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„Posthume mediale Vergewaltigung“: Mannheimer Morgen macht Kreuzworträtsel über Sexualmordopfer

Der Mannheimer Morgen hat ein fragwürdiges Kreuzworträtsel veröffentlicht, das als „phostume mediale Vergewaltigung“ kritisiert wird.
Der Mannheimer Morgen hat ein fragwürdiges Kreuzworträtsel veröffentlicht, das als "phostume mediale Vergewaltigung" kritisiert wird.

Die baden-württembergische Regionalzeitung Mannheimer Morgen hat ein Kreuzworträtsel zu Kriminalfällen aus der Region gebaut. Vergangene Woche hat das Blatt eine Version veröffentlicht, das das Opfer eines Sexualmords zeigt und und zum Bestandteil des Kreuzworträtsels macht. Nach öffentlicher Kritik hat sich die Redaktion entschuldigt.

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Vergangenen Freitag veröffentlichte die Zeitung ihr „Sommerrätsel“ als „Spaß für Kreuz- und Querdenker“. Das Besondere an dem Ratespielchen: Die Fragen drehen sich um „schlagzeilenträchtige Prozesse an Mannheimer Gerichten“.

Wie Hardy Prothmann im Rhein-Neckar-Blog festgehalten hat, dient als Aufmacher ein in der Region prominenter Fall aus dem Jahr 2013, wobei das Sexualmordopfer unzensiert gezeigt wird. Zu sehen ist Gabriele Z., eine litauische Studentin. Im Lösungswort des Rätsels wird ihr Herkunftsland gesucht. Darüber hinaus beschäftigt sich wohl auch der dazugehörige Rätseltext mit dem Fall. Prothmann gibt den Einstieg wieder: „18 waagerecht: Sie war erst 20 Jahre alt.“

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Lokalblogger Prothmann geht mit dem Mannheimer Morgen hart ins Gericht. Es fehle ein „Berichterstattungsanlass“, das Rätsel sei eine „posthume ‚mediale Vergewaltigung‘ der Gabriele Z.“ Chefredakteur Dirk Lübke wie auch die Polizeireporterin Angela Boll seien „journalistische Schwerverbrecher“. Die Zeitung verletze nicht nur Persönlichkeitsrechte, sondern störe auch die Totenruhe des Opfers. „Das ist widerlich pietätslos. Das ist brutal abgeschmackt. Das ist verwerflich verroht.“

In der heutigen Ausgabe hat sich nun der Mannheimer Morgen „in eigener Sache“ zu Wort gemeldet. Darin entschuldigt sich die Redaktion für eine „unsensible Veröffentlichung” und gibt zu, dass sich dieser Fall nicht für ein Rätselthema eigne. Auch diese Stellungnahme hat Prothmann veröffentlichtkritisiert aber, dass es keine persönliche Entschuldigung des Chefredakteurs gibt, und auch keine gegenüber Opfer oder Familie. Auf MEEDIA-Anfrage in der Redaktion heißt es, Lübke sei derzeit im Urlaub.

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