Anzeige

Das neue SpOn-Jugendportal Bento: irgendwo zwischen Ernsthaftigkeit und Klamauk

Das neue Jugendportal bento
Das neue Jugendportal bento

Nach Ze.tt von Zeit Online und BYou von der Bild ist am heutigen Donnerstag auch Bento, das Jugendportal von Spiegel Online, gestartet – und seine amerikanischen Vorbilder, Buzzfeed und Vice, sind auf den ersten Blick erkennbar. Was Bento dabei jedoch gut tun würde: etwas weniger Buzzfeed und etwas mehr Vice.

Anzeige
Anzeige

„Wir wollen für euch aus der Welt und dem Web berichten, spannende Geschichten erzählen und ein bisschen Quatsch machen.“ So begrüßen die beiden Redaktionsleiter Frauke Lüpke-Narberhaus und Ole Reißmann ihre Leser auf Bento, dem neuen Jugendportal von Spiegel Online. Dafür waren sie im Vorfeld auf Recherchereise in den USA, was sie von Buzzfeed und Vice gelernt haben, berichten sie in der Süddeutschen Zeitung: einfach ausprobieren und auch gerne mal scheitern. Katharina Borchert, Geschäftsführerin von Spiegel Online, ergänzt: „Ich gehe fest davon aus, dass die Kollegen auch mal daneben hauen. Wenn das nicht passiert, dann sind sie nicht mutig genug.“

Jugendlichkeit mit dem Vorschlaghammer

Das Experimentieren steht bei Bento im Vordergrund – und das ist beim Launch deutlich sichtbar. Zum Start steht so zum Beispiel der Text „Wie halten wir unseren WG-Putzplan ein? So!“ über der Geschichte „In Irland kann man sich sein Geschlecht künftig aussuchen“. Die Ressorts heißen unter anderem: Gerechtigkeit, Fühlen, Queer oder Haha (auf das angekündigte Hashtagzeichen hat die Redaktion dann doch verzichtet). Tagesaktuelle Nachrichten stehen eher im Hintergrund und sind lediglich in einem kleinen Kasten zu sehen; bei Snapchat gibt es Einblicke in die Redaktion.

bento bei Snapchat

Bento bei Snapchat

Dass die Bento-Redaktion eine junge Zielgruppe zwischen 18 und 30 Jahren ansprechen und zeigen will, dass sie sich dazu zählt, könnte kaum deutlicher werden: Immer wieder geht es um „unsere“ Generation, die Geschichten heißen „So spießig sind wir wirklich“ oder „Flüchtlinge, das ist meine Generation“.

Mit dem Vorsatz, unbedingt die Sprache der Jugend sprechen zu wollen, schießt Bento dabei jedoch stellenweise übers Ziel hinaus – zum Beispiel mit der Gif-Geschichte „Du brauchst ein Haargummi, aber hast keins? Schlecht!“, die man eher in der Bravo als bei einem Portal für über 18-Jährige erwarten würde. Und die Fotosammlung „Diese Bilder beweisen, dass Elyas M’Barek der heißeste Typ der Welt ist“, die unter anderem den „lachenden“ und „stehenden“ Elyas zeigt, würde wohl besser in die Bunte passen. Auch die Zwischenüberschriften der einzelnen Texte sind gewöhnungsbedürftig und wirken gekünstelt hip. „OMG! So fancy!“ oder „Say what?!“ heißt es da zum Beispiel.

Anzeige

haha_text

Die Stärke liegt in lange Geschichten

Bentos Stärke liegt eindeutig in den längeren, ernsthaften Stücken. Hier finden sich mutige Geschichten, die dem Leser tatsächlich einen neuen Blickwinkel eröffnen oder mit Vorurteilen aufräumen. Diese Texte sind ruhiger erzählt – dafür aber mit umso mehr Substanz. „Wie ich Darstellerin in einem feministischen Porno“ wurde zum Beispiel berichtet aus einer neuen Perspektive über eine sonst durch und durch frauenverachtenden Branche. Und mit „Euer Anti-Gluten-Hype nervt! Wie es sich anfühlt, wenn man wirklich kein Gluten verträgt“ spricht Autor Steffen Lüdke sicherlich vielen aus der Seele.

fühlen_text
Herausragend ist außerdem die berührende Geschichte „Schwule Flüchtlinge berichten von Übergriffen in Deutschland“. Fragwürdig ist hier jedoch der Name der Kategorie, in die der Text eingeordnet ist: „Queer.“ In der Zwischenüberschrift heißt es dann „No labels“, doch ist queer nicht eben doch auch ein Label? Vielleicht wäre hier ein schlichtes „Menschen“ passender gewesen – auch wenn es altmodisch klingen mag.

Dass Bento auch seichtere Unterhaltung – abseits vom „heißen“ Elyas M’Barek oder den „32 Dingen, die nur Erwachsene im Haus haben“ – kann, ohne dabei zu oberflächlich zu werden, zeigt zum Beispiel „Geld verdienen mit einer Schnapsidee“ – zwar ebenfalls ein Listicle mit Bildern und Gifs, aber mit mehr Substanz.

Mit (noch) mehr Substanz und weniger Listicle-Klamauk hat Bento gute Chancen, eine jüngere Zielgruppe für sich zu gewinnen als das Mutterschiff Spiegel Online. Dabei sollten sie jedoch vor allem auf eines achten: die jungen Leser nicht zu unterschätzen.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Das Produkt bento sieht halt so aus, wie etwas wohl aussehen muß, wenn es von einer Person erfunden wurde, die sich (allen Ernstes! Kein frauenfeindlicher Scherz!) „Frauke Lüpke-Narberhaus“ nennt…

  2. AAAH! Bento NERVT! Man muss ja nicht mal direkt bei bento.de draufgehen, sondern das berufsjugendliche Geschreibsel kann einem sogar bei SPON leicht entgegenspringe(r)n. Letzteres ist natürlich kein beabsichtigtes Wortspiel. (Können diese Augen lügen?!)
    Von bento weiß ich eigentlich erst seit ein paar Tagen, als ich nämlich wegen eines laufenden Speicher-Testprogrammes meinen PC nicht benutzen konnte und zwecks aktueller News auf den Mobilbrowser in meinem Handy angewiesen war.
    So rein gefühlt muss ich dabei in jener Stunde mindestens 10 mal an bento-Material vorbeigeschrammt sein. Wäre es nach mir gegangen, hätte es gern bei 0 mal bleiben können.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*