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Til Schweiger bei Sandra Maischberger: TV-Skandälchen auf kleinstmöglicher Flamme

Til Schweiger und Andreas Scheuer (CSU) bei „Menschen bei Maischberger“
Til Schweiger und Andreas Scheuer (CSU) bei "Menschen bei Maischberger"

Er war nur zugeschaltet, aber Til Schweiger sorgte bei der “Menschen bei Maischberger”-Sendung zum Thema Flüchtlinge für den programmierten Aufreger. Zum CSU-Generalsekretär blökte er “Sie gehen mir auf den Sack” und die Medien flippten aus. Dabei hat sich Schweiger hinterher sogar artig entschuldigt.

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Für den TV-Talkshow-Chronisten war es der Oho-Moment der “Menschen bei Maischberger”-Sendung vom gestrigen Dienstag. Til Schweiger – wegen laufender Dreharbeiten aus Hamburg zugeschaltet – sagte in Richtung CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer “Sie gehen mir auf den Sack!” Das Zitat machte seine Runde durch Bild.de, stern.de, Focus.de, Welt.de usw. Zusammen mit dem Wort “Ausraster” bzw. der Umschreibung “rastet aus” war schnell ein TV-Skandälchen auf kleinstmöglicher Flamme zusammengeköchelt. Für ein paar billige Klicks dürfte es reichen. Immer noch besser, als die Krebserkrankung einer bekannten Persönlichkeit für Klick-Baiting zu benutzen, aber auch nicht gerade gehaltvoll.

Dabei ist das gar nicht einfach, sich diesem Mechanismus zu entziehen. Til Schweiger hat in den vergangenen Tagen mit seinen Äußerungen zum Thema Flüchtlinge für viel Aufmerksamkeit gesorgt, ebenso die NDR-Moderatorin Anja Reschke mit ihrem “Tagesthemen”-Kommentar. Nun waren beide zu Gast bei “Menschen bei Maischberger”. Da werden die TV begleitenden Medien hellhörig. Reschke plus Schweiger plus Flüchtlinge ist gleich Aufregerthema ist gleich Klicks. So geht die Gleichung, die keinem in der Branche fremd ist.

Also wurde geguckt und protokolliert und pflichtschuldigst aufgeschrieben, dass der Schweiger “ausgerastet” ist. Dass der Bub sich am Schluss dann noch beim CSU-Scheuer entschuldigen musste, ja mei, das wäre jetzt für den “Ausraster-Aufreger” nicht unbedingt nötig gewesen aber man nimmt’s halt mit. Chronistenpflicht.

Durch solche Aufreger-Effekte wird leider das Thema selbst sehr überlagert. Man kann es sich als Talk-Redaktion einfach machen und Til Schweiger einladen. Wenn man es schafft, ihn zu bekommen, ist die Sache praktisch gelaufen. Nun braucht man nur noch eine Person, über die sich Schweiger aufregen kann, was nicht sehr schwer ist. Im aktuellen Fall war das der CSU-Politiker. Doch hätte der keine Zeit gehabt, wäre die AfD-Frau Frauke Petry als Schweiger-Antagonistin Gewehr bei Fuß gestanden. Man kann ziemlich sich sein, dass Schweiger sich aufregt und “ausrastet” – er ist halt so emotional. Schlagzeilen und Aufmerksamkeit sind garantiert.

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Bloß: Was bringt das? Jeder, der die Maischberger-Sendung gesehen hat oder die Protokolle in den einschlägigen Medien gelesen hat, wird darüber reden, wie Til Schweiger “ausgerastet” ist. Dass nebenbei noch Roland Tichy und Sevim Dağdelen, die migrationspolitische Sprecherin der Linken, zu Gast waren, hat man fast schon wieder vergessen. Und dass kurz vor Mitternacht noch ein echter Flüchtling – natürlich top-integriert, macht Musik, spielt Fußball, hat Arbeit – und die Leiterin des Pflegeheims, in dem er arbeitet, als Betroffene auftauchten, war den allermeisten Rezensenten noch nicht mal mehr eine Erwähnung wert. Es war halt auch schon spät und die Schalte zum Til war zuvor aus Zeitgründen abgeschaltet worden, vermutlich hatte der eine oder andere vor dem Schirm auch abgeschaltet. Die Texte zum “Ausraster” mussten schließlich raus.

Nicht, dass man da am Schluss von dem Betroffenen noch was Neues erfahren hätte. Der oder die Betroffene gehört zum Must-have Accessoire einer Talkshow mit dem Thema Flüchtlinge. Es ist die alte Talkshow-Krankheit: zu viele festgefahrene Rituale, zu viele Gäste mit zu wenig zu sagen.

