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635.000 Euro: Kachelmann erstreitet höchstes Schmerzensgeld aller Zeiten gegen Bild

Jörg Kachelmann (r.) und sein Medienanwalt Ralf Höcker im März 2015 Jahres im Kölner Landgericht.
Jörg Kachelmann (r.) und sein Medienanwalt Ralf Höcker im März 2015 Jahres im Kölner Landgericht.

Das Landgericht Köln hat heute über den Schmerzensgeldstreit zwischen Jörg Kachelmann und dem Medienhaus Axel Springer entschieden und wie erwartet zugunsten des Meteorologen entschieden. Allerdings fiel die Entschädigung mit 635.000 Euro wesentlich geringer aus als die von Kachelmann geforderte Rekordsumme in Höhe von 2,25 Millionen Euro – trotzdem ist sie die höchste, die jemals in Deutschland erstritten wurde.

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Diese höchste Schmerzensgeldforderung der Mediengeschichte verlangte Kachelmann von Bild und Bild.de als Ausgleich für unwahre und Persönlichkeitsrechte verletzende Berichterstattung im Rahmen des Mannheimer Strafprozesses gegen ihn. Kachelmann wurde der Vergewaltigung beschuldigt und 2011 freigesprochen.

Vergleichsgespräche zwischen Axel Springer-Vertretern und Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker sind mehrfach gescheitert. Beim ersten Gütetermin im März dieses Jahres entließen die Richter die Parteien mit dem Hinweis, dass es zwar ein Urteil pro Kachelmann geben würde, wiesen aber auch darauf hin, dass dieses nicht bis an die Forderungen des ehemaligen Wettermannes der ARD heranreichen wird. Letztlich ging es von den hunderten Beanstandungen um 26 Print- und 21 Onlinefälle, bei denen das Gericht schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzungen für möglich gehalten hatte. Immer noch eine „außergewöhnliche Dimension“, wie der Vorsitzende Richter Dirk Eßer damals betonte.

So außergewöhnlich ist auch die nun entstandene Geldentschädigung, die das Gericht ermittelt hat. Zwar liegt die Entschädigung in Höhe von 635.000 Euro unter Kachelmanns symbolträchtiger Forderung. Sie ist aber trotzdem die höchste Schmerzensgeldzahlung, die hierzulande jemals erstritten wurde – und zwar deutlich. Zum Vergleich: Die bis dahin höchste von einem deutschen Gericht zugesprochene Schmerzensgeldsumme wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen erstritt 2009 das schwedische Königshaus, vertreten durch den Hamburger Rechtsanwalt Matthias Prinz, und betrug 400.000 Euro. Das Oberlandesgericht Hamburg befand in seinem Urteil damals, dass der Klambt-Verlag, dessen Medien angeklagt wurden, die Persönlichkeitsrechte von Prinzessin Madeleine jahrelang rücksichtslos verletzte. Beanstandet wurden fast 90 Artikel.

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Im Vorfeld der heutigen Urteilsverkündung, die in der Geschäftsstelle des Gerichts stattfand, verwies eine Springer-Sprecherin gegenüber der dpa darauf, dass das Gericht auch den Vorwurf verworfen habe, dass es sich bei der Berichterstattung um eine Kampagne gegen Kachelmann gehandelt hatte. Für Bild saß damals die Feministin Alice Schwarzer als Reporterin im Gerichtssaal. Auch erklärte Springer, dass man bereits ein Berufungsverfahren vorbereite, „da wir unsere umfassende Berichterstattung über das Strafverfahren gegen Jörg Kachelmann nicht auf diese Weise diskreditiert sehen möchten“. Das dürfte nun bedeuten, dass das heutige Urteil nicht rechtskräftig wird und sich die Parteien vor dem Oberlandesgericht wiedertreffen werden.

Beigelegt sind die Streitigkeiten zwischen Jörg Kachelmann und den Burda-Medien Bunte und Focus Online. Beide Parteien haben sich ohne Gütetermin außergerichtlich geeinigt und über die Höhe der Entschädigung Stillschweigen vereinbart. Kachelmann forderte damals von beiden Medien zusammen eine Million Euro.

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Alle Kommentare

  1. Der Jubel ist ja ganz fein und ich freue mich für Herrn Kachelmann.

    ABER:
    – Unser wenig funktionierendes „Justizsystem“ brauchte Jahre… und ungeheuren Zeitaufwand (den niemand bezahlt, egal wie vorsätzlich man geschädigt wurde).

