„Moralische Grenzüberschreitung“: Bild und Greuther Fürth streiten wegen Krankenhaus-„Überrumpelung“ bei Fußball-Profi

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Bild.de-Boss Julian Reichelt ist sauer. Diesmal jedoch nicht auf das Bildblog, sondern auf Greuther Fürth. In einer Stellungnahmen zur Bild-Berichterstattung wirft der Zweitligist dem Boulevard-Blatt vor, eine "klare, moralische Grenze überschritten" zu haben, weil ein Journalist den am Kopf operierten Kicker Bastian Lerch im Krankenhaus "besucht oder besser gesagt überrumpelt" habe. Das Problem: Sowohl die Eltern des Profis, als auch sein Berater hatten dem Termin zugestimmt.

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Ausgangspunkt der ganzen Aufregung ist das Horror-Foul an Lerch. Der Keeper war am Samstag beim Regionalliga-Spiel gegen den TSV Buchbach vom gegnerischen Stürmer Stefan Alschinger brutal am Kopf getroffen worden. Dabei erlitt er ein offenes Schädel-Hirn-Trauma. Deshalb musste er in der Nacht zum Sonntag operiert werden. Am Montagabend wurde er zumindest von der Intensiv- auf eine normale Station verlegt. Bereits am gestrigen Dienstag signalisierte er, dass es ihm wieder „eigentlich ganz gut“ gehe.

Die Bild hatte den „jungen Torwart“ direkt nach der Operation besucht. Headline der Story: „Bild beim Loch-im-Kopf-Torwart

Dieser Artikel erzürnte den Verein derart, dass er nun in seiner Mitteilung schrieb:

Am Montag wurde allerdings im Fall Bastian Lerch eine Grenze überschritten, die die Verantwortlichen der SpVgg Greuther Fürth nicht hinnehmen wollen. Ein Bild-Reporter hat in der Uniklinik Erlangen den am Kopf operierten Bastian Lerch besucht oder besser gesagt überrumpelt. Zwar mit der Zustimmung des in dieser Situation wohl überforderten Spielerberaters, der unter Schock stehenden Eltern und des letztlich verdutzten Spielers, der gerade von der Intensivstation in eine normale Abteilung verlegt wurde.

Weil der Verein, der zuvor als Ansprechpartner diente, erst nachträglich informiert worden sei, ist für die Verantwortlichen der Spielvereinigung eine „klare, moralische Grenze überschritten worden“. Weiter heißt es: „Einen jungen Menschen, der erst Samstagnacht am Kopf einen neurochirurgischen Eingriff über sich ergehen lassen musste, und zwei geschockte Personen so zu überrumpeln, wollen wir als Verein nicht hinnehmen und werden deshalb unsere Konsequenzen daraus ziehen“. Juristische Konsequenzen können das wohl kaum sein. Denn wie die Fürther selbst schreiben, lag eine Einverständniserklärung vor.

In diese Richtung zielt auch die Antwort von Reichelt: „ALLE Beteiligten haben ZUGESTIMMT und werden nun vom Verein für unmündig erklärt. Armselig, Fürth“. In einem zweiten Tweet legt der Bild.de-Chefredakteur noch einmal nach: „Vier Erwachsenen öffentlich ihren Verstand abzusprechen – DAS ist eine moralische Grenzüberschreitung“.

In einem ersten offiziellen Bild-Statement heißt es: „Die Stellungnahme des Vereins Greuther Fürth ist für uns nicht nachvollziehbar. Bild hat – wie der Verein ja auch selbst schreibt – sowohl das Einverständnis des Beraters, als auch der Familie und des Spielers. Der Spielerberater von Bastian Lerch versicherte Bild gegenüber heute noch einmal, dass der Krankenhausbesuch wie abgesprochen ablief.“
Die Erklärung der Spielvereinigung endet mit dem Vorwurf in Richtung der Boulevard-Profis: „Sorry, liebe BILD, diese Form des Sensationsjournalismus geht in unseren Augen überhaupt nicht. Spieler und Trainer werden immer nur als Hochleistungs-Maschine gesehen, in Hochzeiten bejubelt, in schlechten Phasen kritisiert. Damit muss man im Profifußball leben. In diesem Fall wollen wir das nicht. Es gibt Grenzen und die wurden dieses Mal deutlich überschritten.“

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Alle Kommentare

  1. Das „meedia“ Portälchen reiht sich also in die Reihe der Zensierer unliebsamer harter Meinungen ein.
    Pfui Deifel!
    Was für ein Geschmeiss sich heute Medienmacher nennt!
    Widerwärtigst!

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