„Bild ist ein Bollwerk gegen Hass. Wer anderes behauptet, lügt“ – Kai Diekmann kontert Kritik an „Wir helfen“-Kampagne

Bild-Chef Kai Diekmann äußert sich zur Kritik im Netz an der „Wir helfen“-Kampagne
Bild-Chef Kai Diekmann äußert sich zur Kritik im Netz an der "Wir helfen"-Kampagne

Publishing Die Bild-Zeitung hat mit "Wir helfen" eine große Kampagne ins Leben gerufen, um Hilfe für Flüchtlinge zu organisieren. Schaut man ins Internet, erntet die Zeitung dafür auch Kritik. Einige werfen der Bild Doppelzüngigkeit vor. Bei MEEDIA kontert Bild-Chef Kai Diekmann die Kritik und erklärt die große Herausforderung für Medien in Sachen Flüchtlinge.

Werbeanzeige

Mit ihren Äußerungen bei Twitter, beim FC St. Pauli seien Flüchtlinge nicht willkommen, haben sie eine Wutwelle im Web gegen die Bild-Aktion „Wir helfen“ losgetreten. Hintergrund ist, dass der FC St. Pauli sich nachweislich für Flüchtlinge einsetzt, aber lediglich bei der Bild-Aktion nicht mitmachen wollte. Einige andere Zweitliga-Klubs haben sich dem Boykott der Aktion angeschlossen. Bedauern sie mittlerweile den Tweet?

 Leid tut mir vor allem, dass es einigen wichtiger war, pseudo-ideologische Grabenkämpfe auszufechten als hier ein klares Zeichen zu setzen. Im Übrigen ist ja inzwischen auch darüber berichtet worden, dass mich das Thema Flüchtlinge auch privat ziemlich intensiv beschäftigt. Möglicherweise reagiere ich deshalb an der Stelle etwas heftiger, wenn uns vorgeworfen wird, unser Engagement sei reine PR. Ich hätte die Absage aus Hamburg aber auch treffender kommentieren können.

Welche Reaktionen bekommen Sie bei der Bild auf die „Wir helfen“-Kampagne – im Guten wie im Schlechten?

Die Zustimmung ist überwältigend! Die von Bild initiierte Solidaritäts-Kampagne ist über Tage und Wochen durch breite gesellschaftliche Unterstützung mitgetragen und vorangebracht worden: dank Sport, Politik, Wirtschaft, dank prominenter Stimmen, vor allem auch dank tausender Helfer, deren gutem Beispiel wir ein Forum bieten. Richtig ist auch: Massive Kritik und Häme gab es von Anfang an nur von rechtsaußen, z.B. bekennenden AfD-Anhängern – bis hin zu der Aufforderung, Autos mit dem „Wir helfen – #refugeeswelcome“-Sticker gehörten abgefackelt.

Die Kritik an der Bild-Aktion gipfelte in dem Hashtag #Bildnotwelcome, der im Social Web die Runde macht. Ist aus der gut gemeinten Hilfs-Kampagne ein Image-Problem geworden?

Noch einmal: Es geht hier nicht um eine Image-Kampagne für Bild, sondern um eine Solidaritätskampagne für Hunderttausende Kriegsflüchtlinge. Zum Bild-Image gehört im Übrigen, nicht von allen geliebt und von allen gelobt zu werden. Wichtig ist nur, dass am Ende alle 18 Klubs der 1. Liga und die Mehrheit der Klubs der 2. Liga so großartig reagiert und im Zeichen von „Wir helfen“ gespielt haben. Ihnen und den Fans, die hinter unserer gemeinsamen Aktion mit Hermes und der DFL standen, gilt unser ganzer Dank.

Kritiker werfen der Bild Doppelzüngigkeit vor. Mit einer Kampagne wie „Wir helfen“ würde sich Bild den Anstrich von Hilfsbereitschaft gegeben, während zuvor in Artikeln Fremdenhass und Ressentiments geschürt würden. Was entgegnen Sie dieser Kritik?

Was für ein Unsinn. Wir nennen Wahrheiten, auch wenn sie nicht politisch korrekt oder opportun sind. Das haben wir in der Vergangenheit getan und werden es auch weiter tun. Wem die neue deutsche Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen wirklich am Herzen liegt, muss als Journalist auch Probleme klar benennen. Das wird die ganz große Kunst der nächsten Zeit sein, nämlich beides zu tun: weiter hilfsbereit und offen zu bleiben – und gleichzeitig die Schwierigkeiten, die sich aus der Flüchtlingswelle ergeben, hart und ehrlich beim Namen zu nennen. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihnen unangenehme Wahrheiten verschwiegen werden sollen, könnte die Stimmung kippen. Selbst die taz stellt fest: „Dass die Mehrheit der deutschen gegenüber Flüchtlingen positiv eingestellt war, die Hilfsbereitschaft so groß und die Stimmung so euphorisch, dass manche Flüchtlinge sogar mit Applaus begrüßt wurden, daran hat die Bild-Zeitung einen maßgeblichen Anteil gehabt.“ Bild ist ein Bollwerk gegen Hass. Wer etwas anderes behauptet, lügt oder legt sich die Welt so zurecht, wie es in eine alte, verbitterte Ideologie passt.

