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„stern crime“ bei RTL: die missglückte TV-Adaption einer gelungenen Zeitschrift

stern crime ist jetzt auch im TV
stern crime ist jetzt auch im TV

Wenige Monate nach dem überaus erfolgreichen Launch von stern crime hat RTL das Magazin jetzt ins Fernsehen gebracht. Am Donnerstagabend lief die erste Folge, in der ebenfalls Geschichten von realen Verbrechen erzählt wurden. Über der Premiere schwebte die Frage: Kann die Sendung dem hochwertigen Heft gerecht werden?

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Menschen sind von Verbrechen fasziniert, vom Bösen und von psychologischen Abgründen – weil sie Kriminaltaten und vor allem die Motive dahinter oftmals kaum nachvollziehen können. Dieser Faszination nimmt sich stern crime an, das neue Magazin von Gruner + Jahr. Im Mittelpunkt der Line-Extension des stern stehen wahre Verbrechen – aktuell oder historisch, emotional und fesselnd erzählt.

Das Magazin behandelt dabei essentielle Fragen zu Gewalt und Verbrechen, rückt Hintergründe in den Vordergrund und beleuchtet Aspekte abseits vom Krimi-Klischee. Und das alles auf enorm hohem Niveau: sehr gut recherchierte und exzellent geschriebene Geschichten, spannende Protagonisten und faszinierende Bilder. Auch scheut sich die Redaktion nicht davor, düsterste Kapitel aufzuschlagen:In der ersten Ausgabe erzählte stern crime die Geschichte einer Mutter, die sich und ihre autistische, gewalttätige Tochter töten wollte. Im aktuellen Heft spricht ein junger Mann darüber, wie er bis heute darunter leidet, dass seine Mutter seinen Vater erschlug;

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Am Donnerstagabend lief nun die TV-Version von stern crime bei RTL. Drei echte Verbrechen wurden während der Sendung vorgestellt; dabei standen jeweils beteiligte Menschen und ihre Geschichten im Vordergrund. Zu Beginn wurde der „Lösegeldmann“ gezeigt: Franz Tartarotti, der insgesamt „vier Kinder aus den Fängen ihrer Entführer befreit hat“, wenn die Polizei nicht mehr weiter wusste. Danach ging es um die „Zeichnerin des Bösen“: Die „beste Phantombildzeichnerin der Welt“, wie RTL sie nennt, behauptet von sich selbst, das Böse im Menschen erkennen zu können. Der dritte Beitrag handelt von einer Mutter, die auf eigene Faust versucht, das Verbrechen an ihrem Kind aufzuklären. Dazwischen gibt es die sogenannten „crime facts“, zum Beispiel: In Deutschland kann erpresstes Geld von den Steuern abgesetzt werden.

Im Hintergrund läuft bedeutungsschwangere Musik, die Off-Stimme ist ebenso bedeutungsschwanger: Spannung mit dem Brecheisen. Trotzdem springt der Funke nicht über. So sind die Erlebnisse des „Lösegeldmannes“ zwar bewegend, aber nicht im Ansatz so spannend und vor allem nicht so informativ wie die Magazin-Geschichten. In der ersten Ausgabe der TV-Version von stern crime wurden drei Heldengeschichten erzählt – ins wirklich Dunkle hat sich RTL noch nicht getraut. Was das Magazin allein durch Sprache schafft, gelingt dem Fernsehformat nicht: den Leser zu fesseln und die Faszination des Bösen einzufangen.

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