Frankfurt-Tatort „Hinter dem Spiegel“: Ein aus der Zeit gefallener Gangster-Krimi

19_Tatort_Hinter_dem_Spiegel1.jpg
ARD/HR Tatort: Hinter dem Spiegel, © HR/Degeto/Bettina Müller

Der zweite "Tatort" nach der Sommerpause ist auch der zweite Fall für das neue Frankfurter Ermittlerteam Anna Janneke und Paul Brix nach dem Abschied von Hauptkommissar Joachim Król. Im Gegensatz zu ihrem ersten Einsatz ist "Hinter dem Spiegel" ein klug erzählter Retro-Krimi mit großartigen Schauspielern, der sich großzügig an Elementen der 80er-Jahre-Gangsterfilmen aufgreift.

Anzeige

Die Story
Im Polizeipräsidium erhält Hauptkommissar Paul Brix Besuch von seinem ehemaligen Partner bei der Sitte, Simon Finger. Dieser ist auf der Flucht vor der Russen-Mafia, Brix soll ihm helfen. Obwohl er tief in Fingers Schuld steht, weigert er sich. Hauptkommissarin Anna Janneke wird Zeugin des Gesprächs und beginnt sich zu fragen, wer Brix wirklich ist. Ein neuer Fall nimmt beide jedoch in Beschlag: In seiner Wohnung wird ein Politiker erhängt aufgefunden. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch Janneke bezweifelt dies. Plötzlich ist Simon Finger spurlos verschwunden. Brix startet die Suche nach seinem Kumpel. Und Janneke forscht in Brix‘ Vergangenheit im Bahnhofsmilieu. Hier trifft sie auf den smarten Wolfgang Preiss, Brix‘ früheren Revierchef. Für Janneke und Brix beginnt ein tödliches Spiel um Loyalität und Vertrauen.

Die Story hinter der Story
Hauptkommissar Paul Brix und seine Vergangenheit: Ist er womöglich kriminell? Was ist seine wahre Identität? Hier werden beinahe ebenso viele Fragen aufgeworfen wie beantwortet.

Was taugt das Drehbuch?
„Hinter dem Spiegel“ beginnt dort, wo der letzte Frankfurter Tatort „Kälter als der Tod“ aufgehört hat und reiht sich damit in die Tradition vieler anderer „Tatorte“ ein: Auch die Fälle mit Til Schweiger in Hamburg oder die des Dortmunder Teams bauen aufeinander auf. So beginnt der neue Fall mit der Befragung von Anna Janneke zu den tödlichen Schüssen ihres Kollegen am Ende ihre ersten Films.

Drehbuchautir Erol Yesilkaya und Regisseur Sebastian Marka haben einen Film produziert, der an vielen Stellen wie aus der Zeit gefallen wirkt. Die beiden bedienen sich großzügig an Elementen aus Gangster- und Mafiafilmen der 80er Jahre und erzählen die Geschichte von harten Gaunern, Geldgeschäften mit der Russen-Mafia, Drogen und Erpressung. Und mittendrin geraten die beiden Hauptkommissare in einen handfesten Konflikt zwischen Loyalität und Pflicht. Umgesetzt wird das alles von einem sehr guten Darstellerensemble, allen voran Wolfram Koch als Paul Brix und der gewohnt herausragende Justus von Dohnányi als Wolfgang Preiss.

Sind die Ermittler in Form?
Janneke und Brix müssen sich noch aneinander gewöhnen – was durch Brix‘ geheimnisvolle Vergangenheit erschwert wird. Leider ist genau dies ein alter „Tatort“-Hut und in zu vielen Städten aufgrund etlicher neuer Teams ein zentrales Thema. Dennoch hat vor allem die Figur von Brix ein hohes Entwicklungspotenzial und verspricht ordentlich Drama für die nächsten Fälle.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Drehbuchator Yesilkaya und Regisseur Marka waren auch schon gemeinsam für den furiosen Abschied des bisherigen Frankfurter Hauptkommissars Joachim Krol im „Tatort: Das Haus am Ende der Straße“ verantwortlich und knüpfen bei ihrem neuesten Streich an diesen Stil an: Die Geschichte ist ähnlich verschachtelt und die Handlung ebenso schonungslos.

Der Satz zum Mitreden
„Da müssen Sie Eier zeigen. Cojones!“

Eher peinlich
Paul Brix kauft Speed und damit der Zuschauer auch ganz sicher versteht, dass der harte Kerl da gerade illegale Drogen kauft, wiederholen die Darsteller gleich dreimal: Speed? Ja genau, Speed. Speed!

Fazit
„Hinter dem Spiegel“ ist deutlich besser als der erste Fall der beiden neuen Kommissare und ein klug inszenierter, spannender Krimi.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10
9

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige