Schock-Fotos aus Flüchtlings-LKW: Deutschem Presserat liegen 15 Beschwerden gegen Bild vor

Jetzt muss sich auch der deutsche Presserat mit den Fotos der toten Flüchtlinge aus dem in Österreich abgestellten LKW beschäftigen. Am Wochenende gingen bei den Medienwächtern in Berlin 15 Beschwerden ein. Sie betreffen erst einmal alle das Foto, das Bild Online gezeigt hatte.

von Alexander Becker

Wie der Presserat gegenüber MEEDIA weiter bestätigt, handelt es sich im Kern um Beschwerden gegen die Ziffern 1, 8 und 11 des Pressekodex.

Bei Ziffer 1 geht es um die Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde. Ziffer 8 regelt den Schutz der Persönlichkeit und Ziffer 11 beschäftigt sich mit „Sensationsberichterstattung“ und Jugendschutz. Da heißt es unter anderem: „Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid“.

Ausgangspunkt der Debatte ist die Kronen Zeitung, die am Freitag ein unverpixeltes Bild zusammengedrängter Leichen im Laderaum des an der Autobahn abgestellten Schlepper-Fahrzeugs veröffentlicht hatte. Einen Tag später zogen die Bild-Zeitung und die B.Z. nach. Auch Spiegel TV hatte das Material gezeigt.

In Österreich waren bereits  Ende vergangener Woche Dutzende von Beschwerden eingegangenen. Gegenüber dem Standard hatte sich Andreas Koller vom Presserat aus Wien schon zu dem Fall geäußert: “Ich halte diese Fotos für unentschuldbar. Faktum ist, dass Tote auch dann, wenn es sich um Flüchtlinge handelt, Anspruch auf Achtung ihrer Würde haben. Daher ist es inakzeptabel, sie nach ihrem grausamen Tod aus purer Lust an der Sensation im Zeitungsboulevard zur Schau zu stellen.”

Schon am morgigen Dienstag werde sich das Kontrollgremium in Österreich mit dem Fall beschäftigen. Bereits 2014 war die “Krone” insgesamt 16 Mal gerügt worden.

Nach eigener Einschätzung des Deutschen Presserates wird die Beschwerdekammer in Berlin abwägen müssen, ob bei dem Foto das öffentliche Interesse an dem Gezeigten überwiegt oder ob die sensationellen Aspekte im Vordergrund stehen bzw. möglicherweise der Persönlichkeitsschutz und auch die Menschenwürde verletzt wurden.

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