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„Lange Nacht der Start-ups“: auf Tuchfühlung mit den Helden von morgen

Selbst-Präsentation beim Start-up-Event der Telekom und der ewige Gründertraum: „Investoren treffen, Marke weltweit ausbauen“
Selbst-Präsentation beim Start-up-Event der Telekom und der ewige Gründertraum: "Investoren treffen, Marke weltweit ausbauen"

Die Lange Nacht der Start-ups will beides: Die großen Massen begeistern und das Fachpublikum ansprechen. So ganz gelingt das nicht, wie ein Besuch auf der Veranstaltung zeigt. Ein Streifzug durch ein Sammelsurium von 160 Jung-Unternehmen, die um Beachtung und vor allem Investoren buhlen.

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Die Nacht ist das halbe Leben und zwar die schönste Hälfte – so stand es schon bei Goethe. Am gestrigen Samstag lud die Telekom mit einer großen Anzahl weiterer Partner zum dritten Mal zur „Langen Nacht der Startups“, laut eigener Aussage „Europas größtes Start-up Event“. Der ehrlichere Titel für die Veranstaltung wäre aber wohl „Der lange Tag der Start-ups“ gewesen, denn schon in aller Früh ging es los, der offizielle Teil endete um Mitternacht, danach wurde noch gefeiert.

Über 160 Start-ups beteiligten sich an der Veranstaltung, die an vier verschiedenen Standorten in Berlin stattfand. Den Auftakt machte eine Konferenz im Ludwig-Erhard-Haus, die von 8 Uhr 30 bis knapp 17 Uhr dauerte und nahtlos in die „Lange Nacht“ überging. Neben dem Ludwig-Erhard-Haus fand diese noch am Hauptveranstaltungsort der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom sowie – neu hinzugekommen – im „Microsoft Venture Artrium“ und im „Volkswagen Financial Drive“ statt.

Schon die verschiedenen Veranstaltungsorte – darunter allein drei Dependancen von Großkonzernen – deutete den Trend der Veranstaltung an: Die Konzerne interessieren sich immer mehr für Start-ups.

Die Konferenz: Konzerne gehen auf Tuchfühlung mit Start-ups

Anders als die „Lange Nacht“ ab 17 Uhr richtete sich die Konferenz ausschließlich ans Fachpublikum. Schon beim Blick aufs Programm wurde deutlich: Hier soll es darum gehen, Unternehmen, Investoren und Start-ups zusammen zu bringen. In drei parallel stattfindenden Panels erwartete den Besucher Hilfe beim Gründen von Start-ups (Starter Stream), der Dialog mit den Großunternehmen (Partnering stream) und alles was nicht in eine dieser beiden Kategorien gepasst hat (Advanced stream).

Dementsprechend waren die Vorträge und Diskussionen oft sehr speziell, aber durchaus recht interessant. Einziges Manko: Die gesamte Konferenz fand auf Englisch statt, was bei erstaunlich vielen Teilnehmern für Probleme sorgte. Gerade dann, wenn in den Diskussionsrunden das Englisch-Niveau sehr unterschiedlich war, minderte das auch die Qualität des Austausches.

Highlights der Konferenz waren zum einen der Talk von Panos Meyer von Twitter, der die Geschichte erzählte, wie er die Vielflieger-App „flying“ entwickelte und dabei immer wieder vom eigenen Scheitern profitierte. Ebenso sehenswert war das „Female tech panel“, das sich der Frage widmete, wie es um Frauen in der Start-up-Szene bestellt ist – wenn es auch nicht ohne die Wiederholung des ein oder anderen Klischees à la „Frauen sind einfach emotionaler“ auskam.

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Neben vielen Unternehmen aus der Tech-Branche waren sogar einige fachfremde Unternehmen vertreten, wie zum Beispiel Coca Cola oder RWE. Auf die Frage, warum sie teilnehmen würden, fiel immer eine ähnlich klingende Antwort wie: „Wir müssen endlich was tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben“. Ein Trend, den auch Verena Vellmer sieht, die die Konferenz organisiert hat: „Die Konzerne und der Mittelstand öffnen sich immer mehr in Richtung der Start-up-Szene und kommen ins Öko-System.“ Es gehe gar nicht anders: „Start-ups und Konzerne müssen schneller und enger zusammen arbeiten“.

