Anzeige

Schonungslose Film-Biografie über Steve Jobs: Wie Apple gegen Kritiker des „iGod“ austeilt

Schlechte Steve-Jobs-Biografie links, gute Steve-Jobs-Biografie rechts- jedenfalls aus Sicht von Apple
Schlechte Steve-Jobs-Biografie links, gute Steve-Jobs-Biografie rechts- jedenfalls aus Sicht von Apple

Die Verdienste von Steve Jobs sind gewaltig: Das Produkt- und Marketing-Genie hat einen maroden Tech-Konzern vor dem Konkurs gerettet und daraus das wertvollste Unternehmen der Welt geformt. Doch nach dem Tod des Apple-Gründers wurden auch die Schattenseiten eines vom Erfolg Besessenen öffentlich – zum Ärger von Jobs' Nachfolger Tim Cook. Unter seiner Führung kämpft der Apple systematisch gegen Kritiker, die sich einer pauschalen Glorifizierung des "iGod" entziehen.

Anzeige
Anzeige

Plötzlich stand der Elefant im Raum. Steve Jobs war verstorben. Und das Buch, das Jobs bis in künftige Generationen als Unternehmerlegende vom Schlage eines Henry Fords preisen sollte, erlaubte sich ganze zwei Wochen nach dem tragischen Ableben, dem ruhmreichen Teil des Dr. Jekyll auch den Part des Mr. Hyde hinzuzufügen – den des Psychopathen, der hemmungslos seine Mitarbeiter schikanierte, jahrelang die Vaterschaft für sein Kind bestritt und Google einen „thermonuklearen Krieg“ bereiten wollte.

Es gibt wohl nur wenige Apple-Fans, die Walter Isaacsons Millionen-Bestseller „Steve Jobs“ nicht fasziniert hat. Man muss kein Technik-Fan sein, um sich für die Biografie eines Mannes zu interessieren, bei dem sehr früh im Leben offenbar einiges in Unordnung geraten ist. „Steve Jobs“ ist kein schmeichelhaftes Buch, aber genau das wollte Jobs auch nicht, als er dem früheren Time-Chefredakteur Isaacson den Auftrag gab. Jobs wollte den Entwurf nicht lesen. Auch Jobs’ Witwe ließ Isaacson gewähren und ermunterte ihn gar, so zu schreiben, wie er Jobs’ Lebensgeschichte empfunden hat.

Tim Cook über neuen Steve Jobs-Film:  „Ich hasse den Ansatz. Er ist opportunistisch“

Tatsächlich ist die Biografie so faszinierend, dass Hollywood sofort bereit stand, um das Leben des Apple-Gründers zu verfilmen. In sechs Wochen ist das Ergebnis der Isaacson-Verfilmung in den deutschen Kinos zu bewundern, in zwei Wochen bereits in den USA.

Apple-Chef Tim Cook wird unterdessen nicht zu den Zuschauern des Blockbusters zählen, wie der 54-Jährige vergangene Woche mit ernster Miene im Feelgood-Interview mit Stephen Colbert erklärte.  „Ich habe den Film nicht gesehen. Ich hasse den Ansatz. Er ist opportunistisch“, watschte Cook die Verfilmung der Biografie seines Mentors, die Apple-Mitbegründer und -Weggefährte Steve Wozniak zuvor noch in höchsten Tönen gelobt hatte, ungewohnt scharf ab.

Kritiker-Bashing hat bei Apple Tradition

Wie kommt es, dass der sonst so kontrollierte Apple-Chef in so scharfen Worten über einen Film herzieht? Es ist kein Einzelfall: Tatsächlich teilt Cupertino erstaunlich oft und erstaunlich offen gegen jede Form der mutmaßlichen Majestätsbeleidigung aus. Bereits Isaacsons Buch, keinesfalls ein Schmähwerk, wurde von Apples Managementriege härter zerrissen als von Marcel Reich-Ranicki einst der größte Schund im Literarischen Quartett.

„Das Buch hat ihm einen enormen Schaden zugefügt“, machte Apple-Chef Tim Cook dieses Jahr noch einmal aus seiner Ablehnung des Bestsellers keinen Hehl. „Meine Meinung könnte schlechter nicht ausfallen“, zog auch Designchef Jony Ive ungewohnt barsch im großen Porträt in „The New Yorker“ nach.

