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Die Online-News-Branche im 2-Jahres-Trend: SpOn stagniert, Focus, n-tv, Zeit und FAZ legen deutlich zu

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Spiegel Online ist im Nachrichtenmarkt der große Marktanteilsverlierer der vergangenen zwei Jahre. Das ist eins der Ergebnisse einer Langzeit-Analyse, die MEEDIA auf Basis der IVW-Zahlen durchgeführt hat. Während der Großteil der Konkurrenz Visits gewinnt, stagnieren sie bei SpOn. Deutliche Gewinne verzeichnen hingegen u.a. Focus Online und n-tv.de.

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Monat für Monat berichten wir bei MEEDIA über die IVW-Zahlen der Online-Nachrichten-Angebote. Die langfristigen Trends bleiben in diesen Analysen etwas außen vor, obwohl sie spannende Entwicklungen aufzeigen. Für unseren 2-Jahres-Vergleich, den Sie nun lesen, konzentrieren wir uns daher auf genau diesen Langzeit-Trend – 2 Jahre sind im Online-Geschäft ja schließlich schon eine extrem lange Zeit.

Schauen wir dabei direkt auf Spiegel Online. 187,8 Mio. Visits erreichte SpOn im August 2013, zwei Jahre später waren es 193,7 Mio. Ein Wachstum von 3,1%. Hört sich nicht schlecht an, doch im Vergleich zur Konkurrenz ist es das durchaus. Nur Süddeutsche.de wuchs in der Top 15 ähnlich schwach – dort hat das aber auch damit zu tun, dass damals noch die Visits der Abendzeitung mitgezählt wurden.

Andere Anbieter steigerten ihre Zugriffe hingegen enorm. So liegt n-tv.de 61,8% über den Zahlen aus dem August 2013, Zeit Online 57% darüber und FAZ.net wuchs um 52,5%. Noch extremer sind auf den ersten Blick die Wachstumsraten von Focus Online und N24. Doch das Plus von jeweils über 200% ist vor allem deswegen so extrem, weil die beiden Kontrahenten damals noch keine mobilen Zahlen mitzählen ließen. Wäre das schon geschehen, läge auch Focus Online bei einem Plus von über 60%, N24 noch darüber.

Innerhalb der jüngsten zwölf Monate ging es in der Top Ten für Focus, n-tv und Die Welt am deutlichsten nach oben – um mehr als 30%. Spiegel Online hingegen liegt sogar unter den Zahlen aus dem August 2014 – ebenso Süddeutsche.de, allerdings wie oben erwähnt wegen der damals noch mitgezählten Abendzeitung.

Auf den Rängen 11 bis 25 der aktuellen IVW-Nachrichten-Charts heißen die großen Gewinner der vergangenen zwölf Monate Huffington Post und Stuttgarter Zeitung & Stuttgarter Nachrichten. Auch für DerWesten und den Kölner Stadt-Anzeiger ging es deutlich nach oben. Der Vergleich zum August 2013 hinkt bei einigen Anbietern wiederum wegen der damals fehlenden mobilen Daten, bei denjenigen, für die sämtliche Zahlen komplett vorliegen, wuchs das Duo Stuttgarter Zeitung & Stuttgarter Nachrichten am deutlichsten. Sogar rückläufig sind die Zahlen des Hamburger Abendblattes und des manager magazins, zu dem ja bei der IVW, wie oft berichtet, auch das Karriere-Ressort von Spiegel Online zählt.

