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Nachrichtenmagazin Focus zieht nach Berlin und setzt auf Autoren-Netzwerk

Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz, Umzug an den Potsdamer Platz: „Künftig Magazin mit der größten Redaktion in Berlin“
Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz, Umzug an den Potsdamer Platz: "Künftig Magazin mit der größten Redaktion in Berlin"

Der Focus zieht im ersten Halbjahr 2016 weitere Teile der Redaktion in Berlin zusammen. Rund 75 Prozent der Mitarbeiter sollen dann in der Hauptstadt arbeiten. Das teilte der Verlag am Donnerstag mit. In diesem Zuge erhalten 55 Festangestellte eine sogenannte "Änderungskündigung". In München verbleiben die Line Extensions (u.a. Focus Money, Focus Gesundheit) sowie das Digitalteam. Zudem setzt das Magazin künftig stärker auf ein freies Autoren- und Experten-Netzwerk, das von Berlin aus aufgebaut werden soll.

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Im Frühjahr 2014, noch unter dem später geschassten Chefredakteur Jörg Quoos, hatte es einen ersten großen Umzug in den Norden gegeben. Nun soll nach Angaben der Hubert Burda Media die gesamte Heftroduktion des Nachrichtenmagazin in Berlin angesiedelt werden. In München verbleiben aus dem Redaktionsteam maximal zehn Mitarbeiter, Burda betont jedoch, dass dort „die meisten Ressorts weiterhin vertreten sein werden“. Auch die kaufmännische Abteilung ist vom Umzug nicht betroffen, ebenso die Teams von Focus Money, Focus Gesundheit, Focus Diabetes sowie Focus Spezial.

Allerdings trennt sich der Verlag auch von fünf Mitarbeitern. Sie erhalten „Beendigungskündigungen“. Begründet wird die Maßnahme mit der „Weiterentwicklung“ des Heftes durch Chefredakteur Ulrich Reitz. Von den 55 Mitarbeitern, die Änderungskündigungen erhalten, wird erwartet, dass sie in wenigen Monaten den Umzug nach Berlin mitmachen. Wer dazu nicht bereit ist, dürfte ebenfalls eine Kündigung erhalten. Erfahrungsgemäß widersprechen in solchen Fällen eine ganze Reihe von Mitarbeitern den neuen Verträgen, weil sie den Ortswechsel z.B. aufgrund von familiären Bindungen nicht akzeptieren. Wie zu hören ist, sei aber nicht geplant, weitere Stellen abzubauen. Über Neubesetzungen würde dann in Berlin „von Fall zu Fall entschieden“, heißt es.

Mit dem Umzug einher geht eine Konzeptumstellung: Wie es in der Pressemitteilung heißt, bewege sich die Magazinwelt „tendenziell weg vom aktualitätsgetriebenen, hin zum einordnenden, vertiefenden Journalismus“. Daher solle „systematisch ein dezentrales Netzwerk aus rund 50 freien Autoren, Korrespondenten und Experten“ mit einer mehr oder weniger losen Verbindung zur Redaktion aufgebaut werden. Focus Online ist von den Umzugsplänen nicht betroffen und bleibt in München.

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BurdaNews-Geschäftsführer Burkhard Graßmann, der der Belegschaft die Nachricht am Vormittag kommunizierte, begründet den Schritt so: „Nachrichten werden heute längst nicht mehr nur in gedruckter Form verbreitet. Dadurch hat sich die Rolle von aktuellen Magazinen verändert. Auch die Anforderungen an die Arbeitsweise von Journalisten und Redaktionen wandeln sich grundlegend. Diese Redaktionsreform und die weitere Stärkung des Berliner Standorts sind daher als Investitionen in die Zukunft zu verstehen. Wir wollen das Magazin langfristig profitabel und somit journalistisch unabhängig halten – dafür sind diese Veränderungen notwendig. Es ist zudem ein erstrebenswertes Alleinstellungsmerkmal, das Nachrichtenmagazin aus der Hauptstadt zu sein.“

Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz erklärte: „Wir bündeln die Kraft unserer Redaktion. Wir sind künftig das aktuelle Magazin mit der größten Redaktion in Berlin – aber wir bleiben auch das aktuelle Magazin mit der stärksten Vertretung in München. Was für Münchner Kollegen mit Härten verbunden ist, ist für Focus insgesamt richtig. Wir werden von Berlin aus ein deutschlandweites Netzwerk aus Autoren schaffen, das unsere Redaktion beliefert und von ihr gesteuert wird. Damit werden wir unsere Leser In der gewohnten Qualität beliefern können. Wir starten also im Jahr 24 unserer Existenz noch einmal durch. Wir tun es mit Zuversicht und, wie stets, mit journalistischer Leidenschaft.“

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