Der alte Ausspruch von Hanns Joachim Friedrichs, dass ein guter Journalist sich mit keiner Sache gemein machen sollte, auch nicht mit einer guten – gilt der Ihrer Meinung nicht mehr?

Der Spruch hat noch nie gestimmt. Auch Rudolf Augstein und Henri Nannen haben mit Leidenschaft Kampagnen gemacht. Ob immer mit einer guten Sache, ist Ansichtssache. Waren sie schlechte Journalisten? Ganz sicher nicht! Und wenn Bild Position bezieht, ist das qua Größe ein Statement.

(swi) Die Fragen an Kai Diekmann wurden via E-Mail gestellt.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Alle Kommentare

  1. „Pseudo-ideologische Grabenkämpfe“? Papperlapapp. Dass manche sich nicht die Finger schmutzig wollen, jedenfalls nicht qua Handschlag, gilt es in einer Demokratie zu akzeptieren. Eventuell zu applaudieren. Geschmacksfrage.

  2. So eine verquere Weltsicht muss man sich auch erstmal leisten können. Man spricht im Internet von einer Filterblase, der Herr hat sie sich im echten Leben aufgebaut und darin gemütlich gemacht.

  3. journalistische Regeln wie die Wahrheit und die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung gelten also für die Bildzeitung nicht mehr und der Satz des großen Hanns Joachim Friedrichs wird nochalant „in die Tonne geklopft“ – weil die vermeintlich „gute Sache“ es einfach erfordert. Welch eine journalistische Bankrotterklärung, ergänzt um völlig undifferenzierte Aussagen, die ausgerechnet den FC St. Pauli zum „Asylkritiker“ apostrophieren und jeden Kritiker der Aktion in der Nähe des AFD verorten. Wir werden sehen, wo sich die „Bild“ positionieren wird, wenn die „#refuggees-welcome- Folklore“ vorbei ist.

    1. Unsinn, der Satz hat tatsächlich noch nie gestimmt. Jedes Medium hat eine redaktionelle Linie und versucht natürlich Interessen in der Politik und im gesellschaftlichen Leben durchzusetzen – Pressefreiheit bedeutet schließlich nicht, dass alle blutleer und neutral berichten (was allein schon vom Themen-Setting her unmöglich ist), sondern dass auf dem Markt ausreichend Medien vorhanden sind und somit jede Meinung vertreten ist. Die Pflicht zur Wahrheit berührt das übrigens kaum – denn die lässt sich ja trotz einer redaktionellen Haltung klar darstellen.

  4. Der typische Bild-Leser ist ein Mann im Alter von 40 bis 59 Jahren.

    Wer kauft denn von den jungen Leuten die BILD oder abonniert irgendeinen BILD Plus Quatsch? In 10-15 Jahren ist die BILD kein Wort mehr wert.

    Wer nicht mit der ZEIT geht, muss mit der ZEIT gehen.

  5. „Bild ist ein Bollwerk gegen Hass“. Das der Chefredakteur dieses moralisch verkommenen Schmieren- und Hetzblattes eine solche Aussage tätigt, ist mehr als peinlich und verlogen. Ich kann niemanden verstehen, der sich vor den Bild-Karren spannen lässt und bei dieser verlogenen Aktion mitmacht. In der nächsten Woche hetzt diese üble Gazette wieder gegen Hartz IV Empfänger oder die Griechen. Ich hoffe, dass der Auflagenverlust diesem Mistblatt bald den Garaus macht.

    1. Klar ist Bild Bollwerk gegen Hass.

      Genau wie Krieg Frieden ist. Freiheit Sklaverei ist. Und Unwissenheit Stärke ist.

  6. peinlich, daß Meedia einem der größten Schmierfinken und Heuchler dieser Republik auch noch ein Forum gibt, seine kruden Ansichten und Thesen zu verbreiten. Schauderhaft.

  7. Was haben wir gelacht, als wir in der Schule das „Neue Deutschland“ im Sozialkundeunterricht analysiert haben. Der Duktus ist wieder da und mir bleibt das Lachen im Halse stecken. „Bollwerk….“

  8. Bilanz des Kai D. als Chefredakteur seit 2001: Auflage der BILD von 4 Mio auf 2 Mio halbiert. Ob dieser desaströse Niedergang der Print-Bild durch Bild.de und Bild Plus aufgefangen werden kann? Wohl kaum. Ich frage mich bei solchen Zahlen warum der Kai in manchen Branchenblättern noch als erfolgreicher Macher dargestellt wird…

    1. Das sind immer noch zwei Millionen zu viel! Diekmann ist ein Hassprediger, selbst Serdar Sumuncu musste dies schon feststellen!

