„Neo Magazin Royale“: eine Panne, eine Ankündigung und eine schwache Sendung

jan-böhmermann_zdf-neo.jpg

Die Sommerpause ist vorbei und das "Neo Magazin Royale" sendet endlich wieder. Natürlich reden alle nur über die Ankündigung, dass Olli Schulz und Jan Böhmermann die fast schon legendäre Hipster-Talkshow "Roche & Böhmermann" wieder aufleben lassen. Wir freuen uns selbstverständlich auch. Man könnte sich auch über die technischen Probleme aufregen, die der Show den Anfang bzw. die Saison-Premiere zerbröselten. Vor allem muss man aber erst einmal feststellen: Das war die schwächste Böhmermann-Sendung seit sehr, sehr langer Zeit.

Anzeige

Der Start in die neue Spielzeit fiel natürlich denkbar mies aus. Wegen eines technischen Versehens spielte der Sender erst die letzte Sendung vor der Sommerpause ab. Erst nach einigen Minuten wurde der Fehler erkannt und behoben. Damit war die erste Vorfreude schon mal dahin.

Als es dann endlich losging war die Spannung schon in leichte Ungeduld gekippt. Der Opener dimmte sie dann weiter. Böhmermann wurde das Opfer der guten Tat. In den vergangenen Jahr schuf er sich den Ruf, der Meister der Ende-der-Sommerpausen-Videos zu sein. Seine Einstiegsclips in eine neue TV-Saison waren große Inszenierungen und ein furioser Mix aus Medien-Meta-Operette und Intellektuellen-Comedy auf Speed.

In diesem Jahr eröffnete er die neue Staffel mit Heavy Metal und dem Versuch, Til Schweiger, Dieter Nuhr & Co. zu ärgern, die den Sommer „besoffen auf Facebook“ verbracht hätten. Das war lustig und kurzweilig, allerdings mehr ein Gag-Presslufthammer statt eines leicht geführten Witz-Floretts.

Dann hätten geneigte Zuschauer gern für rund 15 Minuten umschalten können. Böhmermann produzierte Langeweile. Gleich mehrmals ließ er sich darüber aus, dass in der Sommerpause, seinem selbst auferlegten „Witzefrei“, ja so viel passiert sei, dass er fast täglich eine ganze Sendung damit hätte füllen können. Tja, hätte er mal. Nach dieser Litanei folgte kaum eine treffende Pointe.

Gleich zweimal mussten Mitarbeiter der Produktion für leidlich lahme Gags herhalten. Ein Kollege aus der Bildundtonfabrik hatte in den vergangenen Monaten einige Kilos abgenommen. Oha. Großes Geheimnis: Wie hat er das gemacht? Antwort: Er ist jetzt heroinabhängig. Passender Facebook-Kommentar zu dem Joke: „gähn“. Ähnlich uninspiriert kam die neue Rubrik daher, in der ein Mitarbeiter seinen Lieblingswitz erzählt.

Die Sendung nahm erst Fahrt auf, als Olli Schulz endlich auf die Gästecouch durfte. Dann konnte das eingespielte Radio-Duo aufdrehen und die News der kommenden gemeinsamen Talkshow verkünden. Schlagartig wurde es lustig. Man lästerte etwas über Charlotte Roche, ohne ihren Namen zu nennen, über Joko und Klaas und Schulz’ alte Sendung („Schulz in the Box“), ohne deren Namen zu nennen und über Nena und andere Stars, die man natürlich beim Namen nannte.

So schön die lustige Talkshow-Anküdigungsrunde auch war. Sie erinnerte an Stefan Raab und seine PR-Einsätze in eigener Sache, wenn er mit Hilfe von „TV Total“ seine weiteren Projekte befeuerte. Wie Böhmermann zu Raab steht, zeigt allerdings gerade dieses gehässige Bild, dass der ZDF-Moderator in den sozialen Netzwerken platziert hatte.

Zusammengenommen lieferte Böhmermann einen mauen Start in die neue Spielzeit. Man konnte fast meinen, der Moderator und sein Team litten noch immer unter dem selbst auferlegten Witzefrei. Die Show war nicht lustig. Die Pointen waren lahm und zündeten nicht.

Das muss aber keine schlechte Nachricht sein. Denn so hilft die erste Sendung nach der Sommerpause uns allen. Sie zeigt nämlich, dass es Böhmermann nicht anders geht, als den meisten Angestellten. Die Rückkehr nach Sommerferien in den Büroalltag ist schwer, auch wenn wir selbst gefühlt nie im Urlaub waren, weil wie ja den ganzen Sommer trotzdem bei Facebook verbracht haben – einige möglicherweise sogar besoffen.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Das zettdeäff im Sommerloch. Falsche Kasette, falscher Zungenschlag bei Böhmermann. Was eigentich ist an dem Klamaukmoderator gut, wieso macht meedia einen solchen Hype aus diesem öffentlich-rechtlichden Murks?

  2. Viel schlimmer ist, was nach Böhmermann passiert ist. Offenbar hat die Ablauf-Regie im „ZDF Tower“ in Meeeenz tv-total gepennt. Serien-Trüffelschweinen wurde der Staffelauftakt von „House of Lies“ versaut, weil eine gefühlte Ewigkeit nur Atmo zu hören war. Erst nach etwa 10 Minuten scheint es ein Praktikant gemerkt zu haben. Dann wurde der Schläfer in der Regie geweckt und die Tonspur aufgezogen.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige