„Sie haben Nerven“: Drehbuchautor Aaron Sorkin knöpft sich Apple-Chef vor

Dicke Luft: Apple-CEO Tim Cook (l.), Drehbuchautor Aaron Sorkin
Dicke Luft: Apple-CEO Tim Cook (l.), Drehbuchautor Aaron Sorkin

Selten gesehene Breitseite gegen Apple-CEO Tim Cook: Aaron Sorkin, Drehbuchautor des neuen Steve Jobs-Films, der in den USA nächste Woche in die Kinos kommt, kritisierte den Apple-CEO am Wochenende ungewohnt scharf für die Arbeitsbedingungen in China. Vorausgegangen war Cooks Kritik bei Stephen Colbert, als der Apple-Chef die neuen Filme über Gründer Steve Jobs als "opportunistisch" bezeichnet hatte. Tags darauf relativierte Sorkin allerdings seine Kritik.

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Apple und der Umgang mit Kritik – das ist ein weites Feld, das wir in der vergangenen Woche aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet haben. Im Zentrum der jüngsten Kritik Cupertinos stehen die neuen Steve Jobs-Filme: Da ist einmal der Dokumentarfilm „The Man in the Machine“ von Oscar-Preisträger Alex Gibney, der bereits angelaufen ist, und vor allem die Blockbuster-Produktion „Steve Jobs“, die auf der gleichnamigen Biografie von Walter Isaacson basiert.

Apple-Chef Tim Cook hat bekanntermaßen für beide Filme wenig übrig, wie der Apple-Chef in ungewohnt ruppigen Worten beim Wohlfühl-Talk mit Starcomedian Stephen Colbert vergangene Woche deutlich machte: „Ich hasse diesen Ansatz. Er ist opportunistisch“, versuchte Cook jegliche Kritik an seinem einstigen Mentor wegzuwischen. Und das, obwohl Cook vorher über die Filme sagte: „Ich habe sie nicht gesehen“.

„Keiner hat den Film gemacht, um reich zu werden“

Dabei könnte Cook durchaus etwas verpasst haben: Apple-Mitbegründer und -Weggefährte Steve Wozniak lobte die aufwendige Verfilmung von Universal Pictures zuvor noch in den höchsten Tönen. Drehbuchautor Aaron Sorkin scheint Cooks Generalkritik unterdessen ziemlich zugesetzt zu haben.

Mit einwöchiger Verspätung reagierte der Oscar-Preisträger, der 2011 für das Skript am Facebook-Film „The Social Network“ ausgezeichnet worden war, erstaunlich gereizt auf Cooks Einlassungen. Dem Branchenorgan „Hollywood Reporter“ diktierte der 55-Jährige gleich drei einschlägige Botschaften an die Adresse des Apple-Chefs: „Keiner hat den Film gemacht, um reich zu werden“, stellt Sorkin nach der Chaos-Produktion, an der Sony Pictures scheiterte, klar.

„Wenn Sie in China eine Fabrik voller Kinder haben, die für 17 Cent in der Stunde iPhones zusammenbauen, dann haben Sie starke Nerven, anderen Opportunismus zu unterstellen.“

„Zweitens: Tim Cook sollte sich den Film wirklich ansehen, bevor er über ihn urteilt“, so Sorkin weiter. Dann folgt der Zinger: „Und drittens: Wenn Sie in China eine Fabrik voller Kinder haben, die für 17 Cent in der Stunde iPhones zusammenbauen, dann haben Sie starke Nerven, anderen Opportunismus zu unterstellen.“

Entschuldigung folgt auf dem Fuße

So frontal wurde der Apple-Chef bislang öffentlich noch nie angegriffen. Tags darauf dämmerte es wohl auch Sorkin, dass die Wortwahl etwas überzogen gewesen sein könnte, zumal Apple die Fertigung seiner iPhones in China bekanntlich an Foxconn ausgelagert und sich in den vergangenen Jahren für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt hat.

„Wissen Sie, ich glaube wir sind beide etwas zu weit gegangen. Ich möchte mich dafür bei Tim Cook entschuldigen. Ich hoffe, er schaut sich den Film an und an hat daran so viel Freude wie ich an Apple-Produkten“, erklärte Sorkin gegenüber dem Unterhaltungsportal Entertainment Weekly.  In anderen Worten: Sorkin bedient sich selbst des klassischen PR-Instrumentariums, um auf den letzten Metern auf seinen Film aufmerksam zu machen.

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