  9. Alle hauen hier drauf auf den Bild-Chef! Man muss ihn nicht mögen, aber zuletzt hat sich das ehemalige Groschenblatt doch vernünftig verhalten in Sachen der nicht unumstrittenen Willkommenskultur.
    Außerdem wurden längst nicht alle (auch größeren) Straftaten, eindeutig aus dem Kreis der so genannten Flüchtlinge resultierend, thematisiert.

    1. ja jetzt dürfen Sie mal raten woher der Stimmungsumschwung rührt? Die Bild-Print hat seit Diekmanns Antritt 2 Mio Auflage verloren, also 50% und damit noch deutlich mehr Verlust erlitten als andere Boulevard- und Tageszeitungen. Bild.de und Bild Plus sind dem Vernehmen nach wohl eher Flops und können den wirtschaftlichen Verlust der Bild-Print nicht auffangen. Geht der Trend so weiter ist die Bild in spätestens 5 Jahren weg vom Fenster. Neue Strategie also die „nette und freundliche“ Bild. Könnte sogar aufgehen, wenn man nicht einen Twitter-Kai an der Spitze hätte, der so eine neue Strategie mit nur wenigen Tweets torpediert und ad absurdum führt. Unfassbar dumm. Twitter-Kai halt.

      1. Tja der Kai hat halt einen zu kurzen Zünder, wie schon die TAZ offiziell festgestellt hat. Das ist tiefenpsychologisch ein weites Feld.

  10. Ich gehöre zu den Guten, wenn ich gegen die böse „Bild“ bin. Dieses Mantra gilt seit 1968 und wurde inzwischen vererbt an die Kinder und Enkel des linksgrünen Bildungsbürgertums. Wenn die „Bild“ eine Kampagne für Flüchtlingshilfe startet, kann das nur Heuchelei sein. Gutes können nur die Guten tun.

    1. Die Bild hat doch erst dafür gesorgt, dass eine solche Hasskultur entsteht. Es ist purer Zynismus, dass die Bild jetzt auf Menschenfreund macht. Jahrzehnte lang hat sie gegen Minderheiten, Arbeitslose, Asylanten, Ausländer gehetzt. Zuletzt aktuell gegen Griechenland, England und Russland. Herr Diekmann und Herr Reichelt sind wirklich alles aber sicher keine guten, selbstlose und hilfsbereite Menschen. Das ist alles Marketing von der Bild. Die wollen verkaufen und nicht helfen. Es ist einfach unglaublich, dass sich selbst Politiker von diesem Schmierblatt kaufen lassen und diese Werbung mittragen. Denke da ist ein großer Sumpf und es fließt eine Menge Geld und Vergünstigungen in Richtung der Politiker und sogenannte Stars. Bin mal gespannt, wenn diese RefugeesWelcome Blase platzt und alle mit der Realität konfrontiert werden. Eine Zeitschrift, die erst Brände legt und sich dann mit dem Löschen brüstet ist nicht besser als Pegedia oder die NPD. BILD ist kein Heilsbringer, BILD ist ein Übel der heutigen Zeit.

    2. Ach Quatsch Florian, Bild ist schon was richtig tolles! Alle Buchstaben sind so groß geschrieben und die Sportseite ist echt klasse! Habe übrigens mit 68er oder deren Enkeln nichts zu tun, finde dieses Stück Papier trotzdem widerlich! Wenn Sie es gerne lesen, gönne ich es Ihnen! Soll doch jeder nach seiner Facon glücklich werden!

  11. Sorry, aber ich kann die Tiraden des Herrn D. nicht mehr ertragen. Alles easy, Bild ist toll und Kai D. hat so und so immer Recht. Diese Selbstgerechtigkeit, diese Heuchelei – unerträglich.

  12. Seine eigene Meinung über Blöd hat auch noch Bochums Trainer Verbeek. Ein Video über eine Pressekonferenz auf Kicker Online.

  13. Was für ein verlogener Stuss vom Blöd-Zeitungs-Boss. Erst Islam-Feind Sarrazin hofieren und zugleich Islam-Freund Bundespräsident Wulff verleumden und sich dann als oberster Schutzpatron muslimischer Einwanderer inszenieren. Wer denkt, Bild und Dieckmann sind seriös, der kann genausogut die FDP für einen Sozialverband halten.

  14. Bild ist DAS Synonym für Hass! Die Springer-Medien haben schon mehr Existenzen vernichtet, als die meisten Menschen sich vorstellen können! Mehr möchte ich zu dieser Schmierengazette nicht schreiben!

  15. ich lese seit 20 jahren bild und ich lese jetzt nicht mehr,- so scheinheilig die plötzlich tut unfassbar !!!!!

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige