„Die Macht der Bilder“: Fotografen-Verband Freelens kritisiert Bild ohne Fotos als „zynisch“

Lutz Fischmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Freelens, kritisiert die Bild-Zeitung.
Lutz Fischmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Freelens, kritisiert die Bild-Zeitung.

Publishing Am heutigen Dienstag liegt die Bild ohne Bilder am Kiosk. Mit dem Verzicht auf Fotomaterial in der gesamten Print-Ausgabe wie auch online (exklusive der Anzeigen) will der Boulevardtitel die "Macht der Bilder" deutlich machen und hat – ganz in seinem Sinne – wieder für Diskussionen gesorgt. Nun melden sich die Fotografen selbst zu Wort.

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Die Bild macht am heutigen Dienstag deutlich, wie ihre Boulvardgeschichten ohne fotografische Gestaltungselemente daherkommen würdem: ganz schön „leer“ nämlich, wie Bild-Chef Kai Diekmann selbst feststellte. Mit der durchaus PR-trächtigen Aktion will das Blatt ein Zeichen in der Diskussion um die Veröffentlichung des Bildes des kleinen Aylan, der tot am türkischen Strand aufgefunden und fotografiert wurde, setzen. Springers Boulevardblatt wirbt intensiv für den Abdruck des „umstrittenen Fotos“. Denn: „Die Welt muss die Wahrheit sehen, um sich zu verändern.“

Eine Meinung, die in der Branche sicherlich reichlich Unterstützer findet, die „Die Macht der Bilder“ auch zu schätzen wissen. Stellt die Bild-Zeitung in dieser Woche ihre Bedeutung in den Vordergrund, so verdrängt sie offenbar aber auch die Kehrseite der Medaille. Denn wie bei der schreibenden Zunft, hat der Medienwandel auch das Geschäft der Fotografen erheblich schwieriger gemacht, wie Lutz Fischmann, Geschäftsführer der Fotografen-Verband Freelens, gegenüber MEEDIA ins Gedächtnis ruft. „Wenn die Bild-Zeitung in einer gesamten Ausgabe ohne Fotos daherkommt und die ‚Macht der Bilder‘ deutlich machen will, ist das aus unserer Perspektive zynisch“, so Fischmann weiter. „Der Axel-Springer-Konzern bietet seit 2007 nur noch so genannte Buy-Out-Verträge an, in denen die Fotografen alle Nutzungsrechte für immer einräumen müssen. Ihre Fotos dürfen in allen Medien oder beispielsweise für Werbung verwendet werden – ohne zusätzliche Honorierung. Das schadet natürlich den Fotografen, die allein von den Abdruckhonoraren nicht mehr leben können“, so die Kritik von Freelens. Gleichzeitig sei der Fotomarkt mit einem Angebot von „über einer Milliarde Fotos allein im deutschsprachigen Raum mehr als gesättigt“. Die Folge: „extreme Niedrigpreise bis zu einem Euro pro gedrucktem Foto“, so Fischmann.

Zwar sei die Bild-Zeitung noch ein Blatt, das „großen Wert auf starke, exklusive Bilder“ lege und auch versuche auf jedes Foto der Welt zugreifen zu können. Allerdings würden die Fotografen, die diese Fotos liefern, nicht „entsprechend“ honoriert.

In einem Blog-Eintrag des Verbandes wird Fischmann noch deutlicher. Springer habe sich 2007 bei den neuen Verträgen ebenfalls von den Fotografen unterschreiben lassen, „dass das einmalige Honorar angemessen ist – egal, was Springer mit den Fotos jetzt und in Zukunft anstellt“. In seinem Schreiben wendet er sich auch direkt an Chefredakteur Diekmann: „Bild wäre nicht Bild, wenn Sie es nicht hinbekämen, zuerst den Fotografen zu ohrfeigen, um sich dann zu verneigen – vor der Kraft der Bilder.“ Gleichzeitig unterbreitet Fischmann einen Alternativvorschlag, der auch mehrfach bei Twitter geäußert wurde: „Lassen Sie doch bitte auch mal den Text weg in Ihren Bild-Ausgaben. Vielleicht sogar mal für eine Woche oder länger?“

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Alle Kommentare

  1. Nicht zu akzeptieren. Fast Betrug am Käufer der für eine nutzlose Boulevardzeitung viel Geld bezahlen muß
    Aber viele Bilder über Werbung ( Mercedes, Telekom, Lidl, Sexinserate, MC Donalds, ) die bringen ja Geld. Warum verzichtet man auch hier nicht auf Bilder und macht nur Text und Preis. Auch diese Bilder haben eine „“““ Macht“““.
    Nach 40 Jahren Bild lesen bin ich entsetzt. Es gibt immer ein pro und contra.
    Sachlich und fair bleiben. Bild lesen mit gewisser Einschätzung. Es ist und bleibt Boulevard.
    Weiterhin Bilder drucken. Jeder muss wissen was er für eine Zeitung liest, die eben auf spektakuläre Sachen steht und Effekthascherei.

  2. Bild Zeitung ohne Bild ist nur Zeitung, meiner Meinung abzocke am Kunden, weil sich am Preis nichts geändert hat.
    Ich hab reagiert, seit dem keine BILD Zeitung mehr, mit oder ohne Bild.

  3. …ich hoffe, es wird einmal eine Gesellschaft geben, die ganz ohne Medien wie die Bildzeitung auskommt…aber das würde einen großen Sprung in der Entwicklung der Menschheit vorraussetzen…..

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