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Geblockt statt gelöscht: Was machen Facebook und Twitter gegen Hetzer?

Netzwerke wie Facebook oder Twitter werden immer mehr zum Informationsmedium – doch viele Nutzer misstrauen den News aus den Communities
Netzwerke wie Facebook oder Twitter werden immer mehr zum Informationsmedium – doch viele Nutzer misstrauen den News aus den Communities

In den vergangenen Tagen gerieten Facebook und Twitter immer stärker unter Druck, weil die sozialen Netzwerke auf gemeldete Profile mit deutlich rassistischen und zur Gewalt auffordernden Inhalten nicht angemessen reagierten. Vor allem Springer-Journalisten machten die US-Unternehmen auf ihre Verfehlungen aufmerksam. Außer einzelner Löschungen ist aber nicht wirklich etwas erreicht worden.

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Mehrere Tage lang hatte Bild-Chef Kai Diekmann Twitter öffentlich kritisiert, einen Nutzer trotz rassistischer und zur Gewalt aufrufender Inhalte ungestraft weiter machen zu lassen. Dieser hatte sich bei Twitter abfällig über die „Wir helfen“-Aktion des Boulevarblatts geäußert und getwittert, man müsse jedes Auto „abfackeln“, das einen der Aktions-Aufkleber trägt. Ein Tweet, der wegen seines Aufrufs zur Gewalt eigentlich eindeutig gegen das Regelwerk von Twitter verstößt.

Auch Facebook zieht seit Monaten vermehrt den Zorn seiner Nutzer auf sich. Ebenfalls nach eigener Negativ-Erfahrung brachte am Sonntag die B.Z. Facebook auf die Titelseite und bezeichnete dessen Verhalten als „asozial“. Diese hatte mehrfach ein Profil gemeldet, das Texte verschiedener Medien weiterverbreitete und mit rechten Parolen überschrieb. Der einzige Erfolg: Das beanstandete Posting wurde gelöscht, die Seite aber nicht. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Initiator der Facebook-Seite wegen Volksverhetzung.

Der Kritik der eigenen Nutzer hat sich bisher weder Facebook noch Twitter gestellt. Beide hüllen sich in Schweigen und verweisen – wenn überhaupt – auf Nachfragen immer wieder nur auf bereits mehrere Jahre alte und allgemein formulierte Stellungnahmen. Gegenüber Spiegel Online und auch gegenüber MEEDIA erklärte Facebook beispielsweise zum wiederholten Male: „Facebook ist kein Ort für die Verbreitung rassistischer Ansichten.“ Die Mail von der Presseagentur Facebooks kam innerhalb weniger Minuten nach Anfrage. Mitgeliefert wurden u.a. gleich Statements zum Aufruf des Bundesjustizministers Heiko Maas, der Facebook vor einigen Tagen zum Dialog gebeten hat. Danach gefragt hatte MEEDIA nicht.

In seiner standardisierten Mail betont Facebook erneut, dass es eine Plattform sei, „auf der sich Menschen über ein breites Spektrum von politischen Meinungen austauschen“ könnten. „Diskussionen über die gesellschaftlichen Auswirkungen von Rassismus und Rechtsextremismus sind ein wichtiger Teil davon. Inhalte wie Hassrede, Aufruf zur Gewalt oder Gewaltverherrlichung verstoßen jedoch gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook und werden umgehend gelöscht.“

Vielleicht ist das Netzwerk mit den vielen Nutzer-Meldungen – die von „Hunderten von Menschen“, die „speziell für diese Aufgabe“ ausgebildet worden seien, überprüft würden – schlicht und einfach überfordert. Vielleicht hat das Netzwerk so große Angst vor dem Vorwurf der Zensur, dass es dafür einige Hass-Postings in Kauf nimmt.

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Die Gründe, weshalb Facebook und Twitter nicht gezielter und konsequenter gegen Hassbeiträge und die dazugehörigen Nutzer vorgehen, bleiben weitgehend im Verborgenen. Als Hinweis, was für Schwierigkeiten beim Community Management bestünden, liefert Facebook einen Artikel der Wochenzeitung Die Zeit mit, der im Juli dieses Jahres erschienen ist. 

Darüber hinaus, so erklärt Spiegel Online, handele Facebook nach einer eigenen Logik. Es richte sich eher nach den Bedürfnissen der Länder, in denen das Netzwerk noch wachsen wolle. So greife es beispielsweise bei Freizügigkeit härter durch, als es Mittel-Europäer vielleicht nachvollziehen können.

Am Montag feierte Bild-Chef Kai Diekmann bei Twitter seinen Erfolg gegen den Fackel-Nutzer bei Twitter. Das Netzwerk teilte ihm mit, dass man den Account vorübergehend gesperrt habe. Stand heute, ist es aber erst einmal nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Ebenfalls am gestrigen Montag hat Facebook immerhin einige ausgewählte Journalisten zu einem Pressegespräch zum Thema Hatespeech in Berlin geladen. Wichtige Botschaften der Unternehmenssprecherin: „Rassismus hat keinen Platz auf Facebook!“ und „ja, wir haben Fehler gemacht“.

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