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Zitate aus Strafakte: Hamburger Abendblatt-Journalisten stehen vor Gericht

Zwei Redakteure des Hamburg Abendblatts standen vor Gericht
Zwei Redakteure des Hamburg Abendblatts standen vor Gericht

Zwei Redakteure des Hamburger Abendblattes stehen vor Gericht. Der Grund: Sie hatten wörtlich und deshalb rechtswidrig aus WhatsApp-Chats zitiert, die in einer Strafakte standen. Chefredakteur Lars Haider wurde bereits freigesprochen; seine zwei Mitarbeiter erwartet am Donnerstag der Prozess.

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Im Juni 2014 hatten die beiden Journalisten in zwei Texten aus der Strafakte zitiert und dort abgedruckte WhatsApp-Chats veröffentlichten. Die Zitate entstammten der Anklageschrift in einem Mordprozess, in dem sich die Eltern des an den Folgen jahrelanger Misshandlungen verstorbenen Yagmur verantworten mussten. Es handelte sich damals um den Prozess gegen die Eltern eines getöteten Kindes. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete, saßen zunächst sowohl die beiden Redakteure als auch ihr Chefredakteur Lars Haider auf der Anklagebank. Haider sei aber mittlerweile freigesprochen worden, da er an diesem Tag nicht in der Redaktion war. „Ich verstehe die große Akribie, mit der die Staatsanwaltschaft den ‚Fall‘ verfolgt, nicht“, sagt er der SZ.

Den Prozess habe die Staatsanwaltschaft in Hamburg „wegen verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen“ nach § 353d im Strafgesetzbuch angestrengt. Die SZ zitiert den Anwalt eines der beiden angeklagten Journalisten, der betont, diese Gesetzgebung sei „hochumstritten“ und „nicht unproblematisch“. Schließlich hätten die beiden Redakteure „nichts Falsches geschrieben, als sie Teile einer WhatsApp-Konversation der Eltern wiedergaben, die nahelegten, dass die Mutter das Kind bis zum Tode misshandelt hatte. Die Tragödie bewegte Hamburg sehr, die Berichterstattung lieferte einen Einblick, durch den die Öffentlichkeit den Fall besser verstehen konnte.“

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Unter Investigativ-Journalisten ist es ein offenes Geheimnis, dass in Fällen der Zitierung aus Ermittlungsakten höchst unterschiedlich verfahren wird. Während einige Leitmedien seit vielen Jahren dies immer wieder praktizieren und in aller Regel nicht belangt werden, trifft es weit häufiger regionale Medien, die sich nicht auf eine vergleichbare publizistische Macht stützen können. Einer der Gründe hierfür ist, dass solche Verfahren stets erst auf Antrag und in aller Regel von den Staatsanwaltschaft selbst in Gang gesetzt werden. Besonders die Hamburger Ermittlungsbehörde steht dabei im Ruf, besonders schnell gegen Lokalreporter aktiv zu werden.

Dem Bericht der SZ zufolge hatten die zwei Journalisten des Hamburger Abendblattes ihre Arbeit damals einem Justiziar vorgelegt und absegnen lassen. Der Justiziar wird während des Prozesses am kommenden Donnerstag als Zeuge anwesend sein.

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Alle Kommentare

  1. … mal ein Tipp: Man könnte ja vorab auf mal die Justizbehörden fragen, ob man sich strafbar macht, wenn man solche Sachen publiziert. Das ist zwar in der Regel keine journalistische Frage. Allerdings müssen die Kollegen von der Pressestelle – in der Regel Richter oder Staatsanwälte – wahrheitsgemäß antworten. Wenn die ja sagen, ist zumindest die Info bestätigt.

    Liebe Grüße

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