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Die Otto-Brenner-Stiftung und ihre Kritiker: wenn Meinungen zu Studien werden

Die selbst ernannte Institutsleiterin Sabine Schiffer kritisiert Wolfgang Storz‘ „Querfront Kurz-Studie“
Die selbst ernannte Institutsleiterin Sabine Schiffer kritisiert Wolfgang Storz' "Querfront Kurz-Studie"

Die zur IG Metall gehörende Otto-Brenner-Stiftung ist in jüngerer Zeit immer mal wieder mit Medienkritik aufgefallen. Zuletzt erregte die Stiftung mit einem als “Kurz-Studie” titulierten Arbeitspapier Aufsehen, das sich mit dem so genannten “Querfront-Netzwerk” aus Verschwörungstheoretikern befasst. Das Papier wurde scharf kritisiert, teilweise zurecht. Problematisch ist nicht zuletzt der inflationäre Gebrauch des Begriffs “Studie”. Kein Einzelfall bei der Otto-Brenner-Stiftung.

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In der so genannten “Kurz Studie” “Querfront – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks” setzt sich der Otto-Brenner-Mitarbeiter und frühere Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, mit verschiedenen Akteuren einer Gegenöffentlichkeit auseinander. Das sind Leute wie der frühere Radiomoderator Ken Jebsen, dem einige Leute antisemitische Äußerungen vorwerfen, der Publizist Jürgen Elsässer, der die im verschwörungstheoretischen Milieu angesiedelte Zeitschrift Compact herausgibt, oder eben der allseits berüchtigte Kopp-Verlag mit seinem breiten Repertoire an verschwörungstheoretischer Literatur.

Storz’ Papier bietet in der Auflistung solcher Akteure und deren Wirken sowie in der Herausarbeitung und Auflistung gemeinsamer Wertvorstellungen durchaus einen Erkenntnisgewinn und darum lesenswert. Die “Kurz-Studie” der Otto-Brenner-Stiftung rief allerdings wenig überraschend auch Kritiker auf den Plan. U.a. meldete sich das Institut für Medienverantwortung aus Erlangen zu Wort, das auf “methodische Mängel” aufmerksam macht.

Unrecht hat das selbsternannte “Institut”, das zu keiner öffentlichen wissenschaftlichen Einrichtung gehört und eine reine Privat-Initiative seiner Gründerin Sabine Schiffer und einer weiteren Person ist, mit dieser Methodik-Kritik nicht.

Das Problem bei der Brenner-Stiftung ist vor allem auch die Wortwahl und der wissenschaftliche Habitus,mit dem dort gerne hausieren gegangen wird. Zwar bezeichnet die Stiftung das Querfront-Papier selbst nur als “Kurz-Studie” und schränkt damit die Bedeutung von vorneherein ein. Doch wieso spricht die Brenner-Stiftung abwechselnd von “Kurz-Studie” und “Arbeitspapier”?

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Der Begriff Studie ist nicht eindeutig definiert. Allerdings sollte eine Studie zumindest nach wissenschaftlichen Standards verfasst sein, was bei dem “Querfront-Papier” eindeutig nicht der Fall ist. Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, geht auf die Defizite des Papiers im Vorwort sogar explizit ein:

Autor und Stiftung sind sich der begrenzten Reichweite der Studie und ihrer Erkenntnisse bewusst. Wir verstehen diese Recherche als eine erste Annäherung an ein aktuelles Phänomen, das noch einer tiefer gehenden Analyse bedarf.

Derartige Einschränkungen werden von den Medien freilich gerne überlesen. In der Berichterstattung über das Querfront-Papier ist fast einhellig von einer “Studie der Otto Brenner Stiftung” die Rede. Das “Kurz” lässt man weg, das “Arbeitspapier” auch. Die komplizierte, pseudowissenschaftliche Sprache in der das Querfront-Papier verfasst ist, trägt dazu bei, dass es möglichst “wissenschaftlich wirkt” ohne wissenschaftlich zu sein. Hinzu kommen handwerkliche Schnitzer. So musste die Stiftung bereits korrigieren, dass das Internetportal Alternativ.TV eben doch nicht mit Weltnetz.TV kooperiert und Weltnetz darum auch nicht zum Umfeld von “Alpenparlament”, Klagemauer.TV, “News 23” und “PI-News“ gehört. Solche Patzer sind natürlich ein gefundenes Fressen für Kritiker. Dass im Querfront-Papier noch nicht einmal der Name des bekannten Publizisten Henryk M. Broder richtig geschrieben wird (“Henrik”), mag ein lässlicher Fehler sein, er zeugt aber auch von einer gewissen Schlampigkeit, die im Gegensatz zu dem aufgebauten wissenschaftlichen Anspruch steht.

