„Bedauerlich, dass Fehler gemacht werden“: Facebook-Sprecherin äußert sich zu Hasskommentaren

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Die ganzen Folgen des "Tagesthemen"-Kommentars von Anja Reschke sind noch immer nicht ganz abzusehen. Klar ist nur, dass schon lange kein einzelner Meinungsbeitrag mehr eine solch hitzige Debatte im deutschen Web auslöste. Als besonders problematisch entpuppte sich dabei das Verhalten von Facebook gegenüber der Flut an Hasskommentaren. Jetzt klinkt sich die Facebook-Sprecherin in eine entsprechende Diskussion ein und erklärte den Standpunkt der US-Company – zumindest ein wenig.

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Am fünften August hatte die „Panorama“-Chefin in den „Tagesthemen“ die Zuschauer aufgefordert, den „Mund aufzumachen und Haltung zu zeigen.“ In Zeiten brennender Flüchtlingsheime dürften Hasskommentare bei Facebook & Co. nicht ignoriert werden.

“Wenn ich jetzt hier öffentlich sage: Deutschland soll auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen, was glauben Sie, was dann passiert?”, fragte Reschke provokant. “Schön wäre, wenn darüber sachlich diskutiert würde.” Aber sie ist sich sicher, von Hasskommentaren überrollt zu werden: “Scheiß Kanaken, wie viel wollen wir noch aufnehmen? Die soll man anzünden, all so was halt”.

Natürlich funktionierte ihr Meinungsbeitrag wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Das Web quillt seitdem über: vor Zustimmung, aber auch vor Angriffen auf die Journalisten.

Doch wie mit den bösen, beleidigenden und – teilweise – justiziablen Meinungsäußerungen umgehen? Diese Frage beschäftigt das Web, Nachrichtenseiten, die über Reschke berichten und auch Facebook. Denn längst ist der Umgang des US-Netzwerkes mit den Hasskommentaren zu einer sehr ernsthaften Debatten geworden.

Als erstes machte das Medienmagazin DWDL auf die massiven Probleme aufmerksam, die Facebook damit hat, Kommentare zu löschen, die von anderen Nutzern gemeldet wurden. Tatsächlich scheint es ungleich einfacher zu sein, nackte Haut von den Seiten der US-Company zu bannen als böseste Gewalt-Hetze. Alle Erklärungsversuche von Facebook in dieser Sache wurden von den meisten Nutzern als nicht ausreichend empfunden.

Jetzt äußert sich die deutsche Sprecherin des Social Networks noch einmal. Als Antwort auf eine kritische Nachfrage von Peter Greve, der sich darüber ärgerte, dass sich Facebook weigerte ein Posting zu löschen, schreibt sie:

Lieber Peter Greve – und gern schauen wir uns den o.g. post nochmal an – danke für’s schicken – kann das so nicht sagen. In dem Bemühen, die vielen Reports von Menschen auf Facebook, die wir jeden Tag erhalten, schnell und effizient zu bearbeiten, schaut sich unser Community Operations -Team jede Woche Hunderte von Tausenden von Reports zu Inhalten an. Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen und es ist bedauernswert, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden. Wir wissen, dass dies frustrierend sein kann.

Immerhin fällt das Wort „bedauerlich“, von einer Entschuldigung von Seiten Facebooks kann jedoch nicht die Rede sein. Diese Reaktion der US-Company wird – so viel scheint klar – nicht ausreichen, um den Ärger und die Frustration vieler Pro-Reschke-Kommentatoren zu besänftigen.

Facebook muss aufpassen, dass der laxe Umgang mit Hasskommentaren in Deutschland nicht zu einer ernsten und nachhaltigen Belastung des Images wird.

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Alle Kommentare

  1. Sehr richtig!

    Hier in der Bunten Republik legen wir Wert auf korrekte Kommentierung.

    Was unsere Medien schaffen sollte doch erst recht ein US-Konzern schaffen, der sein Seed Money u.a. von DARPA erhalten hat.

  2. Man könnte das Ganze auch so sehen: Durch die Hasskommentare wird klar, welch Geistes Kind viele Leute sind. Mir ist lieber, dass sich Menschenfeinde öffentlich und nachvollziehbar outen, anstatt sie durch das Löschen von Kommentaren anonym bleiben. Facebook ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Zensur ist da nicht die Lösung, denn die, die so kommentieren, gibt es weiterhin – auch, wenn ihre Kommentare nicht mehr bei Facebook lesbar sind.

