Anzeige

Social TV: Twitter & Co. machen Fernsehen (wieder) zum Gemeinschaftserlebnis

Social Media macht Fernsehen um Live-Erlebnis
Social Media macht Fernsehen um Live-Erlebnis

Erfolgreiche Serien werden nicht mehr nur im TV zu Hits, sondern auch in sozialen Netzwerken wie Twitter und Snapchat. Fernsehen wird dadurch immer mehr zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis – sowohl zwischen den Zuschauern als auch zwischen den Fernsehmachern und ihrem Publikum. Die New York Times analysiert: TV wird wieder zum Live-Event.

Anzeige
Anzeige

Die Serie „Scandal“ gehört zu den erfolgreichsten Sendungen im us-amerikanischen Fernsehen; im September 2015 startete bei ABC ihre fünfte Staffel. Jeden Donnerstag läuft eine neue Folge – und jeden Donnerstag läuft Twitter heiß. Nach Angaben des Marktforschers Nielsen wurden während der Staffelpremiere 423.000 Tweets abgefeuert, und zwar nicht nur von den Zuschauern, sondern auch von Darstellern und vom Produktionsteam. Dies berichtet die New York Times und folgerte daraus: Die Zuschauerbindung an die Serie wurde durch diese Interaktion verstärkt.

Der Graben zwischen Zuschauern und Serienmachern schließt sich

Fernsehen sei bislang hauptsächlich ein einsames Erlebnis gewesen, sowohl für die Macher als auch das Publikum, schreibt der NYT-Autor Farhard Manjoo. Eine Zeit lang habe es so ausgesehen, als würde das technologische Voranschreiten dies auch noch verstärken: Aufgrund von zunächst DVDs und jetzt Streaming-Diensten sei jeder Zuschauer immer unabhängiger von Sendeterminen und die Wahrscheinlichkeit, dass viele Menschen gleichzeitig dasselbe Programm sehen, zunehmend geringer geworden.

Doch dieser Graben zwischen den Zuschauern würde sich jetzt wieder schließen, so Manjoo – dank Social Media. „Die Entstehung von Social-TV-Hits wie ‚Scandal‘ zeigen, dass die Technologie das Fernsehen innerhalb der nächsten Jahre verändern wird, und zwar weg von einem zeitverschobenen Einbahn-Erlebnis“, erklärt Manjoo. „Durch die sozialen Netzwerke wird Fernsehen interaktiver und gemeinschaftlicher. Und wie schon die Anfänge des Fernsehens gezeigt haben, sind die besten Sendungen live – weil dann gefühlt alle anderen auch zusehen.“

Für Joshua Malina, einen der „Scandal“-Hauptdarsteller, stellen soziale Netzwerke eine neue Möglichkeit dar, mit seinem Publikum zu kommunizieren und Feedback zu bekommen. „Ich mag das Vor und Zurück“, erklärt Malina der New York Times. „Ich vermisse es, live in einem Theater zu spielen, denn dort hört man die direkten Reaktionen der Zuschauer, zum Beispiel ein Kichern oder ein erschrockenes Keuchen.“ Im TV habe er dies bislang nicht erlebt – aber jetzt, durch Diskussionen in den sozialen Netzwerken, entstünde eine neue Unmittelbarkeit, ähnlich wie im Theater. „Ich merke auf einmal: Oh, Menschen schauen die Sendung und reagieren darauf.“

Anzeige

Twitter ist erst der Anfang

Bislang ist Twitter noch der Hauptkanal für Social TV – ein Phänomen, was sich auch hierzulande zeigt: Jeden Sonntagabend ab 20.15 Uhr ist der Hashtag #tatort in den deutschen Twitter-Trends ganz oben; die Zuschauer fiebern mit, sie diskutieren, lästern oder streiten.

Manjoo glaubt jedoch, Twitter sei für das Social TV erst der Anfang: Video- und Foto-Plattformen wie Snapchat, Persicope, Vine und Instagram böten noch viel mehr Potenzial zur Interaktion. „In unterschiedlichen Formen bieten diese Apps ein noch vielschichtigeres Zuschauererlebnis als das Live-Theater. Denn man hört nicht nur die Reaktion des Publikums, sondern man kann auf diese Reaktion selber direkt antworten. Und da die Fernsehmacher diese Reaktionen in den sozialen Netzwerken genau verfolgen, hat der Zuschauer so möglicherweise sogar direkten Einfluss auf die Serie“, erklärt er.

Gleichzeitig verhelfe Social Media den Sendern und Streaming-Diensten auch zu besseren Einschaltquoten und Abrufdiensten, betont Farhard Manjoo. „Wenn man eine Folge oder eine ganze Serie verpasst, ist man aus einer kulturellen Diskussion bei Facebook und Twitter ausgeschlossen“. Dies könnte dazu führen, dass man anfängt, eine Serie zu gucken, weil gefühlt alle sie schauen, – und dann selber Fan wird.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*