Rocket Internet: Kurscrash auf neue Allzeittiefs

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer
Rocket Internet-Chef Oliver Samwer

Der Absturz der einstigen Börsenüberfliegers Rocket Internet wird immer dramatischer. Das Mutterschiff der Samwers beschleunigte seinen Flug in immer tiefere Kursregionen auch gestern weiter und durchbrach dabei erstmals die 30-Euro-Grenze nach unten. Seit den Allzeithochs haben Aktionäre binnen eines Dreivierteljahres nun schon die Hälfte ihres Einsatzes verbrannt. Anlass für den neuerlichen Kursrutsch: Der Börsengang der Tochter Westwing lässt wohl länger auf sich warten.

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Ein neuer Exit ist nicht genug. In der vergangenen Woche noch machte die Meldung die Runde, dass die Rocket Internet-Tochter HelloFresh schon bald Börsenluft schnuppern könnte – vom Oktober war die Rede, die Blaupause aus dem Vorjahr mit den IPOs von Zalando und Rocket Internet selber drängte sich auf.

Doch ein Geldsegen ist dem Markt offenbar nicht genug: Aktionäre von Rocket Internet verlieren nach nicht mal einem Jahr an den Kapitalmärkten zunehmend die Geduld mit dem einst wertvollsten deutschen Internetkonzern, der den Spitzenplatz längst an die Beteiligung Zalando abgeben musste – tiefer und tiefer trudelt die vermeintliche Kursrakete.

Rohrkrepierer Rocket Internet: 49 Prozent binnen 6 Monaten an Wert vernichtet

Nachdem in der vergangenen Woche noch eine leichte Gegenreaktion beim Kampf gegen die Allzeittiefs zu beobachten war, brachen in den letzten Tagen die Dämme. Um gleich 5 Prozent wurden Anteilsscheine von Rocket gestern in die Tiefe geschickt – und damit in bislang unbekannte Kursterritorien. Nicht mal mehr 30 Euro werden für die Aktien der Berliner Internet-Beteiligungsgesellschaft bewilligt – bei 29,34 Euro stoppte der Kursticker im späten Handel am Frankfurter Börsenparkett.

Aktionäre, die im vergangenen Oktober noch Titel von Rocket zum Ausgabekurs von 42,50 Euro ins Depot gebucht bekommen hatten, haben damit nach jeder Lesart herbe Verluste erlitten: 31 Prozent wurden seit dem Börsengang an Wert vernichtet, seit dem Allzeithoch im Februar sind gar binnen eines halben Jahres gar 49 Prozent abhanden gekommen.

Reuters: Westwing-Börsengang verschiebt sich

Den Kursschub in neue Niederungen ausgelöst hat die Meldung der Nachrichtengentur Reuters, dass sich der noch für dieses Jahr erhoffte Börsengang der Möbel-Tochter Westwing wegen „anhaltend roter Zahlen auf unbestimmte Zeit verschiebt“.

Rocket Internet hält an Westwing, das als potenzieller Milliarden-Börsenkandidat gilt, eine Beteiligung in Höhe von 32 Prozent. Westwing arbeitet weiter defizitär – im ersten Quartal fiel ein operativer Verlust von knapp 19 Millionen Euro an.

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