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Haltet den “digitalen Hühnerdieb”! – Julian Reichelt und die hohe Kunst der Kollegen-Schelte bei Twitter

„Digitalwer Hühnerdieb!“ „Klaubude!“ „Gossen-Troll!“
"Digitalwer Hühnerdieb!" "Klaubude!" "Gossen-Troll!"

Bild.de-Chef Julian Reichelt lehrt die hohe Kunst der Kollegen-Schelte auf Twitter. Die Gala nimmt ihr Sommer-Sonderheft mit geschwärzten Preisen huckepack. Closer probiert, ob es in Print genauso geschmacklos zugehen kann wie im Social Web. Und Abendblatt-Chef Lars Haider und Dieter Matz machen aus ihrer gegenseitigen Wertschätzung keinen Hehl. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Bild.de-Chef Julian Reichelt regt sich bei Twitter und Facebook oft auf. Diese Woche hielt er den Machern des Bildblog vor, sie seien “Schreibtischideologen” und “Verleumder”. Grund war ein Artikel des Bildblog, der die Berichterstattung der Bild zur Flüchtlingsproblematik kritisiert und behauptet hatte, Bild würde Hass gegen Flüchtlinge schüren. Die ganze Aufregung ist vermutlich nicht gut für den Blutdruck von Julian Reichelt aber manchmal  kommen bei diesem ganzen Twitter-Gezoffe auch ganz lustige Beschimpfungen bei rum. So bezeichnete Julian Reichelt wenige Tage vor der Bildblog-Affäre Daniel Steil, den Chefredakteur von Focus Online und früheren Bild-Mitarbeiter als “digitalen Hühnerdieb”, weil Focus Online sich doch recht gerne von kostenpflichtigen Bild-Plus-Stories – sagen wir mal – inspirieren lässt.

Und überhaupt: Focus Online ist in den Worten von Julian Reichelt eine “Klaubude”:

Wobei der Tweet in Richtung des Focus-Print-Chefredakteur Ulrich Reitz recht sinnlos sein dürfte, da Focus Online und Focus Print außer dem Namen ziemlich wenig miteinander zu tun haben.

Wer sich bei Twitter immer so aufregt wie Julian Reichelt, der kriegt’s natürlich auch mal zurück. So bezeichnete der sonst eher zurückhaltende Guardian-Digitalchef Wolfgang Blau Julian Reichelt unlängst als – hui – “seinen Gossen Troll”, was Reichelt sofort mit einem genialischen Namenswitz parierte.

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“Digitaler Hühnerdieb” ist bisher aber meine Lieblings-Beleidigung in Medienkreisen. An Steils Stelle würde ich mir das auf ein T-Shirt drucken lassen.

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Anfang Juli verschickte Gruner Gala eine stolze Pressemitteilung, dass es nun das supi-dupi Sommer-Sonderheft Gala Beach gibt. 130.000 werde das gedruckt und für vier Euro pro Stück drei Monate lang im Handel verkauft. Es geht aber auch billiger. Die Gala Beach liegt zumindest Teilen der aktuellen Gala-Auflage eingeschweißt als Bundle bei. Für den Gala-Preis von 2,90 Euro bekommt man also das vier Euro teure Beach-Heft dazu. Zack! Schon wieder vier Euro gespart! Bei dem kostenlosen, eingeschweißten Beach-Heft hat man sich zudem die Mühe gemacht, den Verkaufspreis von ehemals vier Euro von Hand mit schwarzem Stift wegzumalen. Eine Vorgabe von Handel und IVW. Laut G+J-Pressestelle ist das ein ganz üblicher Vorgang. Oder wie es in Verlagssprech heißt: “Ein gelernter Marketing-Prozess für Neukunden-Gewinnung”.

Bei TV Movie hatten sie vermutlich keine so schöne Woche in der Social Media Redaktion. Dieses geschmacklose Clickbaiting-Posting, bei dem man aus der Krebs-Erkrankung des Moderators und Publizisten Roger Willemsen eine Art Promi-Quiz gezimmert hat, war aber auch wirklich daneben. TV Movie und Bauer haben sich bei Facebook für das Posting entschuldigt und dazugeschrieben, das Posting entspreche nicht den “Social Media Standards, die die Bauer Xcel Media Deutschland für ihre Titel erstellt hat”. Man kümmere sich darum, dass Standards stärker überprüft und eingehalten würden. Naja. Wie glaubwürdig oder eben nicht diese Aussage ist, lässt sich mit Blick auf andere Facebook-Veröffentlichungen der TV Movie leicht beurteilen. Aber bei Sichtung der aktuellen Titelseite der Bauer-Zeitschrift Closer dachte ich mir, dass man dort vielleicht auch mal gewisse “Standards” prüfen, bzw. einführen sollte. Achten Sie bitte inmitten der ganzen Hass-Skandal-Schock-Krank-Mixtur besonders auf den Anreißer rechts oben: “Mein Papa ist ein Sextourist”. Wir lernen: Nicht nur im Social Web kann man sich als Medium gehörig daneben benehmen:

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Mit Twitter-Geschimpfe hat dieser Wochenrückblick begonnen, dafür geht er umso geschmeidiger zu Ende. Das, äh, stolze Hamburger Abendblatt geht mit dem digitalen Klingelbeutel herum und hätte von den Lesern des Fußball-Blogs “Matz ab” gerne 100.000 Euro, damit es weitergehen kann. Warum, wieso, weshalb erläutern Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und der namensgebende Ex-Sportchef des Abendblatts, Dieter Matz in einem YouTube-Video. Mal ganz abgesehen davon ob diese Art des Finanzierungsversuchs für einen Großverlag schlau ist oder nicht: Das Video ist vor allem wegen des Anfangs lehrreich. In der ersten Minute können angehende Medien-Professionals lernen, wie man sich als Chef und Mitarbeiter nach allen Regeln der Kunst gegenseitig bewienern kann.

Weil es so schön ist, hier nochmal zum Mitlesen:

Dieter Matz: “Bitte regt Euch nicht darüber auf, dass ich meinen Vorgesetzten duze. Aber er war vor rund 30 Jahren mal mein Praktikant. Damals hab’ ich ihm schon gesagt, er wird irgendwann mal Chefredakteur des Abendblatts …

Lars Haider: “… weil ich Dein Praktikant war.”

Dieter Matz: “Wie bitte?”

Lars Haider: “Weil ich Dein Praktikant war. Wahrscheinlich. Bin ich dann Chefredakteur geworden.”

Dieter Matz: “Nein, nein, nein. Du warst so gut und so überragend, dass ich Dir prophezeit habe, Du wirst irgendwann mal Chefredakteur des Abendblatts und Du bist es geworden.”

Ich wünsche Ihnen allen ein überragendes Wochenende!

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