  3. Es sprach der Zeitungsredakteur:
    Eine Schlagzeile muß her!
    Ich glaube fast das isse:
    „Hornist erschlägt Hornisse“.

    oder:
    Journalistik ist die Kunst, das Volk glauben zu machen, was die Regierung
    für gut findet..
    Heinrich von Kleist

  4. Der letzte Satz „Facebook muss aufpassen, dass der laxe Umgang […] nicht zu ernsten Belastung des Images wird. Bitte wie?
    … Nicht Facebook hat das Problem, das Problem hat Deutschland, haben wir Deutschen! Diese Hass-Kommentare unter gut gemeinten Artikeln zu lesen erschüttert und man fragt sich eigentlich nicht mehr, wie es ab 1933 so bergab gehen konnte mit der Moral. Der Ansatz ist richtig: Haltung wahren und solche Kommentare anzeigen – nicht nur bei Facebook.

    1. So wahr !

      Wenn man zusehen muss wie die demente Masse die Diskurs-Phrasen wiederkäut und bei „Umfragen“ dann stotternd erbricht (….wia müssner zaichn setzeen…wir sind sooo reich und haben proffitirt … ) lässt das fassungslos zurück.

      Es ist nicht typisch deutsch, auch bei unseren europäischen Nachbarn läuft das so.

      Wohin die Reise geht ist klar, der dritte Durchlauf rollt.

    2. Man muß sich ja nicht unbedingt zum Büttel machen.

      Unsere Regierung bekam 2009 aus den USA den Auftrag, sich ein verschärftes polit. Strafrecht zu geben. Selbst die (absurde) wörtliche Übersetzung von US-Vorgaben wurde angewiesen = hate crime = Haßverbrechen.

      In einer Zeit – ein klein bißchen Internetrecherche wirkt Wunder – in der unsere Medien jede abweichende Meinung des Regierungskurses (u.a. EU, Euro) unisono zu „Haßkommentare von Hassenden, die als Mitglied einer Haßideologie Haß verbreiten“ erklären, sollte man als Bürger zurückhaltender mit der blinden Übernahme von Agitationsformeln sein.

  5. Wer glaubt, daß Zensur und Bestrafung von Meinungsäußerungen die Lösung für gesellschaftliche Probleme darstellt, muß sich nicht wundern, wenn er sich in einer Diktatur wiederfindet. Und es könnte durchaus sein, daß es das nächste Mal seine Meinung ist, die verfolgt wird.

    In einer Demokratie, die den Namen auch verdient, gibt es keine „Meinungsdelikte“.

    1. Sehr richtig, Herr Körner,
      solange es bei einer Meinung bleibt, ist in einer Demokratie nichts einzuwenden (außer einer gegensätzlichen Meinung). Allerdings, und ich glaube da hinkt ihr Demokratieverständnis: Wird per Meinungsäußerung zu Hass und Gewalt aufgerufen, hat der Staat und jede Privatperson das Recht, dies zu unterbinden.
      Auch die Meinungsfreiheit ist kein „Supergrundrecht“ – sie sticht weder körperliche Unversehrtheit noch die Würde des Menschen aus.

    2. @Holger Körner
      So richtig es ist, dass es generell keine willkürliche Zensur oder Bestrafung von Meinungen geben darf, so falsch ist die Behauptung, dass es keine Meinungsdelikte gibt. Durch den Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Meinungsfreiheit festschreibt, sind nämlich keine Straftaten gedeckt. So droht der § 130 StGB für Volksverhetzung bis zu fünf Jahre und der 185 StGB für Beleidigungen oder üble Nachrede bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe an. Wenn solche Meinungsdelikte aus dem Strafrecht verbannt werden sollen, so könnte man das Gleiche auch für andere Straftaten verlangen. Und eine solche Form einer gesetzlosen „Demokratie“ ist für mich nicht gerade wünschenswert.

      1. Liest du das Grundgesetz, mein Sohn?
        Da ist ein Artikel, den ich fast auswendig kenne …

        Und da heißt es weiter
        (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, …

        Radio Eriwan

  6. „Facebook muss aufpassen, dass der laxe Umgang mit Hasskommentaren in Deutschland nicht zu einer ernsten und nachhaltigen Belastung des Images wird.“

    Wurde dieser Satz jetzt 1:1 vom Kanzleramt übernommen ?

