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Stefan Aust als erfolgreicher Welt-Chefredakteur? Das spricht dafür, das spricht dagegen

Stefan Aust: zurück auf der Kommandobrücke
Stefan Aust: zurück auf der Kommandobrücke

Die Berufung von Stefan Aust zum Chefredakteur der Welt war für die Allermeisten in der Branche eine faustdicke Überraschung. Der alte Kämpe hat das Zeug, für frischen Wind bei der Welt und N24 zu sorgen. Aber seine Berufung birgt auch Risiken. MEEDIA vergleicht, was für und gegen den Erfolg des Stefan Aust bei der Welt spricht.

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5 Gründe für Stefan Austs Erfolg als Welt-Chefredakteur

1. Stefan Aust kann die Integration von Welt und N24 vorantreiben

Aust ist passionierter Print- und passionierter TV-Mann. Als ehemaliger Gesellschafter von N24 kennt er den News-Kanal zudem aus dem Effeff. Aust ist genau der richtige Mann, um die beiden Kulturen von Welt und N24 unter dem einheitlichen Markendach Welt zusammenzuführen. Auch wenn das alles andere als leicht wird (siehe unten).

2. Stefan Aust kann das publizistische Profil der Welt schärfen

Aust ist als Journalist ein Political Animal – mehr als sein Vorgänger Jan-Eric Peters. Von Aust wird man erwarten dürfen, dass er noch immer den Ehrgeiz hat, mit politischen Scoops für Aufsehen zu sorgen. Ihm wird außerdem nachgesagt, dass er seinem Ex-Arbeitgeber Spiegel gerne noch einmal zeigen würde, was er – Aust – unter politischem Journalismus versteht. Jetzt hat er alle Mittel dazu in der Hand. Zumal es heißt, er habe einen direkten Draht zu CEO Mathias Döpfner und Verlegerin Friede Springer.

3. Stefan Aust hat gute Kontakte und kann weitere Top-Journalisten an die Welt binden

Von Aust kann man auch erwarten, dass er sein Netzwerk aktiviert und namhafte Leute für die Welt anheuert. Vielleicht auch solche, die wie er eine Spiegel-Vergangenheit haben? Zu seinen vornehmsten Aufgaben wird es außerdem gehören, einen Nachfolger zu installieren. Mit seinem Alter von 69 Jahren und seinem Lebenswerk kann Aust es sich leisten, einen starken Nachfolger aufzubauen.

4. Stefan Aust hat ein fertiges Magazin-Konzept in der Schublade

Austs großer Traum, seit er beim Spiegel weg ist, ist ein neuartiges Hybrid-News-Magazin. Unter dem Titel “Woche” hat er das Magazin, das Print, Digital und TV vereinen sollte, bereits fertig entwickelt. Ursprünglich wollte er es zusammen mit der WAZ Gruppe (heute: Funke Gruppe) und Springer realisieren, beide Verlage stiegen damals wegen “fehlender Marktperspektiven” aus. Gut möglich, dass man das jetzt anders bewertet. Mit der Welt hätte Aust alle medialen Möglichkeiten für einen neuen Anlauf zur Verfügung. Und: Die Welt hat sich als Vehikel für ambitionierte Magazin-Beilagen (Bilanz, Blau) bereits bewährt.

5. Stefan Aust ist ein charismatischer und starker Chef

Während sein Vorgänger Jan-Eric Peters eher als Moderator und Manager auftrat, ist Aust ein Chefredakteur der alten Schule: hart, brillant aber auch despotisch. Einer wie Aust hat das Zeug, aus der Welt und ihren Mitarbeitern publizistisch das Beste herauszuholen. Aust hat in seinem Journalistenleben bereits alles erreicht, ist finanziell abgesichert. Dass er sich erneut auf die Kommandobrücke begibt zeigt, dass er wirklich Lust darauf hat, noch einmal am großen Rad zu drehen. Das könnte für den einen oder anderen in der Redaktion unbequem werden, dem Produkt aber dürfte dies nützen.

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5 Gründe gegen Stefan Austs Erfolg als Welt-Chefredakteur

1. Stefan Aust gilt als schwieriger Chef

Heute noch werden sie beim Spiegel nervös, wenn der Name Stefan Aust fällt. Aust (“Der Putin von der Brandstwiete”, Hans Leyendecker über den früheren Spiegel-Chef) hatte den Ego-Club beim Spiegel im eisernen Griff, wie kaum ein Chefredakteur vor ihm. Aber: Ein solch autoritärer Führungsstil passt nicht mehr in die heutige Zeit, in der Netzwerker-Qualitäten und Redaktionsmanager gefragt sind. Aust muss den Putin in sich zügeln, will er bei der Welt Erfolg haben.

