Israelische Botschaft erhebt Vorwürfe gegen den stern: „Auf manipulierte Bilder hereingefallen“

Adi Farjon: Die Sprecherin der israelischen Botschaft kritisiert den stern
Adi Farjon: Die Sprecherin der israelischen Botschaft kritisiert den stern

Medienschelte von einer unerwarteten Seite: Die israelische Botschaft in Berlin wirft dem stern vor, in seiner Rubrik "Bilder der Woche" auf manipulierte Fotos hereingefallen zu sein. "Wer seine Leser wirklich informieren will, hätte die Hintergründe dieses Fotos erklären müssen“, schreibt die Pressesprecherin Adi Farjon in einer Stellungnahme. Die Hamburger weisen die Vorwürfe zurück.

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Auf dem umstrittenen Motiv in der Rubrik „Bilder der Woche“ ist ein israelischer Soldat zu sehen, wie er einen Jungen, der offenbar einen gebrochenen Arm hat, brutal zu Boden drückt und fixiert. Dazu schreibt der stern in einer langen BU, dass der Zwölfjährige Steine auf den Kämpfer geworfen haben soll. Später würden allerdings Videos zeigen, wie Frauen an dem Soldaten zerren, bis er den Jungen loslässt. Weiter heißt es, dass fast jede Woche bei Nabi Salih im Westjordanland die Gewalt eskaliere. „Der Machtkampf setzt sich jetzt auch in der Interpretation der Bilder fort. Die Palästinenser feiern den Jungen wie David, der Goliath niederringt. Israelische Politiker fürchten indessen um die Abschreckungswirkung der Armee“.

DOCDas Bild der Woche aus dem stern

Das umstrittene Foto gehört tatsächlich zu einer Bilderserie. Auf den anderen Fotos, die unter anderem von der Dailymail oder anderen Medien auch veröffentlicht wurden, ist auch zu sehen, wie Frauen an dem Soldaten zerren und ein Mädchen – offenbar die Schwester des Jungen – ihn schmerzhaft in die Hand beißt. Betrachtet man nur dieses Motiv beispielsweise, wirkt der israelische Kämpfer eher wie das Opfer.

Bildschirmfoto 2015-09-08 um 15.14.30Diesen Ausschnitt von der Auseinandersetzung zeigt Camera.org

Nach Meinung der Botschaft ist der stern der Inszenierung einer Familie aufgesessen, die es regelmäßig darauf anlegen würde, sich vor laufenden Kameras öffentlichkeitswirksam als Opfer israelischer Militärgewalt zu inszenieren. In diesem Tenor habe etwa der Guardian oder auch die New York Times schon über die Familie.

„Diese Demonstrationen an Freitagen in Nabi Saleh sind ein Ritual, sie finden regelmäßig statt, teilweise seit Jahren“, schreibt nun Farjon. „Der Ablauf dieser Demonstrationen ähnelt sich stets:  Palästinenser werfen Steine auf israelische Soldaten und die israelischen Soldaten reagieren darauf. In der Regel sind gleich mehrere Fotografen zur Stelle. Der Plan, Bilder für die Medien zu erschaffen, er geht auf.“

Für diese Strategie gibt es sogar einen Begriff: „Pallywood“. Bei diesem Begriff handelt es sich um eine Mischung aus den Wörtern Hollywood und Palästina. Geprägt wurde er durch den US-Professor Richard Landes.

„Wenn es so eingeübtes Schauspiel ist, das uns mit emotionalen Bildern die Methoden der Provokateure, ihren Hass und ihre Ideologie vergessen lassen sollen, dann sollten professionelle Medien ihre Leser zumindest über die Hintergründe aufklären“, schreibt Farjon am Ende ihres Statements. Aber: „All das erklärt der Stern nicht.“ Zudem stellt sie die rhetorische Frage: „Wurde hier sorgfältig recherchiert?“

Der stern meint: ja. Gegenüber MEEDIA kontert eine Sprecherin die Vorwürfe: „Das Foto, auf das Sie sich beziehen, hat der stern von AFP bezogen. Dem stern lag eine ganze Fotoserie vor, die auf uns in keinerlei Hinsicht den Eindruck einer Inszenierung machte. AFP ist eine vertrauensvolle Quelle, die Agentur unterliegt einem strengen Ethik-Kodex. Auf Nachfrage des stern bestätigt der Leiter der AFP-Bildredaktion, dass der Agentur die Diskussion um die Fotoserie bekannt ist. AFP hat dennoch keine Zweifel an der Echtheit der Fotos, da sie den Fotografen sehr gut kennen und seine Arbeit für tadellos halten.“

Auch den Vorwurf einer PR-Inszenierung aufgesessen zu sein, weisen die Hamburger zurück: „Im Begleittext zu dem Foto hat der stern auch die Ereignisse vor und nach dem abgebildeten Moment geschildert und ganz bewusst auf die Ambivalenz der Bilder hingewiesen, die auch als Propagandamittel in diesem Konflikt eingesetzt werden.“

Dieser Fall, wie auch die Darstellungen des toten Jungen von Bodrum, zeigen einmal mehr, dass man die Macht der Bilder nicht unterschätzen sollte. Allerdings beweist dieses Beispiel auch, dass erst die textliche Erklärung dem Foto den entscheidenden Spin und die Einordnung gibt. Erst in Verbindung mit den richtigen Worten entfaltet ein Bild seine wahre Kraft.

