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Schulz & Böhmermann: Darum wird die neue Talkshow (noch) besser als das Original

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Olli Schulz und Jan Böhmermann lassen gemeinsam mit ZDFneo und der Bildundtonfabrik das vorzeitig beendete Talk-Format "Roche & Böhmermann" unter dem Titel "Schulz & Böhmermann" wieder auferstehen. Diese Konstellation erfüllt alle Voraussetzungen, dass die Neuauflage (noch) besser und erfolgreicher wird als das Original.

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Vor drei Jahren startete bei ZDFkultur die TV-Talkshow „Roche & Böhmermann“ und entwickelte sich schnell zur Liebhabershow von sowohl Zuschauern als auch Fernsehkritikern: Endlich frischer Wind in der drögen Talk-Landschaft des deutschen Fernsehens, endlich eine Sendung mit Format und mit Haltung! Höhepunkt des Lobes war die Auszeichnung mit dem Deutschen Fernsehpreis 2012 und die Grimme-Nominierung in der Kategorie Unterhaltung.

Doch nach gerade einmal 16 Folgen wurde „Roche & Böhmermann“ abgesetzt. Der Grund: Streitigkeiten zwischen den beiden Moderatoren. Charlotte Roche soll eine neue Produktionsfirma gefordert haben, Jan Böhmermann war damit nicht einverstanden und ein Kompromiss konnte nicht gefunden werden. Böhmermann machte mit der Bildundtonfabrik und „Neo Magazin“ (heute „Neo Magazine Royale“) weiter; „Roche & Böhmermann“ hingegen wurde beerdigt.

Die Produktionsfirma ist erwachsen geworden

Wie ZDFneo am Donnerstag bekannt gab, startet Anfang 2016 eine Neuauflage des Formats mit Böhmermann-Buddy Olli Schulz. Das Konzept bleibt das gleiche, der Sender kündigte die neue Talkshow im beinah selben Wortlaut an wie schon den Vorgänger: „Die beiden Gastgeber sind nicht vermittelnd, sondern Partei ergreifend, polemisierend, gerne provozierend, dabei jedoch meist charmant und freundlich – und immer: sie selbst. Gesprochen wird über gesellschaftliche, kulturelle und politische Themen. Besondere Fernsehmomente entstehen durch die beiden wortstarken, leidenschaftlichen Unterhaltungsexperten und ihre geladenen Gäste. Eine unkonventionelle Talkshow für alle, die keine klassischen Talkshows mögen.“

Bei allen Parallelen dürfte die Neuauflage jedoch besser – und auch erfolgreicher – werden. „Roche & Böhmermann“ war ein Experiment und das erste Projekt der Kölner Produktionsfirma Bildundtonfabrik, die von zwei Filmhochschulstudenten gegründet wurde. Inzwischen hatten die Produzenten und Jan Böhmermann drei Jahre Zeit, sich gemeinsam weiter zu entwickeln und zu wachsen. 2014 hievten sie das „Neo Magazin Royale“ endlich ins ZDF-Hauptprogramm.

Olli Schulz und Jan Böhmermann sind nicht nur Kollegen, sondern Freunde

Dass die Bildundtonfabrik und ZDFneo die Talkshow mit der Konstellation Schulz-Böhmermann wiederbeleben, lag auf der Hand. Die beiden sind nicht nur Kollegen (sie moderieren gemeinsam seit 2012 beim rbb die Radiosendung „Sanft und sorgfältig“), sondern auch gute Freunde. Am Donnerstagabend in der ersten „Neo Magazin Royale“-Sendung nach der Sommerpause war zu beobachten: Sobald Olli Schulz neben Böhmermann Platz genommen hatte, liefen sie gemeinsam zu Hochform auf – vor allem nachdem die Sendung bis dahin ungewohnt schwach war.

Keiner von beiden will dem anderen das Rampenlicht stehlen. Dafür sind sie viel zu eingespielt und schätzen sich gegenseitig zu sehr. Das wurde schon deutlich, als Olli Schulz zu Gast bei „Roche & Böhmermann“ war, ein „menschliches Plädoyer“ hielt und Jan Böhmermann sich einfach grinsend zurücklehnte und zuhörte.

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Mangelnde Harmonie zwischen Roche und Böhmermann

Bei Charlotte Roche und Jan Böhmermann sah das anders aus: Zwar wollten sich beide nicht mit 08/15-Antworten zufrieden geben und wollten genauso wenig, dass die Gäste nur Promo für ihre aktuellen Projekte machen. Doch dabei ist es ihnen von Anfang an schwer gefallen, das – für beide – richtige Maß zu finden. In der ersten Folge wollte Böhmermann von der Moderatorin Britt Hagedorn wissen, warum sie in ihrer Scripted-Reality-Sendung „Schwer verliebt“ Menschen vorführe, die „am Rande zur geistigen Behinderung stehen“. Im Abspann kommentierte Charlotte: „Du hast mir überhaupt nicht gesagt, dass du die so hart rannehmen willst.“

Der kritischste Moment der fehlenden Harmonie war jedoch als Charlotte Roche in einer späteren Sendung mit Max Herre aneinander geriet. Sie warf dem Sänger vor, seine Texte wären viel schlechter als früher und „ganz schön Schlager“. Böhmermann war dies offensichtlich derart peinlich, dass er Charlotte unterbrechen musste und sich bei Herre entschuldigte. Daraufhin rief Charlotte: „Fick dich ins Knie, Jan!“

Zwei meinungsstarke Moderatoren werden es den Gästen schwer machen

Derartige Reibereien sind bei „Schulz & Böhmermann“ nicht zu erwarten. Vielmehr werden sie sich darauf konzentrieren, ihre Gäste aus der Reserve zu locken – und dabei miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

Doch genau hier könnte auch die Schwierigkeit des Formats liegen. Denn sowohl Schulz als auch Böhmermann diskutieren ihr Gegenüber gern in Grund und Boden – emotional, authentisch und mitunter hitzig. Schon bei der ersten Version der Talkshow galt: Es gibt keine feste Rede- und damit Sendezeit für die Gäste – wer in der Diskussion nichts zu sagen hat, geht unter. Dies dürfte bei „Schulz & Böhmermann“ noch viel stärker der Fall sein. Damit die Gäste nicht permanent kämpfen müssen, um sich neben den beiden Moderatoren behaupten zu können, bleibt ihnen zu wünschen, dass sich Olli Schulz und Jan Böhmermann stellenweise zügeln. Aber bitte nicht zuviel.

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Alle Kommentare

  1. Ich finde es interessant, dass die Spannungen zwischen Roche und Böhmermann hier als Kritikpunkt aufgeführt werden. Gerade dieser reale (oder anfangs doch inszenierte) Konflikt zwischen den beiden hat zu einem erheblichen Teil zum Unterhaltungswert der Sendung beigetragen.

    Nichts desto trotz freue ich mich riesig auf Schulz & Böhmermann und sehe hier ein enormes Potential.

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