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Schock-Fotos aus Flüchtlings-LKW: Deutschem Presserat liegen 15 Beschwerden gegen Bild vor

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Jetzt muss sich auch der deutsche Presserat mit den Fotos der toten Flüchtlinge aus dem in Österreich abgestellten LKW beschäftigen. Am Wochenende gingen bei den Medienwächtern in Berlin 15 Beschwerden ein. Sie betreffen erst einmal alle das Foto, das Bild Online gezeigt hatte.

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Wie der Presserat gegenüber MEEDIA weiter bestätigt, handelt es sich im Kern um Beschwerden gegen die Ziffern 1, 8 und 11 des Pressekodex.

Bei Ziffer 1 geht es um die Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde. Ziffer 8 regelt den Schutz der Persönlichkeit und Ziffer 11 beschäftigt sich mit „Sensationsberichterstattung“ und Jugendschutz. Da heißt es unter anderem: „Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid“.

Ausgangspunkt der Debatte ist die Kronen Zeitung, die am Freitag ein unverpixeltes Bild zusammengedrängter Leichen im Laderaum des an der Autobahn abgestellten Schlepper-Fahrzeugs veröffentlicht hatte. Einen Tag später zogen die Bild-Zeitung und die B.Z. nach. Auch Spiegel TV hatte das Material gezeigt.

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In Österreich waren bereits  Ende vergangener Woche Dutzende von Beschwerden eingegangenen. Gegenüber dem Standard hatte sich Andreas Koller vom Presserat aus Wien schon zu dem Fall geäußert: “Ich halte diese Fotos für unentschuldbar. Faktum ist, dass Tote auch dann, wenn es sich um Flüchtlinge handelt, Anspruch auf Achtung ihrer Würde haben. Daher ist es inakzeptabel, sie nach ihrem grausamen Tod aus purer Lust an der Sensation im Zeitungsboulevard zur Schau zu stellen.”

Schon am morgigen Dienstag werde sich das Kontrollgremium in Österreich mit dem Fall beschäftigen. Bereits 2014 war die “Krone” insgesamt 16 Mal gerügt worden.

Nach eigener Einschätzung des Deutschen Presserates wird die Beschwerdekammer in Berlin abwägen müssen, ob bei dem Foto das öffentliche Interesse an dem Gezeigten überwiegt oder ob die sensationellen Aspekte im Vordergrund stehen bzw. möglicherweise der Persönlichkeitsschutz und auch die Menschenwürde verletzt wurden.

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Alle Kommentare

  1. Es gibt gute Gründe, die „Beschwerden“ aus Kreisen „besorgter Bürger“ für lächerlich und töricht zu halten.

    1. Der „Presserat“ ist ein privater Verein; er darf meinen, was er will, auch Unsinn. Seine Mitglieder sind vier private Vereine. Den zwei Mini-„Gewerkschaften“ DJV und Verdi laufen die Mitglieder weg, sie sind Clubs verbitterter Maulhelden; die Verlegervereine BDZV und VDZ sind nicht mehr handlungsfähig und ignorieren den Presserat zumeist. Die sogenannten „Beschwerdeausschüsse“ bestehen überwiegend aus eifernd-erfolglosen Salon-Linken („Links reden, rechts leben!“) aus dem Zeitungsproletariat, die sich – meist ohne jede juristische Kompetenz – zu Moral-Richtern über ihre erfolgreicheren Kollegen (sehr gerne bei „Bild“) aufspielen, um sich als machtvolle „Meinungsmacher“ zu inszenieren.

    2. Was nicht durch allgemeines Gesetz verboten ist, das ist erlaubt. Also: Anything goes. Zwar gibt es ein postmortales Persönlichkeitsrecht, das möglicherweise von den Erben der hier gezeigten Verstorbenen verfolgt werden könnte; es gibt aber auch das öffentliche Interesse an der Information über besonders schwere Verbrechen. Dieses Interesse überwiegt handgreiflich; andernfalls müsste es rechtswidrig sein, die Opfer der Massenmorde des Hitler- und/oder Stalin-Terrors zu zeigen, z.B. die Filme von der Befreiung des KZ Buchenwald. Es sei denn, die politisch-korrekten „Beschwerdeführer“ meinten, nur Islam-Gläubige hätten eine postmortale Würde, die ermordeten Juden aber nicht …

