Skepsis der Wall Street vor der iPhone 6s-Keynote hoch wie nie

Apple CEO Tim Cook, Nachfolger des iPhone 6: Analysten arwöhnen, dass die Ausbaustufe „6s“ kein so großer Verkaufshit wird wie das Vorgängermodell
Apple CEO Tim Cook, Nachfolger des iPhone 6: Analysten arwöhnen, dass die Ausbaustufe "6s" kein so großer Verkaufshit wird wie das Vorgängermodell

Alle Augen auf Apple: Diesen Mittwoch ist es endlich so weit – neue iPhones, ein neues Apple TV und wohl sogar das iPad Pro dürfte Tim Cook auf der mit Spannung erwarteten Keynote vorstellen. Während Fanboys und -girls die Stunden bis zum großen Event am Mittwoch um 19 Uhr herunterzählen, wächst an der Wall Street die Sorge, dass die Erwartungen an Apple wieder einmal zu groß sein könnten. Die Aktie bleibt stark unter Druck.

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Es ist ein Novum: Erstmals seit Einführung des iPhones 2007 tendieren die Aktien von Apple im Monat vor der mit Spannung erwarteten Keynote wieder im Minus, wie Analyst Walter Piecyk von der Investmentbank BTGI herausgearbeitet hat. Von der viel beschworenen Vorfreude, die tausende Apple-Fans in der Woche darauf wieder zum nächtelangen Campieren vor die Apple Stores treiben wird, ist zumindest an der Wall Street anno 2015 nichts zu spüren.

Im Gegenteil: Investoren gehen in Deckung und wetten seit Wochen aggressiv gegen das wertvollste Unternehmen der Welt. Seit Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen Ende Juli ist in der Apple-Aktie der Wurm drin – die Anteilsscheine des iKonzerns stürzen wie Fallobst. Von 133 Dollar ging bis vergangenen Freitag auf 109 Dollar nach unten – ein Minus von 18 Prozent in nur 6 Wochen. Auch seit Jahresbeginn hat Apple Anlegern Verluste bereitet.

„Höchst fragwürdig, ob das iPhone im nächsten Jahr noch wachsen kann“

Den Kursverfall mit der negativen Gesamtstimmung an den Weltbörsen zu erklären, greift zu kurz – die Apple-Aktie hat in den letzten zwei Monaten stärker verloren als Vergleichsindizes wie der Dow Jones oder S&P 500.   Tatsächlich sind Analysten immer besorgter, dass die siebenjährige Erfolgsserie mit dem iPhone 6s auslaufen und das Wachstum zu Ende gehen könnte.

„Es ist höchst fragwürdig, ob das iPhone im nächsten Jahr noch wachsen kann“, spricht der renommierte Analyst Toni Sacconaghi von Bernstein Research gegenüber dem Finanzportal Marketwatch aus, was die Wall Street in den vergangenen Wochen begonnen hat einzupreisen. „An den Marktrealitäten kommt Apple nicht vorbei“, formuliert Sacconaghi die unbequeme Hypothese.

Tim Cook versucht, Zweifel zu zerstreuen

Angesichts der enormen Abhängigkeit vom Kultsmartphone aus Cupertino, das inzwischen bereits für 80 Prozent der Gewinne verantwortlich ist, wird schnell klar, dass das erste Negativwachstum in der Geschichte des iPhones von Aktionären nicht verziehen werden würde.

Mit entsprechendem Nachdruck versucht Apple-CEO Tim Cook seit Monaten die Wachstumszweifel immer wieder zu zerstreuen. „Wir glauben, dass das iPhone weiter viel Potenzial besitzt. Und damit meine ich viele, viele, viele Jahre“, trichterte Cook Analysten in der Bilanzpressekonferenz Ende Juli ein.

Wall Street schielt gebannt auf erste Verkaufszahlen vom Startwochenende

Einen Monat später griff der Apple-Chef angesichts der Verwerfungen an den chinesischen Aktienmärkten zu einem höchst ungewöhnlichen – und fragwürdigen – Mittel: Er kommentierte Apples Geschäftsentwicklung im asiatischen Riesenreich mitten im Quartal in einer Email an CNBC-Marktkommentator James Cramer.

In zwei Tagen wird Cook auf der Bühne des Bill Graham Civic Auditoriums den neuen Modellen iPhone 6s und iPhone 6s Plus mutmaßlich etliche Superlative hinterherschicken. Die Wall Street dürfte sich weit mehr für die ersten Verkaufs-Indikatoren am Startwochenende interessieren: Kann Apple hier nicht die 10-Millionen-Marke aus dem Vorjahr toppen, hat Tim Cook ein Problem.

Bemüht man die Geschichte, müssen sich Apple-Aktionäre mit einer Fortsetzung der Talfahrt auseinandersetzen: In fünf der acht Jahre seit 2007 fiel die Apple-Aktie im Monat nach der Vorstellung des neuen iPhones zurück.

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