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Alle Kommentare

  1. Das Bild erklärt sicher nicht den ganzen Konflikt, aber die Rüge ist lächerlich. Ein schwer Bewaffneter – der zu einer Gruppe gehört – ringt einen Jungen nieder. Ende. Und die Familie „legt es darauf an“ aka „beugt sich nicht dem Besatzungsregiment“.
    Mimosenhaft

  2. Ich würde mir mal dieses, von den Palästinensern selbst in Youtube eingestellte Video zu diesen Standbildern anschauen und dann noch mal über Pallywood nachdenken 😉 Der schwer bewaffnete und grimmig entschlossene junge Soldat (man betrachte sein finsteres Gesicht!), der sich trotz seiner Waffe und Brutalität über Minuten von einem Dutzend Frauen und einem jungen Mädchen schlagen und sogar die Waffe abnehmen lässt, während drumherum palästinensische Männer mit mit Kameras (kann man in einer Einstellung deutlich sehen) die Szene in aller Ruhe filmen und Fotografieren, ohne den Frauen zu helfen. Schon etwas seltsam, oder? Liebe Kollegen, einfach mal etwas recherchieren. Kostet seit Google und Youtube nicht mal viel Zeit 😉

    1. Für echte Recherchen – speziell im Fall Israel – müßte man beim Stern ja echt mal arbeiten und die über Jahre angehäuften anti-israeleischen Vorurteile entsorgen. Aber der Stern doch nicht. Ein weiteres trauriges Beispiel gesteuerter „Berichterstattung“, verdient ja die Bezeichnung nicht. Pallywood war wieder mal erfolgreich bei den Naiven oder anti-jüdischen Medien wie den Stern.

  3. Ich würde mir mal dieses, von den Palästinensern selbst in Youtube eingestellte Video zu diesen Standbildern anschauen und dann noch mal über Pallywood nachdenken 😉 Der schwer bewaffnete und grimmig entschlossene junge Soldat (man betrachte sein finsteres Gesicht!), der sich trotz seiner Waffe und Brutalität über Minuten von einem Dutzend Frauen und einem jungen Mädchen schlagen und beißen lässt, während drumherum palästinensische Männer mit Kameras (kann man in einer Einstellung deutlich sehen) die Szene in aller Ruhe filmen und Fotografieren, ohne den Frauen zu helfen. Schon etwas seltsam, oder? Das Video zu finden hat mich gerade mal drei Minuten gekostet. 😉

  4. Lächerlich ist, dass der Stern so einfach auf diesen Fake hereingefallen ist. Das zeigt, wie die Redaktion arbeitet

  5. vor einige zeit ist ein babi gestorben von einem stein das man geforfen hat aber daruber war kein wort geschriben,das madchen die den soldaten beist hat man auch in andere Bildern gesehen wie sie die soldaten angreift )schreit und manipuliert mit die handen) aber mit das kann man die Zeitung nicht so gut verkaufen eine schande fur die deutsche, wie erstaunlich das die Reportere immer in der Stelle sind un solche Bilder zu eroefentlichen,ein bischen obiektivitaet meine Herren mochte auf dem Platz sein
    die Familie des Madchen ist bekant das sie mehrmahls Soldaten provozieren

  6. Deutsche Medien sind doch echt das letzte. Erst die Ukraine Berichterstattung,
    die Anti- Griechenland Propaganda und jetzt die Israelis so schlecht darzustellen. Die Israelis sollen wenn es nach den Muslimen geht ausgerottet werden. Die deutsche Presse unterstützt das auch noch mit so etwas.

    Langsam dämmert´s mir warum Deutschland (die falsche Schlange) politisch fertig gemacht wird. An alle die noch schlafen, auf Deutschland kommen schwere Zeiten zu.

  7. Das Mädchen ist auf zig Fotos und Videos zu sehen,schon seit Jahren!Die ELtern schicken die Kinder vor,die Fotografen warten auf ein gutes Foto…auf sowas ist nicht mal Göbbels gekommen.

  8. Der Blame geht doch nur zum Teil an den Stern, der wie alle Zeitungen und Magazine Bilder und Texte ungeprüft von Nachrichtenagenturen übernimmt. Viel schlimmer ist doch, dass AFP seit Jahren nicht nur eine sehr einseitige Berichterstattung betreibt sondern auch sehr gern auf Pallywood-Material zurückgreift – ebenso übrigens wie BBC und andere ’seriöse‘ Medienriesen.

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