Sabine Schiffer, die mit ihrem “Institut” selbst auch einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch aufbaut, haben Recht, wenn sie moniert, dass Storz sich in seinem Papier auf Aussagen Dritter, vulgo: “Hörensagen”, verlässt und schlichte Verlinkungen als Beleg für eine Netzwerbildung hernimmt. Wissenschaftlich ist das nicht. Auch die These einer “Netzwerkbildung”, die Storz aufstellt, kann man nach Lektüre seines Papiers durchaus berechtigt mit Fragezeichen versehen. Legt man seine Maßstäbe für Netzwerkbildung an, dann bilden die so genannten Mainstreammedien mit den beispielsweise immergleichen Gästen bei politischen Talkshows und vielfachen gegenseitigen Verlinkungen ein noch viel größeres Netzwerk.

Es ist nicht das erste mal, dass die Otto-Brenner-Stiftung durch einen allzu sorglosen Umgang mit wissenschaftlichen Begriffen auffällt. Vor kurzem sorgte die Stiftung für Furore mit einer ausgewachsenen “Studie” von Bernd Gäbler, dem früheren Leiter des Grimme-Instituts, der den politischen Formaten der ARD pauschal attestierte unpolitisch zu sein. Die Studie wurde u.a. von der NDR-Journalistin Anja Reschke kritisiert: “Ich war enttäuscht, weil es keine Studie ist“. Deshalb sollte es eher heißen: “Bernd Gäblers Meinung zu den politischen Magazinen”. Die Kritik kommt hier von einer Betroffenen, ist inhaltlich aber nachvollziehbar. Auch Gäblers Otto-Brenner-Veröffentlichung lässt wissenschaftliche Methodik vermissen. Überspitzt könnte man der Gäbler-“Studie” auch den Titel geben: “Bernd Gäbler hat ferngesehen und fand die ARD-Politmagazine doof.”

Wohlgemerkt: Das soll nicht bedeuten, dass Storz oder Gäbler mit ihren Analysen falsch liegen. Es gibt ganz sicher in Gäblers Papier berechtigte Kritik an Form und Inhalt von ARD-Politikmagazinen. Und Storz’ “Querfront”-Papier ist hilfreich, wenn man sich mit einigen Akteuren der alternativen Medienszene und Gegenöffentlichkeit befassen möchte. Es ist aber halt keine Wissenschaft. Würde die Brenner-Stiftung solche Veröffentlichungen “Analysen” oder “Hintergrundmaterial” nennen oder es bei dem Begriff “Arbeitspapier” belassen, wäre das ehrlicher und würde viel Kritik den Wind aus den Segeln nehmen. So aber bedient sich die Brenner-Stiftung einer verzerrenden Kommunikation, wie sie sie bei anderen Medien und Akteuren so gerne kritisiert.

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Alle Kommentare

  1. Oh, gerade eine Frau Dr. Schiffer bemängelt irgendwas bei einer „Studie“ über totalverstrahlte Verschwörungstheoretiker. Diese Frau Dr. Schiffer, die von Lithium-Mini-Nukes und Mikrowellen sabbelt? Man lese mal ihre Reden bei entsprechenden Ostermärschen…

  2. Als Professor würde ich für einen angemessenhohen Geldbetrag jeden Schriebs fabrizieren.
    Als Journalist würde ich zur Höhe dieses Betrages recherchieren.
    Als IG-Metaller würde ich austreten.

    Das Verhalten von Personen richtet sich immer nach der Größe des Haufens Kohle, der über den Tsch geschoben wird.

