Anzeige

Viral-Hit im Vorfeld, platte Witze in der Sendung: Die neue ZDF-Satire „Mann, Sieber!“ verspielt Potenzial

Noch kann die neue ZDF-Kabarett-Show „Mann, Sieber! nicht überzeugen
Noch kann die neue ZDF-Kabarett-Show "Mann, Sieber! nicht überzeugen

Am Dienstagabend startete im ZDF eine neue politische Late Night Kabarett-Show. Irgendwo angesiedelt zwischen "heute-show", "Die Anstalt" und Stand-up-Comedy kommt "Mann, Sieber!" wenig originell daher. Die beiden Kabarettisten Tobias Mann und Christoph Sieber feuern in der Premiere einen platten Witz nach dem anderen ab und zeigen erst am Ende, was in ihnen und der Sendung stecken könnte.

Anzeige
Anzeige

Für maximale Aufmerksamkeit für ihre neue ZDF-Satiresendung „Mann, Sieber!“ hatten Christoph Sieber und Tobias Mann bereits vor der Ausstrahlung der ersten Folge gesorgt: Mit einem Video des rappenden „MC Claus Kleber“ landeten sie diese Woche einen echten Viral-Hit. Damit befolgten sie das von Jan Böhmermann perfektionierte Erfolgsrezept, Sketche und Clips losgelöst von der eigentlichen Sendung in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Dieses Konzept ging für die beiden Kabarettisten auf: Ihr sehr lustiges Rap-Video machte Lust auf mehr – doch leider hatten sie damit ihr Pulver auch schon verschossen.

Gleich zu Beginn der Sendung machten Sieber und Mann deutlich, wo sie sich selber mit ihrem neuen Format sehen: zwischen Stand-up-Comedy und „heute-show“. Im Auftakt-Sketch zur Premiere fahren sie im Auto zum Fernsehstudio und versuchen unterwegs, noch schnell einen Gast für die erste Show zu finden. Sie rufen Hella von Sinnen, Hugo Egon Balder und Carolin Kebekus an, bis endlich Oliver Welke zusagt – den sie dann aber aus Versehen über den Haufen fahren.

Schlaffe Pointen, Medienkritik und Facebook-Hass

Wie das ZDF im Vorfeld verkündete, wollen Christoph Sieber und Tobias Mann in den Rollen des Skeptikers und des Optimisten in der neuen Show einmal im Monat „aus verschiedenen Perspektiven auf das politische Weltgeschehen“ blicken. Das klingt stark nach „Die Anstalt“, auch hier knöpfen sich Max Uthoff und Claus von Wagner regelmäßig politische Debatten und Krisen vor – und das mit einer gehörigen Portion Intelligenz und Biss. Leider sind die Witze in der Premiere von „Mann, Sieber!“ aber vor allem eins: platt. In den ersten Minuten liefern sich die beiden Kabarettisten einen Schlagabtausch mit Gags wie „Horst Seehofer und die Grenze zu Österreich haben eins gemeinsam: Beide sind nicht ganz dicht“ oder „Der Mann heißt Hans-Peter Friedrich, da hat es noch nicht mal für ’nen Nachnamen gereicht.“

Anzeige

Dann folgt ein leidlich lustiger Sketch über Redaktionskonferenzen der deutschen Leitmedien Bild, Spiegel und Stern (Pointe: Bild will Titten, Spiegel will Hitler, Stern hat Rücken) und auch die Auseinandersetzung mit Hass-Kommentaren bei Facebook ist leider wenig originell: Sieber und Mann lesen Hetz-Postings vor und machen sich dabei über Rechtschreibung und Inhalt lustig. Das funktioniert zwar irgendwie, wirklich neu ist es angesichts der aktuellen Omnipräsentz solcher Kommentare und Tumblr-Blogs, die die mangelnde Rechtschreibung von Nazis bloßstellen, aber nicht.

Das Potenzial für Neues und Anspruchsvolles ist da

Deutlich gelungener ist Siebers Diaprojektor-Vortrag, in dem er ganz ernst erklärt, welche Rolle Deutschlands Waffenlieferungen beim Entstehen der Flüchtlingskrise spielt und eindringlich betont: „Die Menschen fliehen vor uns, und zwar zu uns“. Unterbrochen wird er dabei hin und wieder von Tobias Mann, der zusammenfasst: „Da kann man auch, wenn’s beim Kindergeburtstag Streit gibt, gleich einen Messerblock in die Mitte stellen“.

Hier zeigt sich, dass durchaus Potenzial besteht – für Neues, für Anspruchsvolleres. Auch das Talkshow-Orakel am Ende der Sendung (Sieber und Mann würfeln, welcher Talk-Gast sich über welches Thema aufregen wird) und der Kleber-Spot zeigen: Da ist noch Luft nach oben; das kann noch besser werden. Es bleibt den beiden Kabarettisten zu wünschen, dass sie es schaffen, sich zu steigern.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*