Madsack, Funke, DuMont: Zentralredaktionen als Game-Changer der Regionalverlage

Chefs der Zentralredaktionen: Matthias Koch (l.), Jochen Arntz und Jörg Quoos (r.)
Chefs der Zentralredaktionen: Matthias Koch (l.), Jochen Arntz und Jörg Quoos (r.)

Publishing Über Jahre sinkende Printauflagen und Anzeigenumsätze haben die deutschen Regionalzeitungsverlage zum Sparen und Umdenken gezwungen. Vor allem Mehrfachstrukturen sind ein Luxus, den sich große Häuser nicht mehr leisten können oder wollen. Der Trend geht zur Zentralisierung der Mantelressorts, die einzelnen Blätter sollen sich im Gegenzug auf ihre Lokalkompetenz fokussieren.

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Von Marvin Schade und Thore Barfuss

Während Kritiker eine wachsende Unabhängigkeit einzelner Titel fürchten, entdecken die Verlage ein neues Geschäftsmodell: die Lieferung der zentral produzierten Inhalte auch an externe Kunden. MEEDIA hat die drei bekanntesten Redaktionszentralen besucht und die Einzelporträts zu einer Mini-Serie zusammengefasst: Welches Konzept verfolgen die Verlage, wie arbeiten die Redaktionen, wo liegen die Stärken und Schwächen?

Fest steht: Der Trend zur Zentralisierung schafft vor allem Doppelstrukturen ab, bringt aber auch ganz eigene Herausforderungen mit sich. Neben offensichtlicher Probleme wie Personalab- bzw. -umbau, stehen die Verantwortlichen vor neuen Fragen: Was geschieht mit den unterschiedlichen Blattlinien? Wie wird mit unterschiedlichen Andruckzeiten umgegangen? Welche Themen sind regional und welche überregional.

Hier zunächst ein Überblick zu den drei großen Playern mit zentral agierenden Mantelredaktionen im deutschen Zeitungsgeschäft.

Übersicht

Orte

blau: DuMont; rot: Funke; violett: Madsack

Madsacks Redaktionsnetzwerk Deutschland: das Vorbild

Als die Madsack Mediengruppe ihr Wachstumsprogramm “Madsack 2018” ausrief, war vielen in der Branche klar, dass dies erst einmal Einsparungen bedeuten würde. Jahrelang leistete sich Madsack, wie viele andere Medienkonzerne auch, Doppelstrukturen, die in Zeiten des digitalen Medienwandels aus Sicht der Verlagsmanager zu einem anachronistischen Relikt geworden sind. Das Ergebnis: Über sämtliche Verlagsbereiche hinweg wurde zentralisiert. Für die Regionalzeitungen bedeutete dies den Verlust der Produktion überregionaler Inhalte. Entstanden ist eine Zentralredaktion, die in ihrer Konsequenz Maßstäbe gesetzt hat und zum Vorbild für Projekte anderer Verlage geworden ist. Über 30 verschiedene Titel versorgt das Redaktionsnetzwerk Deutschland in Hannover mit Politik, Sport, Wirtschaft und/oder Gesellschaft. Für Madsack ist die Zentralredaktion längst zum Geschäftsmodell geworden.

Eine ausführliche Beschreibung des RND finden Sie hier.

Verlagsmedien:
Aller Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten, Gelnhäuser Neue Zeitung, Göttinger Tageblatt, Eichsfelder Tageblatt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, Leipziger Volkszeitung, Lübecker Nachrichten, Märkische Allgemeine, Neue Presse, Ostsee-Zeitung, Peiner Allgemeine Zeitung, Schaumburger Nachrichten, Wolfsburger Allgemeine, Hallo Wochenende

Externe Kunden:
Alfelder Zeitung, Cellesche Zeitung, Deister- und Weserzeitung, Die Harke, Einbecker Morgenpost, Gandersheimer Kreisblatt, Hildesheimer Allgemeine, Kieler Nachrichten, Leine-Deister-Zeitung, Neue Deister-Zeitung, Neue Westfälische, Niedersächsisches Tageblatt, Schaumburg-Lippische Landeszeitung, Schaumburger Zeitung, Segeberger Zeitung, Seesener Beobachter, Täglicher Anzeiger Holzminden, Walsroder Zeitung, Waldeckische Landeszeitung, Frankenberger Zeitung

Funkes Zentralredaktion: der Newcomer

Spätestens mit dem Kauf der Springer-Titel Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt im Frühjar 2014 war für die Mediengruppe Funke klar, dass eine Zentralredaktion her muss. Mit zwölf Tageszeitungen (gemeinsame Auflage: ca. 1,4 Millionen) plus angeschlossenen Online-Auftritten wird die gesamte Republik, außer der Süden, beliefert. Der langjährige Bild-Politikchef und Ex-Focus-Chefredakteur Jörg Quoos wurde Anfang des Jahres mit dem Aufbau der Redaktion in Berlin betraut. Die Produktion hat Anfang September begonnen, bisher werden die Berliner Morgenpost und das Hamburger Abendblatt mit fertigen Seiten beliefert, die NRW-Titel (Waz & Co.) folgen im Oktober, Anfang 2016 geht es mit der Braunschweiger Zeitung weiter. Alle anderen Titel können aber bereits auf die Inhalte aus den Bereichen Politik, Vermischtes, Wirtschaft und Ratgeber zu greifen. Ab Oktober soll auch die Online-Produktion losgehen. Nach zwei Wochen ist es natürlich noch zu früh, ein abschließendes Urteil zu fällen: Aber zumindest der Auftakt ist Funke gelungen.

Eine ausführliche Beschreibung der Funke Zentralredaktion finden Sie hier.

Verlagsmedien:
Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt, Bergedorfer Zeitung, Braunschweiger Zeitung, Harz-Kurier, WAZ, NRZ, Westfalenpost, Westfällische Rundschau, Osthüringer Zeitung, Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung

Externe Kunden:

DuMont Hauptstadtredaktion: die (technologisch) Rückständige

2010 riss das Zeitungshaus M. DuMont Schauberg (heute DuMont Mediengruppe) die Grenzen der Hauptstadtredaktionen der Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung auf und legte das Fundament für die heutige DuMont-Hauptstadtredaktion, die unter Leitung von Chefredakteur Jochen Arntz mittlerweile alle Abonnement-Zeitungen des Kölner Verlagshauses beliefert und auch als Dienstleister für Dritte schreiben soll. Größter Kunde ist die mittlerweile nicht mehr zu DuMont gehörende FR, seit einigen Wochen steht auch der Weser-Kurier im Portfolio. Seit 2013 versucht DuMont das Geschäft mit der Zentralredaktion als Dienstleister auszubauen, bisher mit mäßigem Erfolg. In der Zwischenzeit haben Konkurrenzverlage wie Madsack oder Funke massiv aufgerüstet und sind DuMont vor allem technisch voraus, da sie – anders als DuMont – u.a. komplette Zeitungsseiten produzieren können. Zudem bietet die Hauptstadtredaktion kein Vollprogramm fürs Web an.

Eine ausführliche Beschreibung der DuMont Hauptstadtredaktion finden Sie hier.

Verlagsmedien:
Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Mitteldeutsche Zeitung

Externe Kunden:
Frankfurter Rundschau, Weser-Kurier

 

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