Was Kai Diekmann damals wirklich in Korea wollte

Waddehaddeduddeda?
Waddehaddeduddeda?

Kai Diekmanns Korea-Reisen ergeben rückblickend einen Sinn. Instant Articles laufen unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit. Carolin Kebekus macht alte Witze. Bei DuMont setzen sie auf einen Trauer-Klecks und der neue Twitter-Trendsport heißt Public Conferencing. Der MEEDIA-Wochenrückblick!

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Das war ja eine schöne Überraschung, dass Jan-Eric Peters den Chefsessel bei der Welt eintauscht gegen den Posten als Chief Product Officer beim niegelnagelneuen Springer-Samsung Newsaggregator Upday. Jetzt ergeben plötzlich auch die Reisen von Bild-Chef und Springer-Digital-Evangelist Kai Diekmann nach Korea rückblickend plötzlich Sinn. Gemeinsam mit dem jetzigen Upday-CEO Peter Würtenberger und Technikleuten bereiste Diekmann 2014 die Samsung-Heimat Südkorea.Ganz oben auf der Agenda stand damals schon der Austausch mit Samsung.Vorher schon drückte er sich auf einer Samsung-Entwickler-Konferenz in den USA rum.

Ha! Jetzt wissen wir auch, was damals ausgeheckt wurde. Die Vermutung liegt nahe, dass damals die ersten Ideen für Upday entwickelt wurden. Und zwar handgemalt:

Was mich zur Frage bringt: Müssen die Springer-Leute jetzt alle ihre schönen iPhones wegschmeißen und sich Samsung-Dinger zulegen? Oder immer mit zwei Smartphones rumlaufen? Hat da in Berlin eigentlich schon mal jemand über die Folgen nachgedacht?

Haben Sie in jüngster Zeit mal einen Instant Article gesehen? Ne? Ich auch nicht. Dabei sind die fleißigen Leute bei Bild und beim Spiegel angeblich wie wild dabei, jeden Tag mehrere dieser supermodernen Facebook-Bling-Bling-Dinger über ihre iPhone-Apps “auszuspielen”, wie das in Fachkreisen heißt. Sehen darf die Instant Articles aber nur ein bestimmter Kreis von Testnutzern. Wer das ist und was das soll? Keine Ahnung. Ein wenig schräg ist es aber schon, wenn der Spiegel diese Woche eine stolze Pressemitteilung raushaut, dass jetzt der erste Instant Article mit Weltrumfahrt und allem Piff und Paff gelauncht wurde. Und wenn man dann guckt und klickt, landet man wieder bloß unsanft auf der stinknormalen Website.

Meine deutsche Lieblingskomikern Carolin Kebekus hat der Brigitte ein Interview gegeben. Ich mag die Kebekus’sche ja nun wirklich und ich habe auch nix gegen die Tante Brigidde –  tief luftholen – aaaber: Liebe Frau Kebekus, müssen Sie im aktuellen Brigitte-Interview exakt dieselben Sprüche und Witze machen (“Masturbation? Was ist denn das für ein Wort?”), die Sie schon in zig Talkshow, ihrem Bühnenprogramm, ihrer RTL-Show und gefühlt auch in 100 Print-Interviews zum Besten gegeben haben? Und, liebe Brigitte-Leute, müsst ihr die zwar guten aber eben auch gut abgehangenen Gags dann auch nochmal per Pressemitteilung raushauen?

Was würden Sie machen, wenn Sie sich mit einem neuen Medium an Kinder wenden wollten? Eine App? Eine Facebook-Seite? Einen YouTube-Kanal? Eine Website? Oder vielleicht doch lieber eine gedruckte Zeitung mit einem traurigen Farbklecks als Maskottchen? Jetzt raten Sie mal, für welche Möglichkeit sich die Leute bei DuMont in Köln entschieden haben:

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Der Trauer-Klecks heißt Duda, genau wie die neue Kinderzeitung des Kölner Stadt-Anzeigers. Aber: Bitte keine Unkenrufe! Kinder finden Duda nämlich dufte. Das kann man auf der dazugehörigen Website nachlesen. Da sagen Grundschulkinder Sachen wie:

Als ich Duda durchgeblättert habe, konnte ich mich gar nicht entscheiden, was ich als erstes lesen will. Weil wir im Unterricht nur kurz Zeit dazu hatten, habe ich es dann nur geschafft einen Artikel zu lesen. Was mir richtig gut gefällt, ist der Kinder-Steckbrief. Meine Eltern lesen beim Frühstück auch oft Zeitung. Deswegen finde ich es toll, dass es jetzt eine Zeitung nur für Kinder gibt.

