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Jochen Schropp und Christopher Lesko über das TV-Experiment „Plötzlich Krieg“: „Mein Gott, was muten wir den Teilnehmern hier zu?“

Moderator Jochen Schropp, Experiment-Verantwortlicher Christopher Lesko: fünf Tage Ausnahmezustand in der „Schaltzentrale“
Moderator Jochen Schropp, Experiment-Verantwortlicher Christopher Lesko: fünf Tage Ausnahmezustand in der "Schaltzentrale"

Mit dem neuen TV-Format "Plötzlich Krieg? – Ein Experiment" hat ZDFneo einen ambitionierten Feldversuch gestartet, bei dem zwölf Teilnehmer in zwei Gruppen gezielt in eine kriegsähnliche Auseinandersetzung gesteuert werden. Im MEEDIA-Interview sprechen Moderator Jochen Schropp und Experiment-Leiter Christopher Lesko über Emotionen, drohenden Kontrollverlust und die Erkenntnis, dass "Frieden schwerer ist als Krieg".

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Herr Lesko, Herr Schropp, was war für Sie der emotionalste Moment des Experiments?

Christopher Lesko: Es gab viele emotionale Momente, für mich etwa während des letzten Spiels, des „Gemetzels“: Jochen moderierte auf der Show-Bühne, ich saß 500 Meter weit weg hinter den Monitoren in der Schaltzentrale. Trotz dieser Entfernung sind wir zur selben Zeit beide traurig geworden; wir sahen die Situation aus völlig verschiedenen Rollen und spürten über die Entfernung hinweg Berührung, die für mich mit der Frage verbunden war: Mein Gott, was muten wir den Teilnehmern hier zu? Das „Gemetzel“, auch ein Symptom von Leid in Kriegen, ließ mich da innerlich hineingreifen, und so habe ich mich auch gefühlt: plötzlich traurig und sehr nah bei unseren Teilnehmern.

Jochen Schropp: Für mich war tatsächlich das Ende des Experiments noch mal emotionaler, weil die Personen dann zum ersten Mal ganz nah bei mir waren. Als sie da vor uns standen und ich die Aufgabe hatte, sie aufzuklären, ihnen die Schaltzentrale zu zeigen und sie aufzufangen, bin ich schon sehr, sehr emotional geworden. Das waren wir aber alle, schließlich wollten wir ja, dass die Teilnehmer auch mit uns, den Außenstehenden, Frieden schließen.

Hatten Sie an dem Punkt Sorge, dass sich die Teilnehmer gegen Sie, die Außenstehenden, zusammentun könnten und Sie als Feindbild wahrnehmen?

Jochen Schropp: Wir hatten die Sorge, dass einige von ihnen sagen: Wir fühlen uns hintergangen und möchten unkenntlich gemacht werden, weil wir euch nicht vertrauen. Aber in intensiven und persönlichen Gesprächen haben sie schnell gemerkt, dass ihnen hier niemand etwas Böses antun wollte. Dass alles im Sinne des Experiments geschieht und wir den Zuschauern gemeinsam aufzeigen können, wie schnell Kriege entstehen können. Somit hatten sie das Gefühl: Wir sind Teil von etwas Gutem.

Christopher Lesko: Der Preis eines ergebnisoffenen Experimentes. Ich hatte diese Angst nie, aber ich arbeite ja lange in einem beruflichen Feld, das sich häufig dem Umgang mit sehr dichten, intensiven Gefühlen und Belastungen widmet. Man darf auch nicht jene Autorität unterschätzen, die durch eine lange, sehr ernsthafte und den Teilnehmern gegenüber respektvolle Vorbereitung aller entsteht: Jeder, der an diesem Projekt beteiligt war, hat wirklich hart und bis an Leistungsgrenzen gearbeitet und wusste hinter den Kulissen, was zu tun ist. Hätten Teilnehmer uns gegenüber den Konflikt aufgenommen, hätten wir uns damit auseinandergesetzt. Wir hatten nie die Haltung, alles kontrollieren zu müssen. Wir wären nicht gekränkt gewesen, hätte man uns lausig gefunden. Wir hätten das jederzeit verstanden und für völlig legitim gehalten. Und wir hätten miteinander in der Situation Antworten darauf entwickelt. Mit welchem Ergebnis auch immer.

Herr Schropp, gab es denn bei Ihnen Momente, in denen Sie Angst hatten, das Experiment abbrechen zu müssen?

