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„Wir sind kein James-Bond-Fernsehen“: RTL setzt im News-Bereich auf mehr Qualität

Neues RTL-Hauptstadtstudio in Reichstagsnähe: Anchorman Peter Kloeppel, News-Chefredakteur Michael Wulf
Neues RTL-Hauptstadtstudio in Reichstagsnähe: Anchorman Peter Kloeppel, News-Chefredakteur Michael Wulf

In dieser Woche eröffnete die Mediengruppe RTL offiziell ihr neues Hauptstadtstudio in der Behrenstraße. Beim Hausbesuch zeigt sich: Die Sender der RTL-Familie wollen sich nicht nur mit neuen Räumlichkeiten in der Metropole beweisen, sondern auch mit einer News-Qualitätsoffensive im Programm punkten.

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„Wir sehen uns nicht mehr als reinen TV-Anbieter.“ Anke Schäferkordt macht bei der offiziellen Eröffnung des neuen Hauptstadtstudios vor zahlreichen Prominenten aus Fernsehen und Politik deutlich, wo die Zukunft liegt: nicht exklusiv auf der Mattscheibe. Die Nachrichten würden plattform- und senderübergreifend immer wichtiger für die Mediengruppe, so Schäferkordt. Letztes Jahr habe man einen „deutlich dreistelligen Betrag“ ausgegeben, verrät die Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL.

Warum aber wurde ein Umzug überhaupt nötig? Am alten Standort am Schiffbauerdamm hätten über Jahre hinweg Baustellen den aktiven Betrieb gestört. Darüber hinaus wäre man durch den Ausbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in der zweiten Reihe verschwunden, der direkte Blick auf Spree wäre weg gewesen, ein Umzug war also unumgänglich. Bei der Standort-Suche sei die größte Priorität gewesen, so „nah am Reichstag wie möglich zu landen“, erklärt Studioleiter Rainer Munz bei der Führung durch das neue Gebäude, das in der Behrenstraße nahe am Brandenburger Tor liegt.

Am neuen Standort treffen RTL und n-tv auf RTL II, des Team bereits seit Anfang des Jahres in dem Gebäude logiert. Neben den Hauptstadtbüros von RTL und n-tv und dem gesamten RTL II Nachrichten-Team werden in der Behrenstraße auch die n-tv-Talkformate wie „Das Duell“ mit Heiner Bremer produziert. Es können auch Auftragsproduktionen mit bis zu 150 Zuschauern realisiert werden. Außer dem – noch nicht fertig gestellten – RTL II Newsstudio gibt es noch zwei weitere Studios im Haus: ein größeres à 240 m2 und ein kleineres à 40 m2. Insgesamt sitzen 150 Mitarbeiter der Mediengruppe-RTL vor Ort. Dazu kommen noch die Mitarbeiter der Untermieter CNN, Pool TV und Probono, das Gebäude teilt man sich zudem mit dem Reiseportal booking.com.

Zusammen mit der Vorstellung des neuen Hauptstadt-Studios hat die Mediengruppe RTL gleich eine große Zahl an kleineren News und Veränderungen zu verkünden. Das beginnt bei der Bekanntgabe der Kooperationen mit Spiegel und Correct!v (MEEDIA berichtete), geht weiter mit Vertragsverlängerung mit Chefkorrespondentin Antonia Rados sowie einem Ausbau des weltweiten Korrespondenten-Netzes und endet bei neuen Doku-Formaten mit „RTL aktuell“-Anchor Peter Kloeppel.

Es sind aber weniger die Nachrichten in eigener Sache, sondern die Gespräche vor Ort, die zeigen: Die Sender der RTL-Familie wollen sich nicht nur mit neuen Räumlichkeiten in der Hauptstadt beweisen, sondern auch mit einer News-Qualitätsoffensive im Programm.

RTL: „Wir müssen nicht erst wie Springer einen Fernsehsender kaufen“

So luden RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel und RTL-Chefredakteur Michael Wulf am Mittwoch einige Journalisten zum Gespräch, um Einblicke in ihre Pläne zu geben, vor allem aber um über die Zukunft der Nachrichten bei RTL zu diskutieren. Wie sehr sich die Fernsehnachrichten durch das Internet verändern, weiß am besten Peter Kloeppel. Als er 1985 bei RTL begann, hätten die längsten Nachrichten-Beiträge „maximal 45 Sekunden gedauert“ erinnert er sich, heute gebe es „kaum mehr Beiträge unter 1 Minute 30“.

Ein weiterer Baustein in der neuen Strategie von RTL ist die vermehrte Verbindung von Spielfilm und Doku. Man wolle so die Spielfilme aufwerten, sagt Chefredakteur Wulf. So schließt am 15. November an den Spielfilm „Rush“ über den ehemaligen Formel-1-Pilot Niki Lauda eine Dokumentation über Laudas Leben an. Im Herbst ist gleiches für den Film „Startfighter – Sie wollten den Himmel erobern“ und eine dazu passende Doku von Peter Kloeppel und Inka Bause geplant. Und auch für das kommende Jahr gibt es schon Ideen: So soll es eine ähnliche Kombination bei einem Schwerpunkt zu den Dassler-Brüder Adolf und Rudolf geben, die Gründer von Adidas und Puma.