  3. Ob nun ernsthafte Studie, Arbeitspapier oder für den Mülleimer: Irgend ein willfähriger „Fachmann“ nimmt Bezug darauf und macht das öffentlich. Und schon ist es in der Welt und das Publikum bekommt solche Diskussionen wie wir sie intern führen gar nicht mit und sagt: „Siehst, hab ich doch gleich gewusst, dass der Jebsen unseriös ist. Bleib ich doch mal lieber bei dem was der Herr Kleber und die Frau Miosga sagen.“

  4. Hintergründe zur Arbeitsweiser des Schiffer-Instituts bei Broder:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/kroever/

    Was Frau Dr. Sabine Schiffer, das Orakel von Erlangen, so tut und macht, was sie schreibt und wie sie redet, das können Sie hier nachlesen:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/das_orakel_von_erlangen/
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/an_erlangen/
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/endstation_irib/

  5. Unabhängig von diesem Arbeitspapier stellt sich für mich die Frage, ob es im Interesse der Mitglieder von Gewerkschaften liegt. Wäre ich in einer solchen Organisation Mitglied, würde ich bevorzugen, dass meine Beiträge nicht in Stiftungen geparkt und dort für Studien/Arbeitspapiere/ABM was auch immer verwendet werden.

  6. Zitat: „[…] dass das Internetportal Alternativ.TV eben doch nicht mit Weltnetz.TV kooperiert und darum auch nicht zum Umfeld von “Alpenparlament”, Klagemauer.TV, “News 23” und “PI-News“ gehört“

    Nein, umgekehrt ist es richtig. Weltnetz.tv gehört nicht zum Netzwerk. Aber das ist ja genau das Problem. Viel zu viele Journalisten schreiben da über Sachen, mit denen sie sich nicht richtig beschäftigt haben.

      1. Korrigieren könnte man auch noch die Fehler in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung:
        „“Kurz Studie”“,
        „Storz’ Papier bietet (…) durchaus einen Erkenntnisgewinn und darum lesenswert.“
        „Sabine Schiffer (…) haben Recht“
        „Habitus,mit“
        „dass es möglichst “wissenschaftlich wirkt” ohne wissenschaftlich zu sein“
        „Es ist nicht das erste mal“
        gerade wenn man bei anderen eine „gewisse Schlampigkeit“ kritisiert.

      1. Sagt irgendwer im Internet über Jens Berger. Ich mach übrigens nachher eine „Maren Schiller“-Watchseite bei Facebook auf. Sind ja grad schwer in Mode.

    1. Während die Nachdenkseiten und einzelne ihrer Autoren immer fragwürdigere Verlinkungen -und immer seltsamere Paranoia- in die Welt setzen (z.B. von Gesinnungspolizei, Totschlagargumenten, ‚Kolonialstatus der BRD‘, herrscht bei den Nachdenkseiten also großes Mimimi über die Studie von Storz. Und es wird sich auf einzelne Punkte kapriziert, die natürlich ganz anders sein sollen. Der eigentliche Knackpunkt, dass die Nachdenkseiten sich in immer abseitigeres Fahrwasser begeben, wird natürlich nicht thematisiert. So, Jens Berger, geht Journalismus‘ eben auch nicht.

      Weltnetz.TV gehört zum Umfeld der Nachdenkseiten, die Nachdenkseiten verlinken gern mal (auch unter Ihrem Namen) zu anderen aus dem angesprochenen Netzwerk, wie zum Beispiel ‚KenFM‘. Oder auch mal zu dem klar antisemitischem ‚Vineyardsaker‘, oder der ‚Bürgerstimme‘. Wollen Sie etwa wirklich leugnen, Jens Berger, dass es eine Beziehung, gar eine Kooperation, zwischen Weltnetz.tv und den Nachdenkseiten gibt?

      -Hier ist Albrecht Müller bei Weltnetz.tv: http://weltnetz.tv/video/648-albrecht-mueller-ueber-medienmacht-und-manipulation
      -Verlinkungen der Nachdenkeiten zu Weltnetz.tv: http://www.nachdenkseiten.de/?s=weltnetz.tv&Submit.x=0&Submit.y=0
      – (Unkritisch und unkommentierte) Verlinkungen der Nachdenkseiten zu den unter anderem antisemitisch geprägten KenFM-Erzeugnissen: http://www.nachdenkseiten.de/?s=kenfm&Submit.x=0&Submit.y=0

      Man kann also sagen: Viel zu viele Journalisten schreiben Seltsames über Sachen, die sie eigentlich besser wissen sollten.

      1. Danke für die Links. Ziemlich spannende Interviews. Nur ihren rein diffamierenden Äußerungen kann ich nicht folgen.

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