Jochen Schropp: Nein, Angst hatte ich davor nie. Es war uns ja von Anfang an bewusst, dass ein solches Experiment scheitern kann, weswegen auch ein Fragezeichen im Titel steht. Und mit Christopher Lesko hatte ich jemanden neben mir, der ganz genau wusste, wie er in kritischen Situationen mit den Teilnehmern umgehen muss. Inga Kling ist außerdem eine sehr faire Producerin, die nichts künstlich herstellen würde, was mir sehr wichtig war. In anderen Formaten liegt das oft nicht in meiner Hand, was mich teilweise belastet. Dieses Projekt hat mir so viel Spaß gemacht, eben weil es die Möglichkeit gab, dass alles komplett anders kommt. Nichtsdestotrotz wäre es sehr schade gewesen, wenn das Experiment nicht aufgegangen wäre, denn dann hätte der Zuschauer nicht so viel daraus mitnehmen können, wie er es jetzt hoffentlich tut.

Sie besetzen in dem Format unterschiedliche Rollen: Herr Lesko als Fachmann und Sie, Herr Schropp, als Moderator und zugleich Show-Master. Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit zu zweit entwickelt?

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Christopher Lesko: Ich kenne Jochen schon einige Jahre, mag und schätze ihn sehr. Jochen hat einerseits ein hohes Maß an ernster Professionalität und ist auf der anderen Seite ein sensibler Mann mit der ganzen Bandbreite an Emotionen. Und, dann kann er auch noch richtig ironisch-böse werden, das sieht man im Fernsehen leider selten. Während des Experiments war auch die Beziehung zu ihm für mich eine total verlässliche Achse.

Jochen Schropp: Ich habe oft eine vermittelnde Funktion zwischen Produktion und Christopher eingenommen. Zum Beispiel, wenn im Gespräch während der Sendung etwas Bestimmtes herausgekitzelt werden sollte, was Chris auf keinen Fall wollte. Gleichzeitig habe ich ihm signalisiert, dass ich nichts mache, hinter dem ich nicht stehe und zum Beispiel keine Frage stelle, nur weil sie mir ein Producer vorgegeben hat. Außerdem war unsere Arbeit von Anfang an auf Augenhöhe, ich habe mich nie kritisiert oder bevormundet gefühlt. Natürlich verteidigt in einem so großen Team jeder ein Ziel: Die Produktion will den Film machen, den sie sich vorgestellt hat. Christopher verteidigt das Ziel, dass er sich treu bleiben will, und ich will mich einbringen und zeigen, was ich kann. Und dennoch sind wir in dieser kurzen Zeit und mit der vielen Arbeit alle sehr fair, sehr professionell und sehr diplomatisch miteinander umgegangen. Trotz der vielen Emotionen.

Sehen Sie sich auch als Vermittler zwischen Publikum und Christopher Lesko?

Jochen Schropp: Ich habe immer genau die Frage gestellt, die ich gefühlt habe und stehe damit stellvertretend für den Zuschauer, der eben diese Frage vielleicht auch gestellt hätte. Zumindest hoffe ich, dass mir das gelungen ist. Christopher denkt aufgrund seines Wissens und seiner Erfahrung an manchen Stellen viel weiter als der Zuschauer oder ich. Und dementsprechend waren seine Antworten auch teilweise sehr ausufernd, weshalb ich ab und zu noch mal genauer nachgefragt habe.

Ohne zu viel vom Ausgang des Experiments zu verraten: Herr Lesko, ist es generell schwieriger, Konflikte beizulegen als sie auszulösen?

Christopher Lesko: Frieden muss ja erst dann geschlossen werden, wenn es vorher Konflikte gab. Wenn Menschen über längere Zeit innerlich „auf Konflikt gepolt sind“, ist es schwer, sich auf einen neuen Weg zu begeben. Der alte Weg, gewohnte Haltungen, die Welt in Gut und Böse einzuteilen und selbst auf der Seite der Guten zu sein, bieten die enorme Sicherheit eines inneren Zuhauses. Man nimmt andere mit den Antennen des gewohnten Rasters viel sensibler wahr und gibt Vorurteile ungern auf. Schauen Sie sich die Welt und die Geschichte an, und finden Sie „den Fehler“: Frieden ist schwerer als Krieg. Leider.

Einen ausführlichen MEEDIA-Bericht zu Pressekonferenz und Preview von ZDFneo finden Sie hier.

Christopher Lesko ist auch Autor bei MEEDIA. „Plötzlich Krieg? – Ein Experiment“ wird in zwei Folgen am 27. und 28. Oktober jeweils um 21.45 Uhr bei ZDFneo ausgestrahlt.

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