    – Klagen kann in unserem „Rechtsstaat“ ohnehin nur, wer über reichlich Geld verfügt (die Lachnummer namens Prozesskostenhilfe vergessen wir mal schnell, ja? Ein Feigenblatt der Rechtsstaatlichkeit daß über die Jahrzehnte immer weiter geschrumpft worden ist.) Schon daher ist jedes „Sieg des Rechtsstaats“-Getöne fehl am Platz.

    – Man darf zwar (offiziell) nur schuldige Menschen verurteilen, aber ziemlich beliebig auf und durch den Rechtsweg Menschen ruinieren… Jörg Kachelmann (ich gönne es ihm vom Herzen) hatte großes Glück, genug Geld zu haben, um in unserem „Rechtsstaat“ (in homöopathischer Dosis) zu seinem Recht zu kommen. Die meisten Menschen wären nach der erlittenen Kampagne dermaßen ruiniert, daß daran überhaupt nicht zu denken gewesen wäre.

    – Die ganzen beteilligten „Richter“ kommen aller Vorraussicht nach ungeschoren davon. Wie das halt so ist, in der „Justiz“.

    – So um die 15.000 Euro pro auf das Übelste verleumdenden Artikel ist genauso ein Witz wie die 30€ „Haftentschädigung“…

    1. Ob Kachelmann zu Unrecht geschädigt wurde, wissen wir nicht. Kachelmann inszeniert sich zwar als Opfer und sieht in dem Freispruch den Beweis seiner Unschuld. Fakt ist aber: Grade bei Vergewaltigungsprozessen ist es oft schlicht nicht möglich, das Geschehen aufzuklären. Das liegt daran, dass es bei Vergewaltigungen selten Zeugen gibt und die Spurenlage oft auch nicht eindeutig ist. Das gilt besonders, wenn eine Anzeige nicht unmittelbar nach der Vergewaltigung erfolgt/nach der Vergewaltigung keine Spurensicherung stattgefunden hat. Insbesondere die Vergewaltigung in Beziehungen ist kaum nachweisbar, wenn der Täter behauptet, es habe sich um einvernehmlichen (etwas raueren) Geschlechtsverkehr gehandelt.

      Dass Kachelmann freigesprochen wurde, sagt über seine tatsächliche Schuld oder Unschuld nichts aus. Der Freispruch bedeutet: Die Tat konnte ihm nicht nachgewiesen werden, er gilt damit vor dem Gesetz als unschuldig. Der Freispruch bedeutet nicht, dass Kachelmann tatsächlich unschuldig ist oder dass Privatpersonen an seine Unschuld glauben müssen.

  2. Wenn man bedenkt, dass die Karriere des Herrn K. den Bach runter gegangen ist, dann kann man ihm diesen Sieg nur gönnen. Bild und Co. haben über ein schwebendes Verfahren in einer Art und Weise berichtet, dass auch eine weitaus höhere Summe angemessen wäre. Nur hohe Geldstrafen treffen diese Art Journalismus – dem jeglicher Berufsethos und Skrupel abhanden gekommen sind. Ich wünsche mir, das mehr Bildopfer den Mut finden, dieses Blatt zu verklagen.

  3. Gehe ich recht in der Annahme, dass BILD das Geld bereits überwiesen hat: …“ die höchste, die jemals in Deutschland gezahlt wurde“.)?

  4. Der Vergleich mit dem Madeleine-Prozess hinkt insofern gewaltig, als dass die schwedische Königstochter Madeleine keinerlei finanzielle Einbußen durch die Herz-Schmerz-Geschichten in den Frauenzeitschriften hatte, aber JK dadurch seine gesamte Existenz ruiniert wurde. Von den Frauenzeitschriften weiß man doch, dass die sich wöchentlich irgendwelche Geschichten zusammenreimen müssen.

    1. kachelmann war und ist multimillionär und von einer ruinierten existenz ist keine rede. außer dass er nicht mehr moderiert ist seinen multiplen firmen und einnahmen absolut nix passiert.

  5. Das Gericht hätte versuchen sollen zu ermitteln, wie hoch der Gewinn bzw. die zusätzlichen Einnahmen von Bild durch diese Berichterstattung war und diesen Wert mit einem Straffaktor multiplizieren sollen und dann das Schmerzensgeld festsetzen sollen. Anders kann man solchen „Geschäftsmodellen“ nicht bei kommen.

    1. Dann würde der zuständige Richter hoffentlich zu Recht wegen Rechtsbeugung verurteilt und aus dem Staatsdienst entfernt werden. Strafschadensersatz mag es im Rechtskreis des Common Law geben; bei uns ist dieser (zumindest nach aktuell geltender Gesetzeslage) nicht vorgesehen und wäre dementsprechend offensichtlich rechtswidrig.

      1. warum macht man das eigentlich nicht in deutschland? einem bankräuber würde man seine beute doch auch abnehmen..

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