„Wir sahen zu getragen und altbacken aus“: Wie Geo-Chef Kucklick den grünen Klassiker überarbeitet

Geo-Chefredakteur Christoph Kucklick
Geo-Chefredakteur Christoph Kucklick

Back to the roots – zumindest beim Cover: Vor gut einem Jahr übernahm Christopher Kucklick die Chefredaktion von Geo. Jetzt legt er ein völlig überarbeitetes Heft vor. Das Cover ist ein Rückgriff auf die Titelseiten aus den 80er Jahren, das Layout ist spielerischer, die Texte bieten mehr Einstiegspunkte und auch die Themen-Mischung wirkt lockerer. Ziel der Umbauarbeiten: Das grüne Geo soll wieder moderner und für verlorene und neue Leser attraktiver werden.

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Grundsätzlich ist Kucklick noch immer voll von seinem Produkt überzeugt: „Wir sind nach wie vor eine extrem starke Marke. 90 Prozent unserer Leser halten die Qualität von Geo für sensationell“, erklärte er gegenüber MEEDIA. „Die Leute lieben uns. Aber an ein paar Stellen können wir uns natürlich verbessern und die sind wir angegangen“.

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Dabei geht es dem Blattmacher mehr um Kontinuität durch Wandel, statt um eine radikale Umpositionierung. Künftig solle das Magazin wieder moderner wirken. „Wir sahen etwas zu getragen und altbacken aus“. Deshalb lockerte Kucklick die Heftstruktur auf und gibt sich redlich Mühe, dass die Redaktion und ihre Geschichten etwas „weniger abgehoben und distanziert“ daherkommen.

Im Ablaufschema des Magazins folgt nach den ersten fotolastigen Doppelseiten nun der Teil „Horizonte“. Er soll eine abwechslungsreiche Reise um die Welt in kurzen Geschichten und Rubriken bieten. Dann folgen die größeren Stücke. Von hinten in die Mitte rückte das „Geoskop“. Diesen Teil drucken die Hamburger auch auf anderem Papier.

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Thematisch berichtet die überarbeitete Ausgabe diesmal über ein blindes Mädchen aus Berlin, die mit ihren Ohren sehen kann. Es geht um Pilze und den wohl letzten unentdeckten Flecken in Afrika. Titelgeschichte ist „Deutschland Remixed“. Eine Story darüber, wie sich hierzulande immer mehr Ethnien mischen. Dabei punktet die Strecke vor allem mit beeindruckenden Bildern. Geschickt in den sozialen Medien gespielt, könnte die Titelgeschichte in der aktuellen Flüchtlingsdebatte auch für eine interessante Erweiterung der Diskussion sorgen.

Sowohl der Themenmix, als auch der Sound der Geschichten, sind aber beileibe keine Revolution. Inhaltlich befindet sich der grüne Klassiker schon lange in einem Prozess des Wandels. „Geo ist groß geworden mit ‚Ich zeig Dir die Welt, die Du sie noch nicht kanntest'“, sagt Kucklick. „Das ging auch deshalb, weil sie bis dahin ungooglebar war. Geo hat vielen Menschen Ungesehenes gezeigt. Das geht heute so nicht mehr“. Dennoch sei aber auch der Wunsch nicht verschwunden, es genauer wissen zu wollen oder ein überraschendes Thema zu lesen, meint der Chefredakteur. „Wir sind schon lange kein Erdkunde-Magazin mehr. Die Welt ist entdeckt. Wir haben unser Spektrum schon vor Jahren um Psycho- und Gesellschaftsthemen erweitert.“

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Trotzdem ist der Relaunch auch eine Rückbesinnung. Das zeigt schon das Cover. „Wir haben uns von den frühen Geo-Jahren inspirieren lassen, vergrößern unser Markenzeichen, den grünen Rahmen – und heben durch die matte Einfassung das Titelbild hervor und damit das, wofür Geo weiterhin mehr als jede andere Zeitschrift steht: die überragende Qualität der Fotografie“, erklärt der Chefredakteur in seinem Editorial.

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Auch wenn die Hamburger fest glauben, noch immer eine „extrem starke Marke“ zu haben, griffen in den vergangen Jahren immer weniger Käufer zu. Innerhalb von vier Jahren schrumpfte die Gesamtauflage in vier Jahren von 307.548 Exemplaren auf 242.561 Hefte. 2004 verkaufte sich das grüne Magazin noch über eine halbe Millon mal pro Monat.

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„Wir sind davon überzeugt, wenn wir wieder moderner und zeitgemäßer wirken, gewinnen wir auch wieder Leser zurück“. Welche das sind – oder sein sollen – weiß der Blattmacher sehr genau. „Wir haben nicht eine einzelne Zielgruppe definiert, die wir unbedingt erreichen wollen“. Stattdessen könne man die Leser mit einem Wort beschreiben: „Die Neugierigen“. Weiter sagt er: „Uns läuft die Vorstellung hinterher, dass Geo so staatstragend wäre. Wir haben gar nicht das elitäre Publikum, dass uns immer unterstellt wird.“

Dem neuen Heft sieht man durchaus an, das es künftig lockerer und weniger distanziert sein will. Noch mehr Mut, noch mehr spielerische Elemente und vor allem ein noch modernerer Reportage-Stil könnte der grüne Klassiker aber durchaus vertragen. Die Leser verlangen sicherlich nicht, dass Geo nur noch Ich-Berichte in einem gewollt coolen Vice-Duktus druckt. Doch weniger Distanz zum Leser und zum Objekt der Berichterstattung täte gut. Mehr Gefühl statt kühler Beschreibung wäre für Kucklick und sein Team ein probates Mittel, um noch schneller das Image als gut abgehangene Oberlehrer-Lektüre loszuwerden. Auch Neugierige erreicht man wohl am einfachsten über Emotionen.

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Nicht nur bei der harten Printauflage will der neue Chefredakteur wachsen. Grundsätzlich soll die Marke Geo viel mehr Neugierige erreichen. Dabei hat er vor allem die Smartphones von Pendlern oder entspannten Sofa-Surfern im Blick. „Wir wollen dahin, wo die Augen hingehen“. Ob auf Papier oder auf den Mobil-Geräten. Im Herbst soll deshalb eine überarbeitete Version des E-Magazins, dass dann auch auf kleineren Handy-Displays für bestes Lesevergnügen sorgt, kommen.

Zudem ist ein Online-Relaunch und ein Ausbau der Social-Media-Aktivitäten geplant. Damit auch immer mehr Facebook-Nutzer anfangen können, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

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Alle Kommentare

  1. Lasst es doch gleich von Dagi Bee und LeFloid machen. Meine Güte, diese Angst vor der Seriosität! Ein langer Text ist nichts Schlimmes. Heyhey!

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