    3. Die „Quasselbude Presserat“ geht das alles nichts an. Seine „Urteile“ verweht der Wind. Es kümmern sich gut erkennbar weder in Österreich noch in Deutschland die „verurteilten“ Missetäter, „Kodex-Verletzer“, etc. um die privaten Bann-Flüche. Die „Täter“ machen munter weiter – schließlich sinkt die „Bild“-Auflage bedrohlich. Da ist es völlig gleichgültig, was politisierende linke Gewerkschafts-Apparatschiks vom „Achtundsechziger“-Stammtisch aus der noch immer verhassten Springer-Presse an Voodoo-Verwünschungen hinterherkrakeelen. Mit dem Papiertiger „Presserat“ kann man niemanden mehr erschrecken.

    Die Medienindustrie braucht Macher, keine Bedenkenträger. Anything goes!

    1. Ja, die BILD beschäftigt hauptsächlicher „Macher“ keine „Denker“. Sonst könnte man vermutlich 90 % der Rügen vermeiden, weil diese sogenannten Journalisten meinen es mit dem Gesetz und der Ethik nicht ganz so genau nehmen zu müssen. Das muss ich noch nicht einmal separat aufführen. Eine Internetsuche mit den Stichworten „BILD“ „Klage“ „Schmerzensgeld“ fördert etliche Verfahren zu Tage, die der Axel Springer Verlag bereits verloren hat. Noch nicht mitgerechnet sind die Klagen auf Unterlassung.

      Es geht bei denen sicher nicht um objektive Information und Aufklärung der Leser, sondern um Clickbaiting und die Katastrophen-Geilheit des Publikums – ausschließlich um den schnöden Mammon. Informieren könnte man auch ohne die Bilder. Sie bringen für die Information keinerlei Mehrwert. Wenn doch, legen Sie mir doch einmal dar welcher das sein soll?

      Der Presserat mag zwar keine rechtliche Institution sein, dennoch ist der Pressekodex an sich nicht verwerflich. Sie sind anderer Meinung, wenn Sie so gegen die Presseratsrügen wettern? Wenn ja, inwiefern? Sie können gerne einmal auf Ihre Probleme mit den einzelnen Punkten des Pressekodex eingehen – das würde mich nun doch interessieren. Diese sind die Grundlage für die Rügen und für einen Durchschnittsbürger wie mich durchaus nachvollziehbar. Dabei völlig unerheblich, ob der Presserat ein „privater Verein“ ist.

      Wenn Sie nun wirklich vom DJV sind, sollten Sie eigentlich wissen, dass es bei Persönlichkeitsrechten eine Abwägung geben müsste zwischen eben jenen und der Relevanz für das Zeitgeschehen bzw. die Berichterstattung. Wie gesagt, erklären Sie mir doch bitte warum das Bild der Toten einen derartigen Mehrwert an Informationen bietet, das die Aufhebung der Persönlichkeitsrechte rechtfertigt?

      Das von Ihnen angesprochene Thema mit den KZ-Toten ist bei weitem nicht so einfach wie sie es darstellen. Einen Auszug, was es allein für ein Drama ist die Namen (ohne Bild) irgendwo öffentlich zu machen, können Sie z. B. hier nachlesen:
      http://blog.gedenkort-t4.eu/2013/01/17/munchen-namenslesung-von-opfern-der-ns-euthanasie-am-18-1-2013/

      Verstöße gegen den Kodex sollten, ähnlich wie in anderen Ländern Verstöße gegen Geschwindigkeitsübertretungen nach Verdiensthöhe geahndet werden, mit einer Strafzahlung anhand des monatlichen Umsatzes des betroffenen Mediums geahndet werden – gerne auch über nachgelagerte gerichtliche Absegnung. Was meinen Sie wie schnell sich diese Unsitte in der Berichterstatung aufhört, wenn im Speziellen die BILD nicht nur Peanuts zahlen muss, sondern schmerzhaft hohe Summen?

  2. Niemand muss die Bild-Zeitung kaufen oder sich bei Bild.de, Spiegel Online oder sonst wo aufhalten.
    Sollen auch die Bilder ermordeter KZ-Insassen verboten werden?

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