Na, das klingt doch überhaupt nicht gestellt oder Kindern in den Mund gelegt. Das ist doch sowas von total authentisch. Übrigens noch was: Liebe Verleger-Onkels, ihr müsst euch gar keine Sorgen machen. Gedruckten Tageszeitungen gehört die Zukunft. Doch, doch. Ganz sicher!

Neuer Twitter-Trendsport: Public Conferencing! Gucken sie mal hier, der neue Konfi der Sport-Bild:

Und so gemütlich, aber trotzdem natürlich hyper-intellektuell, geht es bei der Zeit-Feuilleton-Konferenz zu:

Bei solchen Konferenzen kommen dann Titelthemen bei raus wie diese Woche: “Was man nicht mehr sagen darf – Trauen Sie sich noch, auszusprechen, was Sie wirklich denken? Ein paar Handreichungen gegen den Gesinnungsterror”

Die Themen in der neuen ZEIT:TITEL/FEUILLETON: Was man nicht mehr sagen darf – Trauen Sie sich noch, auszusprechen, was Sie wirklich denken? Ein paar Handreichungen gegen den GesinnungsterrorDOSSIER: Der Straßenkampf – Wunder im Autoland: Deutschlands Metropolen wollen sich in Fahrradstädte verwandeln. Zwischen Auto- und Radfahrern ist ein Krieg entbrannt, in dem Blut und Spucke fließen. Wer erobert die Macht auf dem Asphalt? WIRTSCHAFT: Heute Flüchtling, morgen Arbeitsloser? Viele Asylbewerber suchen einen Job – und deutsche Firmen zusätzliche Kräfte. Doch die Hindernisse zwischen beiden Seiten sind gewaltig. NochWISSEN: Wir fahren Auto-Auto – In England wird erforscht, wie gut Mensch und Maschine sich auf der Straße vertragen. Und siehe da: Autonome Fahrzeuge werden uns überraschende Probleme bringenZEITmagazin: Eine magische Beziehung – Liebeserklärungen an den Kleiderschrank. Ein ModeheftREISEN: Trend zur Dauerwelle – Surfen ohne Meer, auf künstlichen Wogen: Wo bleibt da der Kick? Julis Schphoff testet im walisischen Dolgarrog den weltweit ersten WavegardenCHANCEN: Sagt uns, wie es euch geht – Wer in der Wissenschaft Karriere machen will, dem drohen viel Arbeit, wenig Geld und eine unsichere Zukunft. Wir wollen von Doktoranden und Postdocs wissen: Wie sieht die Situation wirklich aus?(Am Kiosk oder hier digital: www.zeit.de/die-zeit-diese-woche)

Posted by DIE ZEIT on Freitag, 4. September 2015

“Gesinnungsterror”? Gleich nochmal nachgucken: doch, es ist wirklich die Zeit. Offenbar täuscht das Friede-Freude-Eierkuchen-Konferenz-Bildchen. In Wahrheit sind die Zeit-Feuilletonisten ganz schön auf Krawall gebürstet. Dafür hat der Zeit-Promi-Blattkritiker in dieser Woche, Wigald Boning, eine schöne Erklärung für die rausgestreckte Zunge auf dem Titel:

Ich wünsche allseits ein kuscheliges Wochenende, ganz ohne Gesinnungs- oder sonstigen Terror!

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Alle Kommentare

  1. Brillante Kolumne. Messerscharf analysiert – und verdammt komisch.

    Danke für den schönen Ausklang der Woche!

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