IVW 2015: Top 50 Nachrichtenangebote im 2-Jahres-Vergleich
Visits 08/2015 vs. 08/2014 vs. 08/2013
1 Bild.de 316.794.570 15,0% 26,6%
2 Spiegel Online 193.690.903 -1,2% 3,1%
3 Focus Online 131.938.629 34,0% 211,8%*
4 n-tv.de 97.920.350 31,3% 61,8%
5 Die Welt 65.291.141 31,6% 40,8%
6 Süddeutsche.de 47.881.278 -0,3% 7,2%
7 Zeit Online 45.895.789 29,3% 57,0%
8 FAZ.net 41.322.114 23,1% 52,5%
9 stern.de 34.041.362 23,1% 32,4%
10 N24 Online 20.348.496 20,6% 248,3%*
11 Handelsblatt.com 20.339.290 14,3% 22,6%
12 RP Online 18.622.121 17,4% 63,2%*
13 Express Online 18.267.245 23,4% 28,1%
14 DerWesten 18.072.501 30,8% 33,2%
15 Huffington Post 15.685.071 54,4%
16 Hamburger Morgenpost Online 12.140.105 20,9% 89,0%*
17 Tagesspiegel.de 11.416.043 21,3% 34,9%
18 tz 10.959.357 26,1% 71,2%*
19 Hamburger Abendblatt Online 8.729.057 -18,1% -6,3%
20 Stuttgarter Zeitung online & Stuttgarter Nachrichten online 8.096.680 41,4% 76,3%
21 manager magazin online 6.940.245 -8,4% -16,2%
22 Augsburger Allgemeine Online 6.754.769 18,2% 26,1%
23 Merkur.de 6.717.655 4,9% 30,7%*
24 OVB24 6.069.598 21,8% 85,6%*
25 Kölner Stadt-Anzeiger Online 5.940.684 32,8% 20,6%*
* damals noch ohne Visits der mobilen Websites/Apps
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Auf den Rängen 26 bis 50 verdoppelten zwei Kontrahenten ihre Zahlen aus dem Vorjahr sogar: die Mediengruppe Thüringen und die Sächsische Zeitung ließen allerdings vor einem Jahr noch keine mobilen Zahlen mitzählen: Sie sind der Hauptgrund für das auf den ersten Blick extreme Wachstum. Tatsächlich deutlich nach oben ging es für News.de, die Neue Osnabrücker Zeitung und die Mitteldeutsche Zeitung, im 24-Monats-Trend auch für shz.de, die WirtschaftsWoche und die Südwest Presse. Auch hier gibt es ein Angebot, das in den zwei Jahren Visits verloren hat: die Frankfurter Rundschau.

IVW 2015: Top 50 Nachrichtenangebote im 2-Jahres-Vergleich
Visits 08/2015 vs. 08/2014 vs. 08/2013
26 Neue OZ online 5.869.840 58,4% 60,2%
27 Abendzeitung München 5.744.479
28 HNA online 5.583.570 14,4% 31,8%*
29 BZ-Berlin 5.539.630 24,4% 6,8%
30 Badische Zeitung Online 5.379.229 25,9%* 37,1%*
31 Berliner Morgenpost 5.204.795 18,7% 11,3%
32 Nordbayern.de 5.076.819 19,1% 73,7%*
33 WirtschaftsWoche 5.059.736 27,1% 63,6%
34 taz.de 4.862.879 8,9% 11,1%*
35 News.de 4.816.977 70,9% 177,5%*
36 Medienhaus Lensing / Ruhr Nachrichten 4.697.317 4,3% 35,1%*
37 Mediengruppe Thüringen Online (TA, OTZ, TLZ) 4.682.201 102,6%*
38 Mitteldeutsche Zeitung 4.523.068 50,5% 96,0%*
39 Passauer Neue Presse 4.492.071 21,3% 47,6%
40 Frankfurter Rundschau online 4.425.379 -7,9% -3,1%
41 shz.de 4.328.716 43,0% 88,3%
42 Hannoversche Allgemeine Zeitung 4.202.468 48,0% 88,3%*
43 Mopo 24 3.919.391
44 LVZ-Online 3.893.864 19,9% 78,1%*
45 Südwest Presse Online 3.841.996 45,2% 59,0%
46 SZ-Online 3.548.597 104,3%* 117,5%*
47 suedkurier.de 3.510.961 20,1% 57,0%*
48 Zeitungsgruppe Münster/Westfälische Nachrichten 3.502.603 24,3% 64,2%*
49 Berliner Zeitung Online 3.378.498 19,5% 34,9%*
50 Mittelbayerische Zeitung 3.204.413 21,4% 46,3%*
* damals noch ohne Visits der mobilen Websites/Apps
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Nun sind die Zahlen eines einzelnen Monats eines Jahres natürlich nur Momentaufnahmen. Da MEEDIA ja aber in den monatlichen Analysen Marktanteile für alle Konkurrenten errechnet, nutzen wir diese Marktanteile noch für einen genaueren Blick auf die Top Ten. Die Marktanteile zeigen, wie groß der Anteil an der Gesamtzahl der Visits der von uns als Nachrichtenangebot klassifizierten Kontrahenten ist. Diese Marktanteile veranschaulichen daher insbesondere im Langzeit-Trend, wie gut oder schlecht sich ein Anbieter im Vergleich zu seiner Konkurrenz entwickelt.

