Eyeo gewinnt auch am LG Köln: Springer geht gegen AdBlock Plus in Berufung

axel-springer.jpg

Nach Hamburg und München hat nun auch das Landgericht Köln dem Adblock-Plus-Betreiber Eyeo und seinem Geschäftsmodell recht gegeben. Die Richter schmetterten eine Klage des Medienhauses Axel Springer ab, das die Software für rechtswidrig hält. Gegenüber MEEDIA kündigt ein Springer-Sprecher die Berufung an.

Anzeige

Axel Springer hatte in dem Verfahren, wie auch andere Medienhäuser wie ProSieben, Dieter von Holtzbrinck, ProSiebenSat.1 oder auch RTL in Verfahren zuvor, geltend gemacht, dass die Nutzung eines Werbeblockers das Geschäft der Medienunternehmen unzulässig beeinträchtigen würde. Mit AdBlock Plus können Nutzer störende Werbung einfach ausblenden. Der Nachteil für Seitenbetreiber: Sie verdienen mit der Sichtbarkeit und durch Klicks auf die Anzeigen Geld.

Eyeo verdient sein Geld mit so genannten Whitelists, auf die sich Firmen gegen Gebühren eintragen lassen können. Die Adblocker-Software blockiert zunächst alle Werbung, das ist das so genannte Blacklisting. Einzelne Unternehmen können sich dann unter Umständen aber wieder von der Blockade “freikaufen”. Dazu wird in Adblocker-Foren darüber diskutiert, welche Werbung von der Community als tolerierbar eingestuft wird. Die Firmen müssen für die Freischaltung ihrer Werbung Eyeo dann aber bezahlen. Firmen wie Amazon, Microsoft oder Google sollen bereits hohe Beträge an Eyeo gezahlt haben, um die Werbe-Blockade zu umgehen. Das Verfahren der Community-Diskussionen wurde in der Vergangenheit aber immer wieder als intransparent kritisiert. Medien sehen vor allem das Kartell- und Wettbewerbsrecht verletzt.

Die Entscheidung des Landgerichts in Köln ist überraschend. Anders als in München und Hamburg schienen die Richter eine eher kritische Haltung gegenüber der AdBlocker-Software zu haben. Sie bezeichneten das Programm während des Verfahrens als „in hohem Maße bedenklich“.

Daran will Springer festhalten. Gegenüber MEEDIA erklärte ein Sprecher, dass man Berufung einlegen werde. „Auch nach dem heutigen Urteil bleibt unsere Position unverändert: Wir halten das Geschäftsmodell von Eyeo für rechtswidrig. Dies gilt sowohl für das Unterdrücken von Werbung auf Verlagswebseiten als auch für das erpresserische Angebot des Whitelisting.“ Und weiter: „Ganz offensichtlich geht es Eyeo in erster Linie darum, Teile von Werbegeldern abzugreifen. Wenn das weiter zunimmt und nun auch noch von den Gerichten gebilligt wird, riskieren wir die Refinanzierung – und damit langfristig die Existenz – von professionellem Journalismus im Netz.“

Die nächste Instanz wird damit das OLG Köln sein. Der Fall könnte aber auch schon bald die Richter am Bundesgerichtshof beschäftigen.
Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige