“Periscoportage” – der journalistische Dreifach-Coup von Bild-Reporter Paul Ronzheimer

Fear The Breast-Nazis periscoping live on Facebook
Fear The Breast-Nazis periscoping live on Facebook

Bild-Chefreporter Paul Ronzheimer erfindet die neue journalistische Form der “Periscoportage”. In den Facebook-Kommentarspalten prallen unterschiedliche Kulturen der Meinungsfreiheit aufeinander. Amazon gibt mächtig Gas mit seinem Prime-Videodienst und belauschte Mediennutzer geben erstaunliches Preis. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Man muss die Art, wie sich der Bild-Chefreporter Paul Ronzheimer bei seinen Stücken selbst einbringt, nicht mögen. Man kann ihm aber nicht absprechen, dass er nah dran ist am Geschehen. Und dass die Bild-Leute neue Techniken wie die Live-App Periscope nutzen wie keine zweite Redaktion in Deutschland, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Diese Woche hat Ronzheimer einen syrischen Flüchtling auf seinem Weg nach Deutschland begleitet und die Flucht mit Hilfe von Periscope immer wieder live dokumentiert. Daraus entstanden ist dann eine eindrucksvolle “Periscoportage”, für die die Live-Videos neu zusammengeschnitten wurden. Auch in der gedruckten Bild fand die Live-Berichterstattung Eingang. Drei Stufen der Berichterstattung, ein dreifacher Coup: Live, als geschnittene Bewegtbild-Reportage und Print. Das ganze ist ein Lehrstück dafür, wie man solche neuen Techniken gewinnbringend für Medium und Leser/Zuschauer einsetzen kann. Hut ab!

Es wird gerade darüber diskutiert, ob Facebook genug dafür tut, fremdenfeindliche Kommentare zu löschen. Bzw.: Scheinbar sind sehr viele Leute der Auffassung, dass Facebook eben nicht genug dafür tut. Der Mannheimer Morgen hat in einem aktuellen Bericht einen Facebook-Sprecher zitiert, der sagt, dass die Beschwerden gegen die so genannten “Gemeinschaftsstandards” bei Facebook nicht in Deutschland, sondern den USA bearbeitet werden. Das erklärt zu einen, warum es in vielen Fällen recht lange dauert bis solche Beschwerden bearbeitet werden. Und es erklärt möglicherweise auch, warum viele Facebook-Äußerungen online bleiben, obwohl zahlreiche Deutsche Nutzer sie als rassistisch fremdenfeindlich betrachten. Zwischen Deutschland und Amerika gibt es nämlich fundamentale Unterschiede, was die Stellung von Meinungsfreiheit betrifft. In Amerika (und Großbritannien) wird traditionell so jede Meinung toleriert. Und sei es eine rassistische, dumme, offensichtlich falsche und durch und durch beleidigende Nazi-Quatschmeinung. In Deutschland sieht man das aus vielerlei Gründen anders. Bei der aktuellen Flüchtlings-Debatte prallen diese beiden unterschiedlichen Kulturen der Meinungsfreiheit in den Facebook-Kommentarspalten aufeinander. Wenn sie bei Facebook schlau sind, lagern sie das Kommentar-Management wenn möglich weitgehend in die Länder-Dependancen aus. Ansonsten produziert der aktuelle Ärger um Facebook-Nazi-Kommentare aber auch ganz hübsche Gags, wie zum Beispiel diesen hier:

Amazon gibt beim Ausbau der Aktivitäten für Prime Instant Video derzeit ordentlich Gas. Da wurde für viel Geld das bei der BBC rausgeflogene Team der Kult-Autoshow “Top Gear” verpflichtet. Dann hat Amazon die Topserie “The Affair” und das “The Walking Dead”-Spinoff “Fear the Walking Dead” exklusiv eingekauft. Im September folgt die mit Stars wie Ron Pearlman (“Hellboy”) besetzte und von Mark Foster (“Monster’s Ball”, “World War Z”) inszenierte Amazon-eigene Serie “Hand of God” um einen korrupten Richter. Amazon investiert derzeit einiges in seinen Video-on-Demand Streaming-Dienst. Parallel meldete diese Woche die RTL Group nach wie vor spitzenmäßige Geschäftszahlen für das erste Halbjahr. Spüren die klassischen TV-Sender die neue Konkurrenz wie Amazon Prime oder Netflix überhaupt nicht? Ein Leser-Kommentar wies darauf hin, dass Amazon, Netflix & Co vermutlich schon einen Effekt auf die TV-Nutzung haben aber (derzeit) ja keine Werbung zeigen. Das heißt, sie konkurrieren mit den TV-Sendern zwar um Zeit- aber nicht um Werbe-Budgets. Ergo: Man erkennt noch keinen Einfluss der neuen Player in den TV-Bilanzen. Da könnte was dran sein. Folgt man dieser These, käme der echte Moment der Entscheidung für TV-Konzerne erst, wenn Netflix & Co anfangen, Werbung zu zeigen. In meinem eigenen TV-Nutzungsverhalten spielen VoD-Dienste jedenfalls eine immer größere Rolle im Vergleich zum linearen Fernsehen.

Bei Twitter gibt es diesen recht beliebten Account @rheinbahn_intim, der kurze Dialoge, die in der Düsseldorfer Rheinbahn belauscht wurden, veröffentlicht. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Sehr lustig, manchmal erhellend, oft verstörend. Dieser Tweet von HuffPost-Deutschland-Chefredakteur Sebastian Matthes brachte mich auf die Idee, dass so eine Art Rheinbahn-Intim für die Medienbranche vielleicht auch ganz lustig wäre.

Ein Twitter-Account, der Medien-Kommentare von Lesern, Zuschauern, Nutzern in freier Wildbahn sammelt. Andererseits: Manches will man vielleicht auch gar nicht so genau wissen …

Sonniges Wochenende!

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