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Der große Verlierer in dieser Statistik ist Spiegel Online. Betrug der SpOn-Marktanteil in der News-Branche im August 2013 noch 18,92%, waren es zwei Jahre später nur noch 13,82% – ein Rückgang um mehr als 5 Marktanteilspunkte. Am deutlichsten nach oben ging es hingegen für Focus Online: von 4,26% auf 9,41%, bzw. wenn man den September 2013 zählt, in dem erstmals auch die mobilen Focus-Visits mitgezählt wurden, von 7,33% auf 9,41%. Schauen wir uns die Marktanteilsentwicklung der größten fünf Anbieter genau an:

Nachrichtenmarktanteile_2-Jahres-Trend

Neben Spiegel Online verliert also auch Bild.de stetig Marktanteile, insbesondere im Jahr 2015. Zwar wuchs Springers Boulevard-Schlachtschiff in den zwei Jahren bei den Visits um 26,6%, doch das ist im Vergleich zum Gesamtmarkt eben ein unterdurchschitliches Wachstum. Bei Spiegel Online sieht das Wachstum allerdings noch dramatischer aus – und ein Ende scheint nicht in Sicht.

Bei Focus Online geht es wiederum fast Monat für Monat nach oben. Zwar beträgt der Abstand zwischen Spiegel und Focus noch fast 62 Mio. Visits, doch im September 2013 – im August gab es wie gesagt noch keine mobilen Focus-Zahlen – waren es noch über 125 Mio. Auch n-tv wächst bei den Marktanteilen insbesondere in den jüngsten Monaten deutlich, Die Welt liegt hingegen im gesamten 2-Jahres-Zeitraum im Marktanteils-Korridor von 4,0% bis 4,7%.

Spannend sind auch die Entwicklungen auf den Rängen 6 bis 10:

Nachrichtenmarktanteile_2-Jahres-Trend_2

Süddeutsche.de verlor demnach insbesondere bis Ende 2014 Marktanteile. Dann gab es den Schritt nach unten, weil die Abendzeitung aus der Süddeutsche-Zählung ausschied – und seitdem bleiben die Marktanteile weitgehend stabil. Zeit Online wuchs insbesondere von Sommer 2014 bis Anfang 2015 deutlich. Bei der FAZ setzte das Marktanteils-Wachstum 2015 ein, insbesondere im Juli gab es einen Top-Wert – vor allem wegen der Berichterstattung zur Griechenlandkrise.

stern.de verlor bis zum Sommer 2014 Marktanteile, seitdem geht es aber wieder aufwärts. Im Juli 2015 gab es dann einen Relaunch-bedingten Sturz, der im August wieder halbwegs ausgeglichen wurde. N24 verbesserte sich insbesondere in der Zeit bis zum Sommer 2014, seitdem stagnieren die Marktanteile weitgehend.

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Alle Kommentare

  1. Tja, Clickbaiting rulez. Gilt zumindest für Focus Online. Denn Journalismus kann es bei denen eher nicht sein. SPON macht leider keinen guten Social Media-Job – im Gegensatz zu Welt Online. N-tv ist mobil recht gut unterwegs und schnell. So erklären sich die Wachstumsraten recht gut.

    Viele der anderen genannten Medien dürften nicht ganz so schnell wachsen, weil sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass mittel- und langfristig nicht die schnellen Clicks zählen, sondenr die loyalen Nutzer. Und deshalb sind viele – im Gegensatz zu z.B. Focus Online – nicht bereit, ihren Ruf aufs Spiel zu setzen…

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