Am Ende kam dann immerhin raus, dass sowohl die CSU als auch die Linke gegen ein Einwanderungsgesetz sind. Die CSU, weil sie Angst haben, dass dann noch mehr kommen. Die Linke, weil sie Angst haben, dass dann nicht mehr alle kommen können. Frau Maischberger hielt diesen schrägen, überparteilichen Konsens  als Ergebnis fest und beendete die Show, weil die Sendezeit zu Ende war. Zeit wurde es. Der Til war ja eh schon weg.

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Alle Kommentare

  1. Zwar hat sich Til Schweiger sofort am Ende seines Beitrages bei Frau Maischberger entschuldigt, doch in seinen politisch korrekten Floskeln ist er allzu durchsichtig. Als Schauspieler fällt es ihm sehr leicht, Empörung zur Schau zu stellen. Er ist instrumentalisiert – ob bewußt oder unbewußt, ist völlig belanglos.

    Das Institut-fuer-Asylrecht.de hat Anzeige erstattet gegen den Schauspieler Tilman Valentin Schweiger: http://www.Institut-fuer-Asylrecht.de/26507.pdf

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

  2. Das Handelsblatt charakterisiert ihn als AntiFa-Brüller und kontraproduktiv für das Thema.

    Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. OK, ausser der Frage warum sein super Flüchtlingsheim-Venture eine Gewinnabsicht hat.

    Besser, er konzentriert sich wieder auf seine Kassengift-Filme und Tatort-Auftritte. Solche „Wodka-Jenny“-Auftritte verursachen Fremdschämen. Und Mitleid, ein Stück weit …

  3. Hat ein Til Schweiger es wirklich nötig derart proletenhaft in einem Telefoninterview aufzutreten?
    Muss man unpassende Ausdrücke der untersten Schublade bei
    einer TV Talkrunde platzieren um am nächsten Tag in den Medien ganz vorne zu stehen?
    Seine Initiativen zur Linderung der Flüchtlingsproblematik sind ja lobenswert
    aber die Grundzüge von Anstand und Grenzen von Arroganz sollte man auch
    als „Promi“ wahren

    1. Also ich sehe da nicht wirklich einen Proleten in der Videoschalte, sondern eher einen Menschen, den das Thema emotional mitnimmt. Und Initiative zeigt und als Vorbild vorausgehen möchte und andere zu mobilisieren versucht und das mit klaren Worten.

      Inhaltlich decken sich seine Aussagen mit meiner Meinung zu nahezu 100 % (USA als Konfliktgenerator, EU-Länder die nicht solidarisch sind, das wir gar nicht in der Lage sind alle aufzunehmen, Deutschlands Vergangenheit und aktuelle Lage, etc.).

      Und regen wir uns nicht alle auf (egal auf welcher Seite wir stehen), wie Politiker um das Thema herumeiern und keine praktikablen Lösungsansätze bringen – die dann auch noch umgesetzt werden?

      Und egal ob seine Wortwahl meine wäre oder nicht … er hat den CSUler nicht beleidigt oder herabgesetzt, was jener hingegen zu Beginn auf äußerst arrogante Art und Weise mit Til Schweiger sehr wohl versuchte. Nur doof, dass es dem „dummen“ Til aufgefallen ist und er das klar gestellt hat. Ich sehe hier einen sehr wachen Verstand der Position ohne zu viel Populismus bezieht.

      Mir ist aber auch klar, dass das nicht jeder mag. Und wenn man ihn jetzt nur auf Grund seinen Verhaltens zu reduzieren bzw. diskreditieren versucht, kann ich das nicht nachvollziehen, da er inhaltlich weitsichtiger agiert und redet als all die verbohrten rechts- und linksgerichteten.

      Mir persönlich ist es lieber wie der Til Schweiger das thematisiert, als all das diplomatische Rumgeeiere von Politikern, die weder sich selbst noch ihre Partei in Gefahr bringen wollen, was es die nächste Wahl angeht.

      1. Ich bin nicht ganz im Thema „Menschen bei Maischberger“ drin. Wie im öffentlich rechtlichen Fernsehen die politischen Talkshows ablaufen, stößt mich sowieso ab. Insbesondere MbM ist mir zu krawallig. Ich erkenne den Sinn nicht. Ich habe den Anspruch, am Ende der Show einen Erkenntnisgewinn zu haben. Wenn ich die Berichterstattung über die gestrige Sendung mit Herrn Schweiger lese (habe sie selber nicht gesehen), dann scheint wohl entscheidend gewesen zu sein, dass Herrn Schweiger etwas auf den Sack gegangen ist. War sonst noch was Wichtiges?

  4. Ich hatte mal einen Freund, der hatte ähnliche Charakterzüge wie Til Schweiger. Er lebten mit dem Spruch: „Ich kann meinen Träumen von einer gerechten Welt nicht kündigen, ich schulde ihnen mein Leben.“ Gerne wäre mein Freund mit seinen Lebensvorstellungen auch einmal im Fernsehen aufgetreten. Leider ist er kein erfolgreicher Filmemacher.

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