Cupertinos Korrektur: aktives Interesse und Mithilfe an „Becoming Steve Jobs“

Die Folge: Es musste eine Korrektur her. Eine Korrektur der Korrektur. Vor diesem Hintergrund ist die jüngste Biografie „Becoming Steve Jobs“ vom Autoren-Duo Brent Schlender und Rick Tetzeli zu verstehen, die von Cupertino nach Kräften mit O-Tönen und rührenden Geschichten versorgt wurden. Tim Cook offenbarte etwa, er habe Jobs seine Leber spenden wollen. „Nein, das lasse ich Dich nicht machen“, habe Jobs geantwortet.

Apples Spin Doktoren liefen zu Hochform auf – der Cupertino nahestehende Apple-Blogger John Gruber feierte die Biografie als „eine der essenziellsten Referenzen in den kommenden Jahrzehnten“ . Dumm nur: Das Buch versandete schnell und erreichte nie auch nur annähernd  die Aufmerksamkeit, die Isaacsons Bestseller genoss – nicht zuletzt, weil Schlender/Tetzeli offenbar der Zugang zu Jobs in den entscheidenden finalen Jahren fehlte. Der erhoffte PR-Coup blieb aus.

Auch „The Man in the Machine“ wird von Apple brachial abgekanzelt
Anzeige

Dass Apple unerbittlich über das Erbe des großen Gründers wacht, musste auch Oscar-Preisträger Alex Gibney („Taxi to the Dark Side,“ „Enron: The Smartest Guys in the Room“)  erfahren. Sein Dokumentarfilm „The Man in The Machine“, der Anfang September anlief, ist alles andere als schmeichelhaft für Jobs – entsprechend vernichtend fiel das Echo von höchster Stelle aus.  Der Dokumentarfilm sei „eine ungenaue und böswillige Darstellung meines Freundes“, wetterte Apples Internetchef Eddy Cue auf Twitter.

Kritiker-Bashing hat in Cupertino Tradition. Andere Buchautoren knöpft sich der Apple-Chef schon mal höchstpersönlich vor, wie im vergangenen Frühjahr die langjährige Wall Street Journal-Reporterin Yukari Iwatani Kane mit ihrem Buch „Haunted Empire: Apple after Steve Jobs“ erfahren musste.

„Dieser Nonsens geht einher mit anderen Büchern über Apple, die ich gelesen habe“, erklärte Cook in einer Email an den Finanzinformationssender CNBC. „Es scheitert daran, Apple, Steve oder jemand anderen im Unternehmen einzufangen“, fällte Cook ein vernichtendes Urteil. Dabei ist Yukari Iwatani Kanes „Haunted Empire“ ein ziemlich harmloses Buch – eine Aneinanderreihung von meist bekannten Episoden.

Apples deutsche PR-Abteilung verlor beim #bendgate die Nerven

Auch Journalisten werden von Apples PR- und Kommunikationsstrategen mitunter gezielt unter Feuer genommen, wenn sie es wagen, Apples Wunschimage öffentlich zu diskreditieren. Legendär ist im deutschsprachigen Raum der #bendgate-Test vom Computerbild-Chefredakteur Axel Telzerow, der mit einem gezielten Handgriff mal eben das iPhone 6 Plus verbog.

Apples PR-Abteilung belegte das meistgelesene deutsche Technikmagazin mit einem Bann von Testgeräten.

 

Apples ganz eigener Umgang mit aktuell berichtenden Journalisten ist Thema im nächsten Teil.

Den ersten Teil unserer Serie „Apple und die Medien“ finden Sie hier.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Dann bin ich ja mal gespannt, wie die Apple-Trolle diesen Artikel mal wieder niederschreiben werden 🙂 Ansonsten tendieren meiner Meinung nach nicht 100%tig authorisierte Biographien immer gerne dazu die Realität etwas dramatischer aussehen zu lassen. Und im Gegenzug fehlt bei abgesegneten, sogar von der Person selbst geschriebene Werken, komplett die Sicht von außen.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*