2. Stefan Aust ist kein ausgewiesener Mann fürs Digitale

Aust kann Print, Aust kann TV. Durch Digital-Expertise ist er bislang noch nicht aufgefallen. Den Aufbau von Spiegel Online haben damals andere für ihn erledigt, vor allem der prägende SpOn-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron. Ob Austs Digitalpläne für sein Magazinprojekt “Woche” funktioniert hätten, wurde nie einem Praxistest unterzogen. Aus Debatten in Sozialen Netzwerken hält er sich – anders als sein Welt-Vorgänger Peters – weitgehend raus. Das Verständnis fürs Digitale ist gerade bei der Medienmarke Welt aber extrem wichtig. Hier wird auch viel davon abhängen, ob sich Aust mit den richtigen Ratgebern umgibt (und auf sie hört).

3. Stefan Aust ist ein Chefredakteur auf Abruf

Mit 69 Jahren ist klar, dass Aust kein Chef auf Dauer ist. Er ist ein Welt-Chefredakteur für eine Übergangszeit. Das birgt Chancen (siehe oben) aber auch Risiken. Nutzt Aust die Zeit, um einen starken Nachfolger aufzubauen oder für Machtspielchen mit seinem Ex-Arbeitgeber? Von der Beantwortung dieser Frage wird die Bewertung der Zwischen-Ära Aust bei der Welt einmal zu großen Teilen abhängen. Beim Spiegel hat er schon einmal gezeigt, dass es nicht zu seinen größten Qualifikationen gehört, Nachfolger aufzubauen. Das Nachrichtenmagazin hat in der Folge lange am Machtvakuum nach der Ära Aust gelitten. Nun muss er zeigen, dass er es besser kann.

4. Stefan Aust übernimmt mit der Welt eine Marke, die auch Probleme hat

Springer und vor allem auch Jan-Eric Peters haben es verstanden, die Welt-Story in der jüngeren Zeit als lupenreine Digitale Erfolgsgeschichte zu erzählen: ein moderner Newsroom, der weltweit kopiert wird, Online-to-Print, modernste Produktionsbedingungen etc. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Welt nach wie vor Probleme auf der Erlösseite hat. Die Zahl der Digital-Abonnenten bei der Welt ist um ein Vielfaches geringer als bei der Bild. Die gedruckte Zeitung hat an Bedeutung und Auflage verloren (die Welt am Sonntag muss man hier teilweise ausklammern). Nur von Top-Platzierungen in Social-Media-Rankings, Preisen und einer exzellenten PR kommt noch kein wirtschaftlich nachhaltiger Erfolg. Dies könnte Austs schwierigste Aufgabe sein.

5. Stefan Aust hat mit N24 eine alte Baustelle geerbt

2010 übernahm Aust gemeinsam mit Torsten Rossmann den Nachrichtensender N24 von der ProSiebenSat.1 Gruppe. Der Verkaufspreis lag damals Berichten zufolge bei sehr schmalen 25.000 Euro, dazu spendierte P7S1 noch Restrukturierungskosten. ProSieben-CEO Thomas Ebeling wollte den Klotz N24 um jeden Preis loswerden. Nachrichtenproduktion erachtet er als zu teuer und zu wenig lukrativ. Auch seither kämpft N24 mit der Wirtschaftlichkeit. Zwar soll der Sender offiziellen Angaben zufolge stets schwarze Zahlen geschrieben haben – ein Hort der Profitabilität war er aber wohl auch nie. 2010 schlug dann Springer zu und kaufte Aust, Rossmann und deren Investoren N24 ab. Seither wird die Integration mit der Welt betrieben, sogar der Name N24 fällt bald weg. Der Nachweis aber, dass die beiden komplett unterschiedlichen Kulturen des TV-Kanals und der Zeitungsgruppe zum Gewinn beider Seiten zusammengeführt werden können, der muss noch erbracht werden. Und hier ist nun wieder Aust am Zug. Ob es ihm gelingt, ist alles andere als sicher.

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Alle Kommentare

  1. Es wäre an der Zeit das Herr Aust eine Frau als Nachfolgerin aufbaut. Weibliche Führungskräfte haben schon vielerorts unter beweis gestellt das Sie führen können (AOL, DuMont etc.). Besonders das Zusammenbringen von Online und Print kann frau besser machen als es bisher der Fall war.

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