    Was soll das sein, Herr Alexander Becker, die Aufforderung an Facebook und andere US-Medien-Konzerne in Deutschland alles wegzuzensieren was Vertretern der Bunten Republik nicht passt, so wie das schon alle anderen Medien in Deutschland machen ?

    1. Selbst kein Facebook-Mitglied, aber immerhin zeigt sich hier ja mal ein realer Nutzen.

      Ein Personenkreis, der im normalen Leben jeglichen Kontakt mit Personen, die ausserhalb der eigenen Yuppie-Latte Macchiato Peer-Group stehen, vermeidet, wird durch Facebook gezwungen sich mit dem 85% Rest-Deutschland auseinanderzusetzen.

      Reaktion natürlich überpeinlich, man rennt zu Mami, zieht am Rockzipfel und denunziert.

  7. Ich finde es Falsch die Beiträge zu löschen
    1. mann konnte denken egal was ich schreib wird so und so gelöscht also warum die mühe.
    2. Man muss auch mit Leuten anderer Auffassung reden und nicht mit Rechts gestempelt in die Ecke stellen und nicht tolerieren, so etwas macht es nur schlimmer Kriminelle versucht man auch zu sozialisieren.

  8. Die Linken und Gutmenschen dieser Republik haben dem Rest den Krieg erklärt und wundern sich nun, dass die sich das nicht gefallen lassen. Hat doch jetzt 70 Jahre funktioniert, warum jetzt auf einmal nicht mehr?
    Jetzt sind sie empört, dass der Kessel überkocht und merken, dass die Umerziehung nicht geklappt hat. Sie haben Angst und rufen nach dem Staat und der Zensur. Nur liebe Leute, die Mittelchen sind nicht nur nach einer Seite wirksam. Ihr habt euch zu sicher gefühlt.

    1. Was für ein Krieg soll das sein? Wir sind eines der wohlhabensten Völker der Welt und haben gleichzeitig eine der niedrigsten Geburtenquoten. Weite Teile des Landes sind dünn besiedelt.

      In nicht wenigen Fällen fußt unser Wohlstand auf der Ausbeutung von Menschen in Süd und Ost. Das Mindeste ist, die Flüchtlinge, die es bis zu uns schaffen willkommen zu heißen und uns ihr Anliegen anzuhören.

      Im Übrigen kommt ein großer Teil der Asylbewerber aus dem Westbalkan und die werden zu 99% im Schnellverfahren abgeschoben.

  9. „Die Linken und die Gutmenschen …“
    Wenn es denn wirklich „Gutmenschen“ wären. Ich habe beruflich tiefe Einblicke in die Immobilienbranche und die „Binnenmigration“ der Einwohner und erinnere mich immer an denn hellsichtigen Spruch, den uns Schülern unsere Alten in den 80ern auf den Weg gegeben haben: „Links reden, rechts leben“.

    Hier ein bißchen Zustimmung, dort ein paar Sachspenden … aber die Stadtviertel mit starkem Einwanderanteil werden von den „Gutmenschen“ geräumt. Es „kippt“ ein Stadtteil nach dem anderen…

    Fragen Sie doch einmal eine Lehrerin einer Schulklasse mit 60-70% Einwandereranteil unter den Schülern, wo die im Schulbezirk wohnenden Kinder von „Gutmenschen“ sind. Da finden sie im übrigens auch keine Kinder von „Linken“.; da finden sie noch nicht einmal den Sohn der Gesamtschullehrerin oder die Tochter des Angestellten der Stadtwerke.

  10. Facebook gestattet perverse und beleidigende Beiträge, löscht aber die meisten „nicht der „politisch Correctnes“ entsprechenden Kommentare und straft den Beitragsschreiber damit, daß in keinem Beitrag „Daumen“ hoch gezeigt wird oder nur ein Daumen hoch. Auch in jedem völlig unpolitisch, belanglosen Beiträgen erscheinen nie mehr als zwei Daumen, während andere Kommentatoren zum gleichen Thema oftmals 150 „Daumen hoch“ erhalten. Auch nach einer Neuanmeldung in Facebook werden die Beiträge mit nur 1 oder 2 Daumen hoch bewertet. Es soll Nutzer geben, die das merken und sich abmelden.

  11. Man sehe sich nur die Rechtschreibung der einzelnen Beiträge an, dann sieht man, welch geistiges Niveau dahinter steht.

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