Neben der neuen Progammierungsstrategie will RTL auch Bewährtem weitere Sendeplätze schaffen. So werden auch 2016 wieder Folgen der aus der Journalismus-Offerte heraus gewachsenen Sendungen „Team Wallraff“ oder „Jenke Experiment“ laufen. Bei Wallraff, mit dem RTL nicht nur hervorragende Quoten geholt, sondern auch für Diskussionen gesorgt hatte, gäbe es mittlerweile den Vorteil, dass man auch investigativen Nachwuchs aufbaue. Problem für einen TV-Sender wie RTL sind die ungewissen Ausgänge der Recherchen. Es könne immer mal wieder vorkommen, dass langfristige Recherchen im letzten Moment platzen, weil die Undercover-Reporter auffliegen. RTL sei eben „kein James-Bond-Fernsehen“, so Wulf.

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Einen ganz neuen Weg geht RTL im Oktober mit RTL Next im Digitalen (MEEDIA berichtete). Auf der neuen Online-Plattform will der Sender sowohl vorhanden Video-Content anbieten, als auch extra dafür produzieren. Inhaltlich soll die Plattform die Bandbreite von „Punkt 12“ abdecken und erstmal kostenfrei bleiben, erklärt Chefredakteur Wulf. Der Grund für die Offensive: Man habe die Erfahrung gemacht, dass die eigenen Fernsehzuschauer eine Vermischung von Internet und Fernsehen nicht begrüßen würden, man selbst habe sich damit „öfter eine blutige Nase geholt“, so Wulf.

Auf RTL Next wolle man zunächst ausprobieren, was funktioniert, erklärt Wulf. Der Anteil an eigenen Produktionen dafür soll Schritt für Schritt steigen. Einen Start-Vorteil habe man aber natürlich gegenüber der Konkurrenz: Man müsse sich „nicht erst wie Springer einen Fernsehsender kaufen“.

RTL II: „Wir sind keine einsamen Verkünder von großen Weisheiten“

Ein ganz anderen Weg geht RTL II: Bereits Anfang des Jahres ist die gesamte Nachrichtenabteilung des Senders nach Berlin umgezogen. Das neue Nachrichten-Studio, das in moderner Optik daher kommt, ist zwar noch nicht ganz fertig, soll aber noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen. Mit dem neuen Studiodesign will RTL II mehr auf Authentizität setzen und verzichtet daher auf einen Greenscreen.

„Im vergangenen Jahr haben wir uns überlegt, RTL II News konzeptionell weiterzuentwickeln“, erklärt RTL II-Chefredakteur Matthias Walter im Gespräch. Man wolle die „Generation Social Media“ erreichen und dafür sei Berlin der „beste Standort“. Denn egal ob „Politik, Lifestyle oder Netzwelt und Start-ups, das passiert alles hier“.

Nicht nur in der Zielgruppe, sondern auch im Umgang mit ihr liegt wohl der größte Unterschied zum Schwestersender RTL. Denn ganz anders als bei der dort neuerdings ausgegebenen Trennung von Internet und Fernsehen geht man bei RTL II ins andere Extrem. Dort hat man die Schranken zwischen Fernsehen und Online komplett aufgehoben, Online- und TV-Redaktion sind miteinander verschmolzen.

„Es muss ein echter Dialog zwischen uns und dem Zuschauer geben“, sagt Walter. Junge Zuschauer würden das „vollkommen zu recht erwarten“. Man sei kein „einsamer Verkünder von großen Weisheiten“, sondern arbeite für den Zuschauer. Um das zu bewerkstelligen, betreuen die Reporter ihre Geschichte nicht nur im Fernsehen, sondern auch in den Sozialen Netzwerken und sollen im Idealfall dort direkt mit den Zuschauern in Interaktion treten.

Neben der neuen Ansprache der Zuschauer, die man auch noch auf weitere Soziale Kanäle neben Facebook ausweiten wolle, plant RTL II mit „Klub“ ein neues Lifestyle-Magazin, das ab dem 12. Oktober werktags um 17 Uhr ausgestrahlt wird. Für die Moderatorenbesetzung hat sich RTL II am Nachwuchssender joiz bedient und Julia Jäger abgeworben.

Alles anders also bei der Mediengruppe RTL? Nicht ganz, denn zumindest n-tv hatte in dieser Woche keine großen Nachrichten in eigener Sache zu verkünden. Für den hauseignen Nachrichten-Sender ändert sich erstmal wenig dadurch, dass der neue Standort auch wieder im Herzen des Regierungsviertels liegt. Insgesamt aber hat sich die Mediengruppe breiter aufgestellt: Während RTL das Große Ganze abdeckt und n-tv weiterhin die Nische besetzt, bemüht sich RTL II noch intensiver um die junge Zielgruppe. Anke Schäferkordt fasst das treffend in ihrer Rede zusammen: „Wir informieren die ganze Familie.“

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