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Studenten-Oscar-Gewinner Ilker Çatak: „Die TV-Serie ist die Königsklasse“

Der Hamburger Regisseur Ilker Çatak hat den Studenten-Oscar gewonnen
Der Hamburger Regisseur Ilker Çatak hat den Studenten-Oscar gewonnen

Jedes Jahr werden in Hollywood die Oscars verliehen – und auch der Nachwuchs wird prämiert: Die Academy verleiht zusätzlich den sogenannten "Studenten-Oscar". Dieses Jahr können sich gleich zwei Deutsche über den Preis freuen, einer von ihnen ist der Hamburger Regisseur Ilker Çatak. Im MEEDIA-Interview spricht er über die Bedeutung des Preises, seine Ziele sowie die deutsche Film- und TV-Landschaft.

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Der 31-jährige Ilker Çatak wurde schon mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet: mit dem Max-Ophüls-Preis zum Beispiel und dem Kurzfilmpreis der Murnau-Stiftung. 2014 war er außerdem einer der zehn Finalisten des Student Academy Awards, dem sogenannten Studenten-Oscar. Nur ein Jahr später hat er es unter die drei Preisträger geschafft. Ob es Gold, Silber oder Bronze wird, erfährt der Regisseur im September während der Preisverleihung in Los Angeles.

Auszeichnet wurde Çatak für den Kurzfilm „Fidelity“, seinen Abschlussfilm an der Hamburg Media School. „Fidelity“ oder auf Türkisch „Sadakat“ handelt von den politischen Demonstrationen in Istanbul – und von „Mut, Haltung und Loyalität“, wie der Regisseur im Gespräch mit MEEDIA erklärt.

Herr Çatak, dass Sie den Studenten-Oscar gewonnen haben, zeigt: Ihr Film „Fidelity“ berührt die Menschen international. Was ist seine Botschaft?
Ich hab keine Botschaft und auch keinen pädagogischen Ansatz. Ich habe einfach das Bedürfnis gehabt, einen Film zu machen, der die politische Situation in der Türkei aufgreift.

Okay, anders gefragt: Warum erreicht Ihr Film Menschen weltweit?
Es geht um Grundwerte, die jede Gesellschaft berühren: Mut, Haltung und Loyalität. Ich denke, dass dies der Grund ist, warum der Film international funktioniert.

Sie haben schon einige Preise gewonnen, unter anderem den Max-Ophüls-Preis dieses Jahr für „Fidelity“. 2014 waren Sie mit „Wo wir sind“ für den Studenten-Oscar bereits nominiert, jetzt hat es geklappt. Was ist für Sie das Besondere an diesem Preis?
Ich muss ganz ehrlich sagen: Das ist natürlich eine internationale Auszeichnung, Hollywood und die Academy sind großartig und ich bin sehr dankbar. Aber am Ende ist es auch nur ein Preis und Preise machen einen Film nicht besser oder schlechter. Sie schenken ihm und den Filmemachern jedoch Aufmerksamkeit und darüber freue ich mich. Und ich hoffe, dass der Preis als Türöffner dienen kann und weitere Projekte ermöglicht.

Ist Hollywood für Sie ein Ziel? Oder haben Sie eher den Anspruch, gute Filme in und für Deutschland zu machen?
Für mich gilt in erster Linie: Think local, be global. Daran glaube ich fest. Wenn es aus Hollywood ein Drehbuch gibt, mit dem ich mich identifiziere, dann bin ich da natürlich nicht abgeneigt, aber Hollywood nur weil dann Hollywood draufsteht, ist nicht mein Traum.

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Viele Kritiker behaupten, es gebe zu wenig gute deutsche Filme. Zwischen „Lola rennt“ und jetzt „Victoria“ sind 17 Jahre vergangen und dazwischen habe es nicht viel gegeben. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Dem widerspreche ich auf jeden Fall. Es gibt hervorragende deutsche Filme und hervorragende Kollegen, die Großartiges leisten. Ich weigere mich auch zu sagen: Ein Film verdient erst dann meine Anerkennung, wenn er an der Kasse viel eingenommen oder bestimmte Preise gewonnen hat. Wer sich wirklich mit dem deutschen Film auseinandersetzt, wird da auch immer Goldstücke finden.

Zum Beispiel?
Ich finde die Filme von Hans-Christian Schmid großartig, genauso wie die von Andreas Dresen. Stefan Krohmer, Christian Petzold und Fatih Akin sind auch toll. Das sind einige von vielen Namen, denen man Unrecht tun würde, wenn man sagt, dass es zwischen „Victoria“ und „Lola rennt“ keine guten deutschen Filme gegeben hat. Unsinn.

Kino und Fernsehen nähern sich an, weil TV-Serien immer hochwertiger und aufwendiger produziert werden. Könnten Sie sich vorstellen, auch mal Fernsehen zu machen oder soll es das Kino bleiben?
Auf jeden Fall kann ich mir vorstellen, auch mal Fernsehen zu machen, solange es anspruchsvoll ist und sich etwas wagt. Man darf nicht über schlechtes Fernsehen jammern, man muss es einfach besser machen. Und deswegen: Ja, gerne! Ich finde sowieso, dass eine gute TV-Serie die Königsklasse darstellt.

Welche Serie aus der Königsklasse ist Ihr Favorit?
Breaking Bad.

Und in Deutschland?
„Weissensee „von Friedemann Fromm ist großartig.

Was ist für Sie, deutsch oder international, der bislang beste Film des Jahres?
Auch wenn es jetzt vielleicht wie ein Klischee klingen mag, aber „Victoria“ hat mich schon vom Hocker gerissen.

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