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„Satire muss Schock provozieren“ – Charlie Hebdo-Chefredakteur rechtfertigt Karikaturen zum Flüchtlingsjungen

Charlie-Hebdo-Chefredakteur Gérard Biard
Charlie-Hebdo-Chefredakteur Gérard Biard

Im Januar wurden bei einem Terroranschlag viele Mitarbeiter der Satirezeitung Charlie Hebdo getötet. "Wir wurden zu Helden", sagt der Chefredakteur bei einer Preisverleihung - ungewollt. Er rechtfertigte auch die Karikaturen zum Tod des Flüchtlingsjungen Aylan. Das französische Satiremagazin Charlie Hebdo ist am Donnerstag mit dem Potsdamer M100 Media Award ausgezeichnet worden.

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Chefredakteur Gérard Biard machte sich in seiner Dankesrede leidenschaftlich für die Meinungsfreiheit stark. Charlie Hebdo sei zu einem weltweiten Symbol der Meinungs- und Gewissensfreiheit geworden, sagte er. „Wir wurden zu Helden.“ Aber niemand bei Charlie Hebdo habe sich darum beworben, ein Held zu sein.

Es sei nicht die Rolle einer Zeitschrift, und insbesondere nicht die einer Satirezeitschrift, ein Symbol zu sein, sagte Biard. „Die Überzeugungen und Werte, für die wir eintreten, sind universelle Werte und als solche gehören sie allen Bürgern dieser Welt.“ Daher sollten alle Bürger dieser Welt für sie eintreten. Bei einem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo wurden im Januar in Paris zwölf Menschen getötet, darunter mehrere bekannte Zeichner. Bei weiteren Attacken auf einen jüdischen Supermarkt und eine Polizistin starben fünf Menschen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach in seiner Rede bei der Konferenz von einem „Angriff auf Freiheit und Demokratie.“

Biard betonte, er sei überzeugt, dass es keine Lösung sei, der Politik des Terrors nachzugeben. Das wäre im Gegenteil „die schlechteste Reaktion auf diese totalitäre Erpressung“. Bei der Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium verteidigte Biard Karikaturen seiner Zeitung zum Tod des Flüchtlingsjungen Aylan. Die Zeichnungen machten sich nicht über den Tod des Kindes lustig. „Satire muss einen Schock provozieren.“ Ansonsten sei es keine gute Karikatur. Satire zeige die Realität.

Die kürzliche Veröffentlichung der Karikaturen zu dem ertrunkenen Flüchtlingsjungen aus Syrien hatte eine Kontroverse hervorgerufen. Vor allem in sozialen Netzwerken gab es viel Kritik. Biard sagte, man müsse mit Karikaturen nicht einverstanden sein. Er verurteilte aber Hass-Kommentare: Man könne anderer Meinung sein, aber zu Mord aufzurufen sei ein Verbrechen.

Mit dem Medienpreis wird das Recht der freien Meinungsäußerung gewürdigt. Laudator Ferdinand von Schirach betonte: „Dieser Preis heute ehrt die Toten – und er ehrt die Überlebenden.“ Dass es Charlie Hebdo noch immer gebe, sei ein „trotzdem“, sagte der Schriftsteller und Strafverteidiger. Und er betonte, wenn Satire niemandem weh tue, bedeute sie nichts.

Die Potsdamer Konferenz fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bei dem Colloquium in der Orangerie von Sanssouci diskutierten Chefredakteure, Politiker und Historiker – anlässlich des 70. Jahrestages der Potsdamer Konferenz stand die aktuelle Situation in Europa im Mittelpunkt. Im Potsdamer Cecilienhof berieten die Alliierten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 über die neue Weltordnung.

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) forderte zur Eröffnung der Konferenz unter anderem eine „Agenda für den Weltfrieden“. Angesichts von Millionen Flüchtlingen mahnte er Solidarität mit den Menschen an. Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingskrise forderte er in einer Videobotschaft ein gemeinschaftliches und unverzügliches Vorgehen Europas. Auch Steinmeier betonte, nirgendwo sei europäisches Handeln so gefragt wie bei der Flüchtlingskrise.

(dpa)

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Alle Kommentare

  1. Auch Charlie Hebdo ist nur ein Presseerzeugnis, dass verkaufen will. Satire auf kosten eines Menschenlebens ist keine Satire sondern zeigt nur die niedersten Instinke des Journalismus und der verlorenen und verkauften Ehre der Medien. Liebe Charlie Hebdo , zeigt doch auch mal lustige Bilder Eurer ermordeten Kollegen in Paris und macht nen Spaß daraus … irgendwas ironisches oder tief sinniges .. aber halt … Satire darf ja nur treffen, wenn sie nicht bestimmt Grenzen verletzen .. von der Dummheit gesetzte Grenzen. Sorry …. Satire sollte aufklären und keinen Hass schüren und unschuldige missbrauchen. Kinderleichen zu missbrauchen ist keine Satire … das ist eckelig.

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