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Reporter immer noch in Haft: Vice „verurteilt“ Vorgehen gegen Journalisten in der Türkei

Der türkische Präsident Erdogan lässt immer häufiger gegen Medien vorgehen.
Der türkische Präsident Erdogan lässt immer häufiger gegen Medien vorgehen.

Journalisten werden mal wieder Opfer des türkischen Staates. Seit vergangenem Freitag halten Beamte zwei Vice-Reporter in Gewahrsam, die nun sogar wegen Terrorismus angeklagt werden. Die Journalisten haben aus der Region um Diyarbakir berichtet, wo es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und kurdischen Kämpfern gekommen war.

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Vergangene Woche berichtete CNN Türk zuerst über die Festnahmen. Wie Vice mittlerweile bestätigte, wurden neben den beiden britischen Reportern Jake Hanrahan und Philip Pendlebury auch ihr Fixer – ein lokaler Journalist, der als Führer und Übersetzer arbeitete – sowie der Fahrer festgenommen. Laut einer Stellungnahme des News-Portals ist letzterer bereits wieder entlassen worden.

Vice sowie mehrere NGO’s sind derzeit bemüht, die Reporter aus der Gefangenschaft zu befreien. Die Vorwürfe der „Arbeit für eine terroristische Organisation“ seien „besorgniserregend“, so Kevin Sutcliffe, der Head of News Programming für Vice in Europa. „Vice News verurteilt die Versuche der türkischen Regierung, unsere Korrespondenten mundtot zu machen, aufs Schärfste. Unsere Reporter haben unerlässliche Berichterstattung aus der Region geliefert,“ so Sutcliffe weiter. „Wir arbeiten weiterhin mit allen entsprechenden Behörden zusammen, um die sichere Freilassung unserer drei Kollegen und Freunde voranzutreiben.“

In der Region Diyarbakir ist es nicht zum ersten Mal zu Festnahmen gekommen. Im Oktober vergangenen Jahres gerieten zwei deutsche Journalisten mit den Behörden aneinander. Ihnen wurde damals vorgeworfen, Demonstranten „provoziert oder gesteuert“ zu haben. Nach kurzen aber intensiven Verhandlungen kamen die Reporter wieder frei. Kurz zuvor warf Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan den Medien vor, den Frieden in seinem Land zu gefährden. Wenige Monate zuvor wurde Spiegel-Online-Korrespondent Hasnain Kazim bedroht, der wegen seiner Berichterstattung über das damalige Grubenunglück in Soma scharf kritisiert wurde. Spiegel Online rief seinen Reporter nach Einschüchterungsversuchen und Morddrohungen von Erdogan-Anhängern für eine gewisse Zeit zurück nach Hamburg.  Auch bei den Protesten in Istanbul 2013 machten türkische Beamte vor Berichterstattern keinen Halt. Auf der Liste der Pressefreiheit, die von Reporter ohne Grenzen veröffentlich wird, steht die Türkei auf Platz 154.

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In Teilen der Region Diyarbakir wurden zuletzt aufgrund der Unruhen Ausgangssperren erlassen. Ein Waffenstillstand zwischen der Regierung und der kurdischen Arbeiterpartei PKK war im vergangenen Monat beendet worden. Seitdem wurden bei Kämpfen und Anschlägen mehr als 100 Menschen getötet.

 

(ms)

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