Hamburger Abendblatt will von Lesern hunderttausend Euro für HSV-Blog „Matz ab“

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Eigentlich sammeln Independent-Projekte Geld via Crowdfundig ein, um ihre journalistischen Visionen umsetzen zu können, weil sie keinen eingesessenen Verlag von ihren Ideen überzeugen konnten. Das Hamburger Abendblatt dachte sich wohl: Was die Crowdspondents oder Tilo Jungs können, wollen wir auch und bitten jetzt die Leser um finanzielle Unterstützung für das HSV-Blog "Matz ab". Chefredakteur Lars Haider verlangt hunderttausend Euro, damit es weitergeht.

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Beim Aufruf der Seite des Blogs findet sich nun ein Layertext. In ihm heißt es: „Fußball lebt von den Fans – und unser Blog natürlich auch. Damit wir Euch weiter täglich Geschichten direkt vom Platz, aus dem Trainingslager oder per Video-Analyse live nach Abpfiff anbieten können, brauchen wir Eure Unterstützung!“. So muss das Team um Ex-Sportchef Dieter Matz bis zum Jahreswechsel 99.999 Euro einsammeln, „um die jährlichen Kosten, zum Beispiel für Personal, Technik oder Fotos zu decken“.

Weiter heißt es: „Wenn jeder von Euch für die kommende Saison mit 18,87 Euro dabei wäre, können wir Euch in Zukunft wie gewohnt mit Infos und Videos versorgen. Selbstverständlich sind uns auch kleinere Beträge willkommen – genauso wie größere. Parallel kümmern wir uns um Firmen-Sponsoren.“

Der Schritt ist auch deshalb ungewöhnlich, weil das HSV-Blog eigentlich als voller publizistischer Erfolg gilt. In einem Video-Interview erklärt Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider selbst, dass „Matz ab“ mittlerweile auf rund 20 Millionen Visits pro Jahr kommt. Pro Monat kommt die Seite auf rund 200.000 Unique Visitors.

Nach Meinung von Haider ist die Spendenaktion notwendig, weil aus dem kleinen Blog ein kleines Unternehmen geworden ist, für das es aber noch nicht gelang, genügend Erlösquellen zu erschließen, um zumindest ein Teil der Kosten zu decken.

Bislang hatte das Sportjournal insofern eine gewisse Sonderstellung, da Online-Angebot des Abendblatts eigentlich hinter einer Paywall liegt. „Matz ab“ war aber stets frei zugänglich.

Am Ende des Bittbriefes stehen die Kontoinformationen für potentielle Spender. Als Empfänger müssen die Unterstützer die Zeitungsgruppe Hamburg GmbH in den Überweisungsträger eintragen. Die Buchhalter der Funke-Gruppe hätten sich vor einiger Zeit wohl bestimmt nicht träumen lassen, dass sie schon bald Spendengelder verbuchen würden, damit eines ihrer Verlagsprojekte weiterbestehen kann.

Haider selbst will mit gutem Beispiel vorrangehen und verspricht für jedes Tor, das der HSV in der Vorrunde schießt, zehn Euro für das Blog springen zu lassen. Sollte der Hamburger Sportverein in der gerade gestarteten Vorrunde ähnlich offensivschwach auftreten wie im Vorjahr, dürften sich die Kosten für den Chefredakteur in Grenzen halten.

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Alle Kommentare

  1. … „Partner aus der Wirtschaft zu finden (…) mal mehr mal weniger geglückt“ –
    Vielleicht ist nicht der richtige Zeitpunkt die Matzabber zu fragen – sondern mal was anderes zu bieten, wofür es sich lohnt auch Geld zu bezahlen ?

    Was passiert eigentlich wenn die 99k aufgebraucht sind ? Noch ne Runde Funden ? Klingt halt besser als, als ein Abo zu verkaufen ..

  2. Das Problem ist nicht der Blog selbst, sondern sind seine Autoren und User. Die Blogbeiträge sind einerseits zunehmend lieblos einfach so hingeflasht. Andererseits besteht der langjährige Userstamm, wohl rund 100 regelmäßige Schreiber, aus unendlichen Spaßmachern, Besserwissern oder müden Nighthawks, schlaflos im Rautenkrieg, sowie einer Reihe von HSV-Hatern (vergl. Mobbing gegen den Blog-Gründer und Namensgeber), die diesem Blog in seiner Wirkung eine Dynamik hin zu einem HSV-Antibiotop gegeben haben. Dagegen wacker anschreibende HSV- bzw. Fußballexperten sind weitaus in der Minderheit oder haben den Blog längst verlassen. Gefragt ist also neben dem neuen Marketing auch eine redaktionelle Frischzellenkur der an sich gut eingeführten Marke „Matz ab“, die im Vergleich zur Landschaft der Fußballblogs mit ihren interessanten neuen und noch ausbaufähigen Blogelementen durchaus wieder besser glänzen könnte. Vielleicht sogar ohne Cash seiner Leser und Schreiber. Andererseits fällt der Dino eben auch aus der Zeit.

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