Das „Lange Nacht“: Für die Masse oder für die Experten?

Ein großer Kontrast zur Konferenz stellte das Hauptprogramm ab 17 Uhr da. Dort bot sich den 3.000 Besuchern, die längst nicht alle Teil der Start-up-Szene waren, ein klassisches Berliner Event. Neben den 160 Start-ups, die sich an Ständen präsentierten, gab es ein Live-Programm mit Musik, Wettbewerben und Diskussionsrunden. Im Ludwig-Erhard-Haus wurden weiter vor allem die Gründer mit Programm-Punkten wie Speeddating für das Treffen von Investoren oder Unternehmen angesprochen, an den drei anderen Orten hauptsächlich die breite Masse. Die Hauptattraktion des Abends, die Start-ups, waren über alle vier Standorte verteilt, wenngleich sich die meisten Stände in der Telekom-Repräsentanz befanden.

Vom Prinzip her gab es zwei verschiedene Arten von Ständen: Jene, wo man das Produkt ausprobieren bzw. probieren konnte, wie bei der Berliner Craft-Beer-Brauerei BRLO. Gründerin und Geschäftsführerin Katharina Kurz versprach sich von der „Langen Nacht“: „Wir wollen unsere Produkte dem Endverbraucher vorstellen, aber auch Kontakte in die Start-up-Szene knüpfen.“ Vor allem sei es ihr wichtig, die Biere auch mal „außerhalb der Craft-Beer-Szene“ vorzustellen. Das genaue Gegenteil davon waren die Start-ups, deren Produkt digital ist, und die deswegen anders um Aufmerksamkeit buhlen mussten.

So zum Beispiel die Macher von „Sound of Games“, die Musik für Computer-Spiele produzieren und durch ein latent albernes Outfit und Stand-Design bei den Besuchern trumpfen wollten. Im Gespräch mit „Sound of Games“ wurde zudem ein weiteres Problem der „Langen Nacht der Start-ups“ deutlich. Obwohl die Veranstaltung ganz klar eine Massenveranstaltung war, interessierte sich eine Vielzahl der präsentierenden Start-ups vor allem am Austausch mit Investoren oder anderen Branchen. So sagte Michael Stoeckemann von „Sound of Games“: „Wir erwarten, dass wir Investoren treffen, damit wir weltweit unsere Marke ausbauen, vor allem in Asien und den USA.“

Diese Zwitter-Rolle der Veranstaltung war überall spür- und erkennbar. Stände, wo Anfassen und Probieren möglich war, konnten sich kaum vor Aufmerksamkeit retten. An anderen sah man oft unmotivierte Gründer, die mit einer Dose Kekse oder ein paar Limonade-Flaschen lockten, in der Hoffnung, dass sie vielleicht doch noch jemand anspricht. Allerdings: Investoren lassen sich kaum mit Werbegeschenken oder Outfits ansprechen.

Und wenn auch der offizielle Teil der Veranstaltung vorbei war, bevor die Nacht so richtig begonnen hatte, haben sie mit dem informellen Teil der Veranstaltung, der bis nach Mitternacht dauerte, dann doch noch auf Goethe gehört: „Singet nicht in Trauertönen | Von der Einsamkeit der Nacht | Nein, sie ist, o holde Schönen | Zur Geselligkeit gemacht“.

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Alle Kommentare

  1. Die Lange Nacht der Startups war wirklich eine sehr gelungene Veranstaltung, welche Blue Chip Unternehmen erfolgreich mit Startups zusammenbringt! Mit Shopboostr bedanken wir uns sehr bei der Telekom sowie Tim Höttges höchstpersönlich für den 1.Platz beim #Telekom #InnovationContest!

    Dimitri Haußmann
    http://www.shopboostr.de

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