WDR-Rundfunkrat stimmt umstrittenen Programmreformen zu

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Intendant Tom Buhrow
WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Intendant Tom Buhrow

Vor einigen Wochen kündigte der Westdeutsche Rundfunk umfassende Programmreformen für sowohl Fernsehen als auch Hörfunk an; vor allem bei den Mitarbeitern war diese jedoch umstritten. Am vergangenen Mittwoch beschloss der WDR Rundfunkrat in einer öffentlichen Sitzung dennoch: Die Reform darf kommen.

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Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks riefen im Juli dieses Jahres den anonymen Twitter-Account @WDR Leaks ins Leben, auf dem sie interne Informationen zu Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen des Senders veröffentlichten. Dabei kritisierten sie vor allem den mit der Reform verknüpften Qualitätsverlust.

Dennoch hat der WDR-Rundfunkrat in seiner öffentlichen Sitzung am 23. September 2015 in Köln den umfassenden Programmreformen von Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn zugestimmt. WDR-Intendant Tom Buhrow: „Zwei solch weit reichende Programmreformen hat es im WDR lange nicht gegeben. Die beiden Programmdirektoren haben nun klare Strukturen geschaffen, die den Fernsehzuschauern und Radiohörern die Orientierung in den WDR-Programmen erleichtern. Gleichzeitig wird dadurch die inhaltliche Qualität gesichert und Spielraum für Innovationen geschaffen. Mit diesen Reformen hat die WDR-Geschäftsleitung ihren Kurs fortgesetzt, einerseits den WDR wieder auf eine finanziell solide Grundlage zu stellen und gleichzeitig das Programm konsequent weiter zu entwickeln.“

WDR Fernsehen

Das WDR Fernsehen liefert zum Jahreswechsel 2016 unter anderem noch mehr Information aus Nordrhein-Westfalen. Montags bis freitags gibt es außerdem schon um 18 Uhr eine erste Tageszusammenfassung. Die neue 15-minütige Ausgabe von „WDR aktuell“ enthält auch fünf Minuten „Lokalzeit“-Nachrichten aus den elf WDR-Studios im Land. Die „Servicezeit“ beginnt damit um 18.15 Uhr. Die „Aktuelle Stunde“ startet bereits um 18.45 Uhr und ist damit fünf Minuten länger. Deutlich ausgebaut wird auch die Abendausgabe von „WDR aktuell“, von 15 auf 25 Minuten.

Auch in der Integrationsberichterstattung stellt sich das WDR Fernsehen neu auf. Das Magazin „Cosmo tv“ wird in der bisherigen Form am Sonntagnachmittag nicht fortgeführt, die Fachredaktion bleibt jedoch bestehen. Sie wird die Aufgabe haben, die Integrationsberichterstattung im Programm zu steuern und zu stärken. Gleichzeitig ist bereits ein umfangreiches Online-Angebot für Flüchtlinge gestartet, auf dem u.a. wichtige Informationen zur Orientierung in NRW, Hinweise zu Sprachangeboten und synchronisierte Filme integriert sind.

WDR Hörfunk

Die Programmnovellierung im WDR Hörfunk orientiert sich vor allem an den veränderten Nutzungsgewohnheiten der Hörerinnen und Hörer. So werden zum Beispiel auch anspruchsvolle Wort- und Kulturprogramme wie WDR 3 und WDR 5 immer häufiger nicht mehr nur zu speziellen Sendungen eingeschaltet, sondern nach ihrer Kernkompetenz, wie der Sender bekannt gab. So sollen bei WDR 3 neben dem Angebot an klassischer Musik die genuin öffentlich-rechtlichen Angebote Hörspiel und Lesungen ausgebaut werden – sowie bei WDR 5 die Wissenschaftsformate und die Aktualität mehr Sendezeit bekommen. Überraschend früh am Abend, um 19.00 Uhr, wird sich künftig das Hörspiel bei WDR 3 präsentieren.

WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi: „Der Rundfunkrat unterstützt mit großer Mehrheit die Programmreformen des WDR in Hörfunk und Fernsehen, weil sie einen geeigneten Rahmen schaffen, um den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag auch künftig zu erfüllen und möglichst weiter zu schärfen. Im Fernsehen begrüßt der WDR-Rundfunkrat insbesondere den Ausbau der Integrationsberichterstattung des WDR im Hauptprogramm, um mit diesem wichtigen Thema, gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation in Europa, gezielt mehr Menschen zu erreichen. Im Hörfunk unterstützt das Gremium das konsequent fortgeführte Ziel, die Markenkerne der Hörfunkprogramme weiter zu schärfen und die Wellen stärker voneinander unterscheidbar zu machen. Ein wichtiger Aspekt unserer Beratungen war außerdem, dass sowohl die regionale als auch die landespolitische Berichterstattung in der Quantität ausgebaut und in der Qualität weiterhin Bestand haben soll.“

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