Ad-Blocking und App-Suche: wie Apple mit dem neuen iOS 9 Google da angreift, wo es wehtut

Apple CEO Tim Cook: Gemeinheiten gegen Google in iOS 9
Apple CEO Tim Cook: Gemeinheiten gegen Google in iOS 9

Seit vergangener Woche steht Apples mobiles Betriebssystem iOS 9 zum Download bereit. Die auffälligste Veränderung neben der vermeintlich besseren Batterieleistung: die neuen Suchmöglichkeiten – auch innerhalb von Apps. Auf diese Weise attackiert Apple den Erzrivalen Google ebenso wie bei Zulassung von Adblockern, die dem Internetriesen Werbeumsätze kosten sollen.

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Steve Jobs hatte schon immer eine sehr konkrete Vorstellung von Rachefeldzügen. Als Google 2007 plötzlich seine Open Handset Alliance verkündete, aus der das mobile Betriebssystem Android hervorgehen sollte, tobte Jobs. „Unsere Anklage macht klar, dass Google das iPhone verdammt noch mal geklaut und uns im großen Stil abgezockt hat. Schwerer Diebstahl. Ich werde meinen letzten Atemzug und jeden Penny der 40 Milliarden Dollar, die wir auf der Bank haben, verwenden, um das richtigzustellen“, ereiferte sich Jobs noch auf dem Sterbebett gegenüber Biograf Walter Isaacson. „Ich werde Android zerstören, denn es ist ein gestohlenes Produkt. Ich bin bereit, in den thermonuklearen Krieg zu ziehen.“

Diesen Feldzug führte Jobs‘ Nachfolger Tim Cook fort. Auf der WWDC 2012 holte Jobs‘ Protegé Scott Forstall zum großen Schlag gegen Google aus; mit einem eigenen Kartendienst sollte der Internetriese auf dem iPhone in die Schranken verwiesen werden – das Vorhaben floppte bekanntlich furios. Apple Maps geriet zum Debakel, CEO Tim Cook musste sich öffentlich entschuldigen, iOS-Chef Scott Forstall verlor den Job. Google triumphierte: „Nimm das, Apple,“ höhnte Google-Aufsichtsratschef Eric Schmidt.

Neue Apple-Attacke auf Google mit iOS 9

Seitdem ist es zumindest öffentlich ziemlich ruhig um die Auseinandersetzung der beiden Erzrivalen geworden. Beide Veteranen des Silicon Valley gehen höchst erfolgreich ihren Weg: Apple und Google sind tatsächlich die beiden wertvollsten Unternehmen des Planeten, wobei Apples Börsenwert Googles Marktkapitalisierung immer noch um rund 200 Milliarden Dollar übersteigt.

Mit dem  Launch des neuen mobilen Betriebssystems iOS 9 in der vergangenen Woche kommt nun neue Bewegung in die  alte Rivalität. Apple attackiert Google gleich doppelt: Zum einen ist das die viel diskutierte neue Adblocker-Freiheit. Nach acht iOS-Generationen ist es Entwicklern erstmals möglich, Adblocker-Apps anzubieten, die sich in den ersten Tagen dann auch gleich an die Spitze des App Stores setzten.

Google zahlt Milliarden, um auf dem iPhone präsent zu sein

Zwar verdient Apple wie immer 30 Prozent an den Umsätzen, doch das dürfte kaum der eigentliche Anreiz für Apples neue Haltung sein. Vielmehr treibt Apple dem erbitterten Erzrivalen einen Stachel ins Fleisch – und zwar genau dahin, wo es besonders wehtut: ins Kerngeschäft der Werbeumsätze. Google kontrolliert bekanntlich weiterhin den Löwenanteil des weltweiten Geschäfts mit Anzeigen im Internet.

Jede Anzeige, die auf den iPhones und iPads der über 500 Millionen iOS-Nutzer nicht angeklickt wird, fehlt Google in der Bilanz. Welchen Wert Mountain View dem iPhone trotz seines geringeren Anteils auf dem weltweiten Smartphonemarkt beimisst, zeigen die Milliardenaufwendungen, die der Internetriese jedes Jahr dafür tätigt, die Standard-Suchmaschine auf Apples mobilem Browser Safari zu sein. Der Deal läuft in diesem Jahr aus, die Verlängerung ist ungewiss.

Tiefere Suche innerhalb der App debütiert mit iOS 9

Doch Apple arbeitet unterdessen mit Hochdruck an anderer Stelle daran, Google bei der Suche in die Schranken zu verweisen. Apple hat bei iOS 9 bekanntermaßen in der Suche auf iPhone und iPad nachgebessert: Innerhalb des eigenen mobilen Betriebssystems, das basierend auf der eigenen Nutzung automatisch die richtigen Vorschläge liefern soll, aber auch innerhalb des Ökosystems der Apps, wie Apple bereits auf der WWDC im Juni demonstrierte.

Seinerzeit zeigte Softwarechef Craig Federighi, wie die Suche auf dem iPhone unter iOS 9 nach „Maui“ nun auch die App-Angebote von Airbnb und Kayak anzeigte – am über die App gebuchten Zimmer und am Flug verdient damit künftig Apple mit, nicht mehr Google.

Indexierung der App durch Deep Linking

Möglich wird das, weil Apple bei iOS 9 die Schnittstelle (API) für Entwickler öffnete und Inhalte aus Apps nun miteinander verbinden lässt. Das gelingt durch sogenanntes Deep Linking: iPhone-Nutzer können so durch Indexierung der Inhalte direkt zu exakten Punkten innerhalb der Apps geschickt werden.

Das Branchenportal Online Marketing Rockstars hat in der Praxis herausgearbeitet, wie Medien die neue Indexierungsoption innerhalb einer App bereits umsetzen: „Wer beispielsweise nach „Flüchtlingskrise“ sucht, erhält, wenn die App der Süddeutschen Zeitung auf dem Gerät installiert ist, auch Ergebnisse der SZ. International gehören der britische Guardian, Buzzfeed, Pocket und Flipboard zu weiteren Beispielen“, schreiben die Hamburger Marketingexperten.

Mit dem internationalen Rollout des News-Aggregators Apple News, der bislang nur in den USA zur Verfügung steht, dürfte die Vernetzung von (Medien-)Apps und iPhone- und iPad-Nutzern weiter steigen – zu Lasten von Googles Werbeumsätzen. „iOS 9 ist Apples Versuch, ein Messer in Googles Umsatz-Plattform zu rammen“, sieht das viel gelesene Techportal The Verge die Auseinandersetzung zwischen den beiden Tech- und Internetplatzhirsche eskalieren.

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Alle Kommentare

  1. Danke Herr Jacobsen,

    das ist mal ein wirklich gescheiter Artikel – liest sich sehr gut!

    Allerdings weiß ich nicht, ob dies wirklich Apples Intention war. Das ist zwar durchaus sehr gut möglich, jedoch existieren im Playstore auch Ad-Blocker und Ad-Block-Browser – mit der Zulassung dieser Apps würde sich Google ja selbst schaden?!

    Könnte sein, dass die Presse das evtl. wieder etwas aufbläht 😉

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