartnern minimieren“.
– Einfach wieder Kind sein: „Hol dir den Happiness-Kick von früher zurück“.
– Nostalgie galore: „Einfach mal spontan ehemalige Lieblingskollegen anrufen, die heute woanders sind.“
– Und dann der Zinger: „Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.“

Stoff aus esoterischen Lebenshilfe-Bestsellern geht viral

Mit anderen Worten: Es ist der Stoff, aus dem esoterische Lebenshilfe-Bestseller sind, die man eben am Bahnhofskiosk und vor der Abflughalle abgreift. Doch das Erweckungsmanöver zieht. Treffender als mit den üblichen Einflüsterungen aus dem PR-Alltag für Großkunden erreicht Behrendt in eigener Sache die Medien, die die Thesen am Wochenende zum Aufmacher zahlreicher Besser-Leben-Geschichten gemacht haben:

• Spiegel Online: „Rat vom Agenturchef: Liebe Deine Familie. Aber nie Deinen Job.“
• Bild.de: „PR-Manager legt 10 Anti-Stress-Thesen vor und wird zum Kult
• Stern.de: „Agenturchef erklärt Work-Life-Balance

Kostenlose Werbung für die Agenturgruppe

Ob das wohlklingende Mantra von der „tiefenentspannten“ Work-Life-Balance tatsächlich die Arbeitswirklichkeit eines durchschnittlichen PR-Beraters ohne die Privilegien eines Geschäftsführers widerspiegelt, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Der frühere Ketchum-Pleon-Vorstand hat fischerAppelt unterdessen den bestmöglichen Dienst erwiesen: nämlich unterstrichen, wie man in den Key-Medien zitiert wird und dabei noch kostenlose Werbung für die Agenturgruppe platziert. 700 Mails und Dutzende Bewerbungen soll es in den vergangenen Tagen gehagelt haben, berichtet stern.de

Ganz nebenbei kann sich Behrendt auch noch über eine ganze Menge neuer, alliterativer Berufsbezeichnungen freuen – vom „Gelassenheitsguru“ („Clap“) bis zum „Lord des Loslassens“ (turi2):

Anzeige

So gelungen der Coup, so befremdlich dann der eigene Auftritt auf Twitter. Am Ende erliegt der 52-jährige Kommunikator auf 140 Zeichen dann nämlich den Verlockungen der selbstreferenziellen Ehrenrunde – was der Job so mit einem macht, wenn man sich nach Feierabend noch mit ihm beschäftigt…

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*