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Keynote-Vorschau: Apples mediales iTheater mit wenig Überraschungspotenzial

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Apple-Chef Tim Cook: An der Wall Street wieder auf Allzeithochs

Heute um 19 Uhr ist es wieder so weit: Apple präsentiert in San Francisco seine Produkte der kommenden Monate. Während neue iPhones und ein neues Apple TV als gesetzt gelten und inzwischen auch das iPad Pro im Bereich des Möglichen liegt, machen letzte Gerüchte auf Nebenschauplätzen die Runde – die beliebte Twitter-Tochter Periscope könnte etwa auf das neue Apple TV kommen. Vor allem aber ist das Event eine popkulturelle Inszenierung, bei der es längst keine Überraschungen mehr gibt.

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Die Aufregung erreicht für Apple-Fans heute den Siedepunkt: Endlich präsentieren Tim Cook, Phil Schiller, Eddy Cue und Craig Federighi neue Apple-Produkte. Dabei sind auf der Keynote, die um 19 Uhr deutscher Zeit in San Francisco abgehalten wird, dank der unzähligen Leaks, die im Vorfeld kursierten, kaum mehr Überraschungen zu erwarten.

Keynotes, auf denen Steve Jobs als „One more Thing“ mal eben einen zigarettenschachtelgroßen MP3-Player, ein Zentimeter dickes Laptop, vor allem aber ein Smartphone aus dem Ärmel schüttelte, das im Vorfeld niemand auch nur annähernd in diesem Design erwartet hätte, sind so was von vorbei wie die Ära des Apple-Gründers.

Keynote-Neuigkeiten längst bekannt

Auch wenn Tim Cook kurz nach seinem Amtsantritt erklärte, er wolle seine Anstrengungen zur Geheimniskrämerei bei Apples Produktentwicklung nochmals verdoppeln, ist dem Jobs-Nachfolger in seiner bisher vierjährigen Amtszeit wohl nichts mehr misslungen.

Die Leaks, an denen Cupertino am Ende nicht mal ganz unschuldig sein dürfte, haben in den vergangenen Jahren immer mehr an Präzision gewonnen – kein Wunder angesichts einer global vernetzten Zuliefererkette, durch die iPhone-Gehäuse in zweifacher Millionenauflage wandern.

iPhone 6s: Schnelle Taktung, bessere Kamera, Force Touch

Jeder Apple-Fan, der sich auch nur im Entferntesten für das iPhone, iPad und Apple TV interessiert, weiß seit Wochen, was heute auf ihn zukommt: Ja, die neuen iPhones werden 1:1 aussehen wie aktuellen Modelle iPhone 6 und iPhone 6 Plus, sie werden, genau wie in den Vorjahren den Zusatz „s“ im Produktnamen tragen, und sie werden preislich auf demselben Niveau liegen wie die aktuellen Modelle.

Nur unter der Oberfläche hat sich wirklich etwas getan in Form des schnelleren A9-Prozessors und der verbesserten Kamera mit mutmaßlich 12 Megapixel, die allerdings damit immer noch den Branchenstandards (Samsungs Galaxy S6 wird mit 16 Megapixeln ausgeliefert) hinterherhinken dürfte.

Hoffnungsträger Apple TV: Kommt Periscope?

Dann gibt es noch das von Steve Jobs geerbte Hobby Apple TV, das endlich die seit Jahren erwartete Generalüberholung bekommen dürfte, die die Set-Top-Box nach einem Jahrzehnt des Experimentierens zum lang erhofften Gamechanger im Wohnzimmer machen könnte. Die mutmaßlich neuen Features inklusive einer Sprachsteuerung und der Integration eines App Stores kursieren bereits seit Jahresbeginn.

TechCrunch berichtet zudem in einem Last-Minute-Gerücht, dass etwa der boomende Livestreaming-Dienst Periscope als eine der ersten Apps von Drittanbietern auf das neue Apple TV kommen könnte.

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Wild Card iPad Pro – kommt es oder nicht? 

Und dann sind da noch die Gerüchte über das iPad Pro, die in den vergangenen Wochen mit ziemlich viel Selbstvertrauen vom Apple-Blogger Mark Gurman vorgetragen wurden, der auf seinem Blog 9to5Mac täglich immer neue Scoops verbreitet, die allerdings bei alteingesessen Branchenkollegen für einige Irritationen sorgen.

Techreporter-Veteran Philip Elmer DeWitt vom Fortune Magazine bezweifelt offenbar Gurmans Glaubwürdigkeit und legt sich fest, dass das iPad Pro doch erst im Oktober auf einer gesonderten Keynote vorgestellt werden soll – „es sei denn, Apple will uns drei Stunden auf der Keynote halten“.

Mark Gurman bleibt unterdessen bei seiner Hypothese und will wenige Stunden vor der Keynote nun erfahren haben, dass Apples Maxi-Tablet bereits mit 32 GB Speicher und schon ab 799 Dollar startet (gestern war noch die Rede von  einem Einstiegspreis auf MacBook-Niveau). Das iPad Pro wird damit zur einzig echten Unbekannten des Events.

Am Smartphone in der ersten Reihe

So weit, so vorhersehbar. Zu sehen ist der seit Wochen minutiös einstudierte Ankündigungsmarathon mit seinen staatstragenden (Tim Cook), krawalligen (Phil Schiller), lustigen (Craig Federighi) und popkulturellen (Taylor Swift zum Abschluss?) Momenten freilich um 19 Uhr deutscher Zeit in jedem Winkel der Erde – ein Internetanschluss oder ein Smartphone vorausgesetzt.

Techjournalisten, die aus dem Bill Graham Auditorium die frohe Kunde aus dem Apple-Imperium in den Rest der Welt verbreiten, haben heute je nach Auslastung der Apple-Server, tatsächlich noch einen exklusiven Informationsvorsprung von gefühlt 10 bis 20 Sekunden.

Wenn Journalisten zu Fanboys werden

Für Apple und die beteiligten Medien hat die Keynote indes längst einen anderen Charakter – nämlich den einer Klassenfahrt, die zusammenschweißt und vor allem dazu dient, Techjournalisten mit der vermeintlichen Nähe zum Techpionier mental einzunorden, bezahlter Businessclass-Flug und ein buntes Freizeitprogramm drum herum, inklusive.

Fernsehjournalist und Apple-Kenner Richard Gutjahr hat im Vorjahr eindringlich beschrieben, wie die immer größeren Keynote-Veranstaltungen, zu der heute schon 7000 Zuhörer pilgern, für Apple längst zu einem willkommenen Instrument geworden sind, um unterschwellig den redaktionellen Einfluss zu vergrößern. Es soll Journalisten geben, die gar nicht mehr merken, dass sie längst zu willfährigen Komplizen des Apple-Kults gemacht werden.

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