„Chronisch unterrepräsentiert“ – ARD führt Frauenquote für „Tatort“-Regie ein

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Warum sitzen beim "Tatort" so wenig Frauen auf dem Regiestuhl? Lange versuchte die ARD, das Ungleichgewicht zwischen Frau und Mann bei Regie-Jobs mit gutem Willen zu beheben. Jetzt muss doch eine Quote für fiktionale Produktionen her.

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Die ARD-Sender wollen die Regiestühle etwa beim „Tatort“, dem „Polizeiruf 110“ oder beim Mittwochsfilm gezielter mit Frauen besetzen. Das erste Ziel: In drei Jahren soll bei jeder fünften fiktionalen Produktion eine Frau die Regie führen, sagte Programmdirektor Volker Herres am Mittwoch nach einer ARD-Intendantentagung in Stuttgart. Die Erfahrung zeige: Mit gutem Willen allein lasse sich der Anteil weiblicher Regiebesetzungen offenbar nicht ausbauen. Das Ziel von 20 Prozent sei aber nur „ein erster Schritt“ – eigentlich wolle man natürlich mehr.

Die Quote wolle man mit den Produzenten gemeinsam erreichen, sagte Herres weiter. Die ARD-Sender hätten bereits begonnen, Serienproduktionen gezielt mit Regisseurinnen zu besetzen. Für die Erstling-Debütfilme sei ein Frau-Mann-Verhältnis in der Regie von 50:50 fast schon erreicht, hieß es. Wie hoch der Anteil an Regisseurinnen bei den fiktionalen Produktionen aktuell ist, ließ Herres offen. Er sei aber „sehr gering“. Frauen seien „chronisch“ unterrepräsentiert.

Die Sendergemeinschaft stellte in Stuttgart zudem ihren ersten Produzentenbericht vor. Demnach wurden durch die ARD-Landesrundfunkanstalten und die Filmtochter Degeto im vergangenen Jahr 2014 Auftrags, Co- und Mischproduktionen im Wert von 707,1 Millionen Euro vergeben. 494 Millionen Euro davon gingen nach Angaben des ARD-Vorsitzenden und NDR-Intendanten Lutz Marmor an unabhängige Produzenten. Das entspreche rund 70 Prozent.

Der Bericht soll künftig jedes Jahr veröffentlicht werden und zur Information auch der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) übermittelt werden. Marmor sprach von „einem weiteren Schritt zu mehr Transparenz“. Die Allianz Deutscher Produzenten bezeichnete den Bericht als „Meilenstein“ auf dem Weg zu mehr Anschaulichkeit der Kosten des öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms.

Die KEF überprüft den angemeldeten Bedarf der Rundfunkanstalten und gibt eine Empfehlung an die Länder zur Höhe des Rundfunkbeitrags ab. Die ARD habe ihren Bedarf für 2017 bis 2020 angemeldet und warte ab, sagte Marmor am Mittwoch. Die Steigerung des Aufwandes liege durch steigende Gehälter, wachsenden Programmkosten oder den Ausbau digitaler Technik in den vier Jahren im Schnitt bei 2,2 Prozent. Steigt deshalb der Rundfunkbeitrag? Das sei aktuell überhaupt nicht abzusehen, betonte Marmor und gab eine Schätzung ab: Bis 1. Januar 2019 kommen die ARD wohl noch mit dem derzeitigen Beiträgen aus.

(dpa)

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Alle Kommentare

  1. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber ein zu kleiner Schritt.
    Nicht nur Frauen sind im öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterrepräsentiert, auch Homosexuelle, Transgender und Menschen mit Migrationshintergrund.

    Als ersten Schritt sollten die Anstalten Daten über die sexuelle Identität und Herkunft ihrer Mitarbeiter erfassen, im zweiten Schritt können dann die Stellen nach einer fairen Quote besetzt werden.

    Sicherlich werden sich viele Mitarbeiter scheuen dieser Datensammlung zuzustimmen, aber das kann dann als Gelegenheit zum Stellenabbau genutzt werden, und damit gleichzeitig auch Platz für progressivere Mitarbeiter geschaffen werden.

  2. Auch bei Friseuren, Kindergärtnern, Müllfrauen und Bergarbeiterinnen gibts enorme Ungleichgewichte – da müssen Quoten her, das Problem muss wegreguliert werden!

    Geschlechtsumwandlungen dürfen kein Tabu mehr sein um passend zu machen was einfach nicht passt in der heutigen Zeit!

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